Friday-Post

Friday-Post

DER Links-Aussen auf Solopfaden für einen schönen Ausklang der Woche 🙂
Die neuen Werke sind sehr zu empfehlen, hier aus gegebenem Anlass ein älteres Werk.

Mein Freitagsritual werde ich mir – trotz Herz-Bruch – nicht nehmen lassen, daher freue ich mich auf heute abend. Das dann sogar in der Extended-Version mit Motorrad-Akrobatik und Krach im Anschluss…

Hach, das Leben ist schön…. 🙂

Euch ein schönes Wochenende!

Stock geklaut…

Stock geklaut…

Die werte Candy Bukowski hat ein paar Stöckchen geworfen, ich fand die Fragen so toll und habe die dann auch mal beantwortet.

 

– Schreiben ist…

Befreiend! Beruhigend! Bekräftigend! Beharrlich! Begreifen!
Ich habe schon immer Tagebuch geschrieben, was ich heute nur unter extremen Lach- und Kicheranfällen lesen kann, zumindest teilweise. Und gebloggt habe ich auch schon an anderen Stellen. Es ist ein Ventil ohne das ich vielleicht platzen würde.

 

– Bloggst Du offen oder anonym und warum so und nicht anders?

Mittlerweile Semi-Anonym, würde ich sagen. Am Anfang stand die Angst erkannt und be-/verurteilt zu werden im Raum, mittlerweile könnten mich Menschen aus dem RL durchaus erkennen. Auch wenn es mir nicht mehr soviel ausmachen würde, enttarnt zu werden, würde ich das wie wann und wo gerne selber in der Hand haben. Da ich aber auch gerne Blogger IRL treffe, bleibt es bei der Aussage „Semi-Anonym“ 🙂

 

– Worüber schreibst Du, was ist Dein Genre? (fiese Frage, ich weiß 😉 )

Mich und meine Gedanken. Die Frage ist gar nicht so fies? 😉 Begonnen als Date-/Sex-/BDSM-Blog, Einfluß aus dem Herzen, dem Persönlichen ist es jetzt …. hmm ja, mein Gedankenspeicher, meine „Cloud“, meine Kraftquelle, Inspiration, Tagebuch, Scribble-Buch… Es gibt keinen rein fiktionalen Text bei mir, alles hat irgendwie mit mir zu tun. Manchmal verrenne ich mich dabei, hole mir eine Beule, aber es macht einfach Spaß zu Schreiben und zu Teilen…
Definitiv keine große Poesie .. Dichtung liegt mir leider garnicht, bis jetzt … Aber hier hat sich schon soviel entwickelt, wer weiß also, was als nächstes auftaucht 😉

 

– Begrenzt Du Dich selbst dabei, gibt es eine Schere?

Nur insofern, als dass ich keine Echt- oder Klarnamen verwendet… Alle anderen Personen, inklusive mir, existieren… leben… atmen…
Nach ein paar Kommentar-Trollen habe ich eine Weile auf Persönliches verzichtet, aber die scheinen sich mittlerweile verzogen zu haben, haben eine andere Spielwiese gefunden und ich möchte eigentlich auf meinem Blog nicht nur an der Oberfläche kratzen.
Manchmal merke ich, dass ich mit angezogener Handbremse schreibe, die Artikel überarbeite ich dann ab und an mal… Aber ansonsten versuche ich impulsiv aus dem Hier und Jetzt zu schreiben.

 

– Das Beste und das Blödeste am bloggen ist…

Das Beste? Die anderen Blogger … Auf alle Fälle die anderen Blogger. Ich lese viel, kommentiere gerne und viel. Ich mag‘ (fast) alle Kommentare auf meinem Blog, selbst die Unangenehmen geben mir „food for thoughts“. Unhöflich waren bis jetzt nur wenige, ich genieße den Austausch.

Das Blödeste? Dass ich mich mittlerweile dabei ertappe, wie ich schon in einer Situation darüber nachdenke, wie ich das verbloggen könnte. 😉

 

– Was ist Dein liebster, eigener Text und warum?

Ich + Du = Wir

Selten habe ich so herznah geschrieben wie in diesem Text, alle meine Wünsche, Hoffnungen, Gefühle reingelegt.
Auch wenn das Ziel der Begierde schreiend davon gelaufen ist beim Lesen und auf dem Weg alles Porzellan zerbrochen und alle Türen zugeschlagen hat … ich würde das gerne nochmal schreiben, wenn es der richtige Mensch denn auch zu schätzen weiß. Vielleicht gelingt mir das.

 

– Das große Thema meines Lebens lautet…

Öhm … Leben: Erleben, Durchleben,Überleben. Veränderung, Lernen, Weiterentwickeln.

 

– Ich bin eine coole Socke, weil…

… ich alles tue, um genau DAS nicht zu sein.

… ich wie ein cheerleadernder Powerwaschbär bin und gerne mal Schampus trinkend auf einer Kellertreppe sitze, mit anderen Bloggern.

… ich selbst im tiefsten Dunkel ein Streichholzheftchen dabei habe.

 

– Ich bin arschlangweilig, wenn es darum geht…

… zu bügeln. Deswegen mache ich das nicht mehr. Ab und an muss ich das beruflich machen, das reicht. Im privaten Leben habe ich so gut wie keine Bügelpflichtigen Dinge. Abgeschafft.
Vielleicht bin ich da aber auch SAUkreativ dabei, dem aus dem Weg zu gehen … das ist eine Frage der Perspektive 😉

Charakterlich wäre ich gerne ein wenig mutiger, falls das die Frage war.

 

– Der Wert der Dinge bemisst sich für mich ….

… an den damit verknüpften Erlebnissen – Erinnerungen will ich es nicht nennen, obwohl das mit rein spielt, aber dann wären es nur Dinge der Vergangenheit.

Ich leg‘ das Stöckchen mal zurück zu Frau B’s Stapel und wünsche Euch einen guten Start in die Woche. 🙂

Find Dich gut

Find Dich gut

Hach, es ist so schön, dass soviele meiner Lieblingskünstler grade neue Alben raushauen. Die Lila freut das extremst.

Als Kontrast zu gestern, dann heute mal eine Hymne für’s sich selber toll finden. Eine Aufgabe, die ich noch meistern muss. Das Lied zum Motivieren habe ich ja jetzt schonmal. 🙂

Farin Urlaub Racing Team – Faszination Weltraum – Find Dich gut

 

Wenn dich dein Leben schon lang nicht mehr reizt
weil es ständig nur Kritik gibt, doch mit Lob wird gegeizt
dann hilft nur eins: die Fahne raus
halte sie hoch, spende dir selber Applaus

Find dich gut, find dich einfach super
wenns kein anderer tut
Find dich gut, hau dir auf die Schulter
mach dir selber Mut

Bist du schon lange auf Liebesentzug
weil du nur toll bist, aber nie toll genug?
Du hast zwar grad Wunder vollbracht
doch niemand kommt und sagt: das hast du super gemacht!

Find dich gut, find dich einzigartig-
das bist du, absolut
Find dich gut, nicke anerkennend
zieh vor dir selbst den Hut

Du bist zu gut für diese Welt
nur: bescheiden, wie du bist, hast du das keinem erzählt
doch wenn die anderen dein Genie nicht erkennen
sei nicht so schüchtern, und werde dein eigener Fan

Find dich gut, knie mal vor dir nieder
zoll dir selbst Tribut
Find dich gut, streichel dich mal wieder
wenns kein anderer tut

„Wie geliebt“ … wie Faust auf Auge….

„Wie geliebt“ … wie Faust auf Auge….

Eigentlich geht es Dir gut, nur ab und zu fehlt Dir noch was
Als ob Du nach etwas suchst
Nach etwas mehr als nur Spass
Mehr als ’ne gute Zeit
Noch mehr als nur sorgenfrei
Statt einer endlosen Nacht, etwas was Dir auch am Morgen noch bleibt
Doch allmählich wächst Deine Angst
steigert sich jeden Tag
Das, was Du vom Leben verlangst,
etwas mehr als es zu geben vermag
Etwas, das eh nur die Wenigstens haben
Dir seh’n es nur die Wenigstens an
Da scheinbar bei Dir alles passt
Nur dass Du das Eine nicht hast

Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich gings Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
Was ist das alles hier wert
wenns keiner mit Dir teilt
Denn Du hast so vieles zu geben
Aber findest keinen
Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich geht’s Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
ja, Du hast viele Freunde
nur nicht diesen einen Mensch
Der Dich ein Leben lang begleitet und sein Eigen nennt

Manchmal lädst Du Dir Leute ein
Ist doch gut, dass es Freunde gibt
Denn Du fühlst Dich gut bei Ihnen
Nur eben nicht geliebt
Doch alle sind da für Dich
nur was, wenn sie wieder gehen
Kannst Du Deinem Spiegelbild
Dann noch gegenüber stehen
Denn was es Dir ständig zeigt
Ist „Du hast es nicht geschafft“
Mal tust Du Dir selber leid
und das nimmt Dir noch mehr Kraft
Mal kämpfst Du dagegen an
doch leider gibt es keinen Mensch
Der Dich begleitet und sein Leben lang sein Eigen nennt

Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich gings Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
Was ist das alles hier wert
wenns keiner mit Dir teilt
Denn Du hast sovieles zu geben
Aber findest keinen
Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich geht’s Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
ja, Du hast viele Freunde
nur nicht diesen einen Mensch
Der Dich ein Leben lang begleitet und sein Eigen nennt

Für Dich hat jede Nacht 100.000 Stunden
Du liegst wieder ewig wach
Zuwenig Schlaf gefunden
Deine Zweifel kreisen Dich
Von allen Seiten ein
Vielleicht bist Du ja einfach nicht dafür bestimmt zu zweit zu sein
Bestimmt gibt es da draussen Tausende, denen es genauso geht.
Wenn die auch so drauf sind, brauchst Du keinen von denen mit nach Hause zu nehmen.
Denn am Ende bleibt nur wieder dieses eine Gefühl
Nie zu kriegen, was man eigentlich will.

Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich gings Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
Was ist das alles hier wert
wenns keiner mit Dir teilt
Denn Du hast sovieles zu geben
Aber findest keinen
Wenn eine Kleinigkeit fehlt
und eigentlich geht’s Dir gut
Aber du wünschtest Dir oft Du hättest
Doch Du hattest kein Mut
ja, Du hast viele Freunde
nur nicht diesen einen Mensch
Der Dich ein Leben lang begleitet und sein Eigen nennt

Leider noch kein Video oder Soundcloud-Link verfügbar, einfach mal auf dem neuen Album der Fantastischen Vier anhören

Transfusion

Transfusion

Ihr ist kalt. Ihre Augen sind geschlossen, aus der Ferne nimmt sie ein Summen war und ein Pochen.
Halt, nein, das Pochen kommt von Innen… Ein beruhigender, langsamer Rhythmus…. Do-Dong, Do-Dong, Do-Dong… ihr Herz…. Schlägt…. Noch. Langsam. Ihr ist kalt.

Sie weiß nicht, wie lange sie geschlafen hat, traumlos. Ihr ist immer noch kalt. Sie versucht die Augen zu öffnen, die Wimpern sind verklebt. Eine Mischung von Mascara, Tränen und Schlafmatzen. Sie möchte reiben, kann jedoch nicht – sie ist fixiert … Von was und wo und wie? Sie weiß es nicht. Mit Zwang und dem Verlust von ein paar Wimpern öffnet sie ihre Augen. Zwinkert, mehrfach, blinkt, die Augen tränen.

Sie schaut an sich runter: Auf einem Stahlstuhl sitzend, Handgelenke und Fußgelenke an den Stuhl gebunden, Schläuche überall. Aus mehreren Stellen ihres Körpers kommen Schläuche raus, durch die eine Flüssigkeit entflieht, tiefrot, warm…. Ihr ist kalt, so kalt.

Sie hebt den Kopf soweit es geht und schaut sich um, rechts und links nur dämmriges Licht, irgendwo flackert etwas… ein Feuer? Sie hört dieses Summen wieder, hört ein Lachen…. Die Schläuche führen abwärts… Sie richtet sich auf und lehnt sich vor… Ihr wird schwindelig… Das „Do-Dong“ wird schneller und ihr schwindelig… Sie macht die Augen zu, ihr ist kalt.

Als sie die Augen wieder öffnet, hat sie Welt aufgehört den Stuhl im Kreis zu drehen. Langsam lehnt sie sich vor und lunst in den Abgrund, warm und hell erleuchtet.
Sieht SIE, prall und rosig, eine Armee von Babies um sie herum, alle freudig die nächste Zitze erhoffend. Um den Sessel stehen Flaschen, Gläser, Tassen… Gefüllt mit roter Milch, voller Lebenskraft, gewürzt mit Liebe und Optimismus. Mama trinkt davon, leckt sich die Lippen, Schmatz, reibt sich das feste Runde Bäuchlein, nimmt sich ein Kind und legt es an. Gierig saugt es, die Extase der Symbiose ist in beiden Gesichtern zu sehen.

Erschöpft lehnt sie sich im Stuhl zurück. Sie versteht nicht. Noch nicht. Ihr ist kalt.

Das Summen, es wird lauter… Das Quieken und Lachen sind einem sanften Schnarchen gewichen. Sie schaut über die Armlehne runter, die Glut taucht alles in warmes, rotes Licht. Sie schaut an ihren Schläuchen hinab, folgt ihnen, sie enden bei ihm. Er sitzt in einem Käfig, das Summen ist die elektrische Spannung, die ihn daran hindert auszubrechen, aufzuhören, ihn zwingen weiterzumachen, keine Pause. Kontinuierlich saugt er die verschiedenen Schläuche an, spuckt das Blut, ihr Blut, in einen großen Topf, rührt um, gibt Gewürze wie Vertrauen, Sicherheit und Zukunft hinzu. Schmeckt ab, rührt um und saugt und spuckt weiter.
Wenn der Topf voll genug ist, füllt er die Suppe des Lebens in Flaschen und Kannen ab, stellt sie auf ein beheiztes Fließband, das direkt zu IHREM Sessel führt.

Ihr ist nicht mehr kalt, die Hitze der Erkenntnis, die Ausweglosigkeit der Situation lässt ihr Blut kochen. Er bemerkt die Temperaturveränderung, schaut hoch, müde Augen treffen sich.

Sie weiß, sie wird sterben – so oder so. Wenigstens einen Versuch wird sie starten, ein letztes Mal kämpfen. Sie dreht und wendet sich, bäumt sich auf. Das Seil schneidet tief in ihr Fleisch, hinterlässt Spuren. Langsam löst sich einer der Schläuche… Mit einem „Plopp“ verlässt er ihren Körper, fällt nach unten, ihr Blut tropft auf die Glut, es zischt. SIE wacht auf, grunzt ihn an, schaut nach oben, schaut ihr in die Augen, zornig funkelnd, hämisch lächelnd. SIE weiß, dass es jetzt nicht mehr lange dauern wird, es wird schneller gehen. Das Letzte Blut ist in Wallung, läuft ihm entgegen, brennt, köchelt, verbrennt ihm den Mund. Er hustet, röchelt, bekommt keine Luft. Sein Gesicht läuft blau an, sie hört ein panisches Grunzen, lautes hilfeschreiendes Quieken. Lehnt sich zurück, der Sog lässt nach. Das Summen wird leiser, das Pochen langsamer.

Ihr ist kalt, sie versteht. Sie macht die Augen zu und ergibt sich der warmen Umarmung des Todes. Warm, endlich warm.

Manny: Kämpfer, Krafttier, Schleifenträger

Manny: Kämpfer, Krafttier, Schleifenträger

Meine Oma hatte Brustkrebs, beide Brüste wurden amputiert. Ich bin sonst kein Arztgeher, aber das Wissen, dass a) diese Krankheit in der Familie schlummert und b) je früher erkannt, desto bessere Chancen zur Genesung bestehen, lassen mich diesen Termin regelmäßig wahrnehmen!

🙂

Au contraire

Pünktlich zum Wochenende wurde mir, wurde uns die Ehre zuteil, der Leserschaft ein neues Krafttier vorzustellen: Manny, benamt von Frau Knobloch, entworfen von Mo Beumers, erbeten von Madame. Ein kleiner Waschbär mit einer großen Aufgabe, nämlich für den Kampf gegen Brustkrebs einzustehen und das Bewusstsein hierfür zu fördern – und zu fordern.

Waschbärstarkes Bewusstsein

Verschiedene Fragen mögen sich ergeben, was Madame sich nun genau vorstellt. Ich versuche es mal:

Wie soll Manny eingesetzt werden?
Mir persönlich gefiele es, wenn jeder, der sich mit Manny identifizieren kann, ihn auf seiner Seite verlinkt und gerne ein oder zwei Worte zum Thema Brustkrebs verliert. Wenn gewünscht. Sich wortlos solidarisch zeigen ist in meinen Augen aber genau so wertvoll und wünschenswert.

Warum?
Siehe Mannys Aufgabe. Mir, uns liegt daran, das Bewusstsein für diese Erkrankung zu fördern und zu fordern. Solidarität für Betroffene, Angehörige, Freunde zu bekunden. Das Bewusstsein dafür zu wecken, dass…

Ursprünglichen Post anzeigen 103 weitere Wörter

0 – Kopf oder Zahl

0 – Kopf oder Zahl

Sie. Gescheitertes Experiment. Lange drüber nachgedacht, das letzte Kapitel zu veröffentlichen – dafür entschieden.

Jetzt – Rückkehr nach Hause.

Teil 1 hier, Teil 2 dann hier...

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Tag 1 – Das Ende

Ich ließ ihn dort liegen – er wollte es so … Mein Kleiner hatte aufgegeben … Sich selber, mich und uns … er war… nein, er ist nicht stark genug… Im Spiel muss er es nie sein, im Leben kann er es nicht sein.

Es gab dazu nicht mehr viel zu sagen, also gab ich ihm eine Decke, befreite ihn von allen Fesseln und verließ den Raum. Jede Nähe würde ihn noch unruhiger, noch aggressiver werden lassen… ein verletztes Tier, das nach jeder Hand schnappt. Es machte keinen Sinn mehr, es war sein Wunsch, den ich ausnahmsweise befolgte.

 

Mit einem Glas Wein ging ich nach draußen, atmete den Duft des Kräutergartens ein und begann nachzudenken. Die Gedankenachterbahn gleichte heute einer 8 … immer wieder kam ich an die gleichen Stellen im Kopf, kamen die immer gleichen Bilder hoch, die immer gleichen Fragen… immer wieder ohne Antwort weiter fahren… Kein Vorwärts, Kein Rückwärts, Kein Ausstieg – Jegliche Energie an dieser Stelle ist verschwendet.

 

Ich sinniere vor mich hin „Er ist devot, er ist maso … Ist er es wirklich?“
Mir kommt Faust in den Sinn „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“ – Goethes Worte, Mephisto in diesem Spiel bin wohl ich. Seufzend leere ich mein Glas, der Rotwein schimmert wie Blut am Rande des Glases…. Meines ist ruhig.

 

Mir wird kalt. Die Decke habe ich über ihn gelegt, mir ist immer wichtig gewesen, daß es ihm gut geht, daß er sich gut fühlt. Bevor ich ins Bett gehe, schaue ich ein letztes Mal nach ihm, sehe ihm beim Schlafen zu … Er sieht friedlich aus … Wenigstens im Schlaf findet er das, was er sucht.

 

Tag 2 – Meer ist Kraft

Sonnenaufgänge am Meer … Es gibt wenig Beruhigenderes… Verankernd … Egal, wie Steil die Kante ist, ich fühle mich hier sicher, zuhause.

Ich spüre ihn, bevor ich ihn sehen oder hören kann… Seine Unsicherheit umgibt ihn wie ein elektrisch geladener Zaun – Nicht Anfassen – Hochspannung – Tod!!
Es fehlt noch der Totenkopf auf seiner Stirn.

Er schaut mich an, er will etwas sagen – Die Worte fehlen ihm … wie so oft. Er ist es gewohnt, daß andere für ihn reden, für ihn entscheiden. Er versucht mit mir zu sprechen, das Tosen des Meeres verschluckt den Laut – ich kann von den Lippen ablesen, was er mir sagt.

„Verstehst du, dass ich nicht bin, was du in mir siehst?“ versucht er, das Geräusch zu übertönen.

„Verstehst du, dass ich als Außenstehender möglicherweise besser erkenne, was gut für dich ist?“

Müde schaue ich ihn an, ich weiß, daß ich viel sagen könnte, vielleicht auch sagen möchte … Weiss schon jetzt, dass alles, was ich sage, bei ihm nicht ankommen wird. Er ist gefangen – in seinem Denken, seinem Leben, seiner Unfähigkeit sich selbst zu akzeptieren. „Das Meer war zu laut“ würde er sagen, wenn ich fragen würde, ob er mich verstanden hat.

Also starre ich ihn weiter schweigen an – denke an die anderen Männer in meinem Leben, erkenne ein Muster – treffe eine Entscheidung.
Ich kann ihm nicht helfen, ich kann ihn nicht retten, also muss ich gehen, ihn gehen lassen.

Er wird nicht verstehen, was ich gesehen habe, mir das nicht glauben… Er wird Argumente bringen, dass das nicht sein wahres Ich ist, daß er schlechter ist als das, was ich sehe, wenn ich ihn anschaue. Er könne meine Erwartungen nicht erfüllen, könne mein Verlangen nicht stillen… Ich werde ihn nicht umstimmen, es nicht mal mehr versuchen.

Meine Philosophie ist recht einfach: Nimm‘ die Menschen so, wie sie sind, gebe ihnen Halt, wenn sie ihn brauchen … Lass los, wenn sie frei sein wollen … Versuche nicht, jemanden zu ändern, ändere Deine Haltung und akzeptiere … Das Ganze, den ganzen Menschen. Weil ich an das Gute im Menschen glaube … Weil es immer einen Weg gibt … Weil ich erkenne, wenn ich etwas Kostbares in den Händen halte und es bewahren werde… Immer – Schon immer… Für Immer.

„Ich liebte alles an Dir“, denke ich ihm zu, „weil selbst die Ecken und Kanten, weil selbst das vermeindlich „Schlechte“, ein schönes Gesamtbild formen. Weil selbst Deine Fehler etwas Gutes haben – sie machen Dich aus. Love all your perfect imperfections.“ Ich möchte ihm zurufen: „Fang‘ an Dich selber für das zu akzeptieren, was Du bist“ … Die Worte bleiben in meinem Kopf, das Tosen ist zu laut, das Tosen in seinem Kopf wird die Worte verstummen lassen.

 

„Akzeptiere die Dinge, die Du nicht ändern kannst und ändere die, die veränderbar sind.“

 

Ich verstehe, was er ist. Die Bandbreite seines Seins ist immens. Er liebt die Schizophrenie seiner Existenz. Er ist eine Medaille – Kopf oder Zahl – schwarz oder weiß – leben oder vegetieren – lachen oder weinen – warm oder kalt – emotional oder rational …. Beide Seiten haben ihre Daseins-Berechtigung… Jede steht für eine Entscheidung. Er trifft keine, er ist die Münze, die immer auf der Kante stehen bleibt. Weder auf die eine noch auf die andere Seite fällt.

Im Gleichgewicht gehalten vom Selbstbetrug.

 

Als ich mich umdrehe, zurück zum Wagen möchte, ruft er mir hinterher: „Rede dir bitte nicht wieder ein, du wärest nicht liebenswert!

 

Ich bleibe stehen. Atme tief ein und wieder aus. Ich drehe mich ein letztes Mal zu ihm um … Ich lächel ihm zu, meine Maske intakt, zurück zum Anfang.

„Jaja“ sagt mein Gesichtsausdruck … „Jaja“ bedeutet….  Das wissen wir beide.
Er weiß, daß seine Worte mir nichts  bedeuten … Taten sagen mehr als Worte, unsere Taten sind Fakten, sind Grundlagen, sind real – Worte sind geduldig, sind oft falsch, sind manchmal relativ … Sender – Empfänger… An Taten ist wenig misszuverstehen… Ich würde ihm gerne antworten, ihm sagen, daß er sich gerade lächerlich macht…  Der Mann, der Angst vor Liebe und Intimität hat,der eine Lüge lebt, will mir sagen, wie Liebe funktioniert, wie man ehrlich ist und sich selbst akzeptiert, denke ich bei mir, wie niedlich.

Mit einem bitteren Lachen drehe ich mich um und lasse ihn machen, wofür er an den Abgrund gekommen war: Er wird springen.

Ignorance is bliss.

Es wird ihm bald wieder gut gehen. Er wird sich die Augen reiben, sein Tagebuch lesen und sich kneifen. Ein Traum, wird er sich sagen… sich schütteln und seinem geregelten Tagesablauf nachgehen. Gleichförmig, Gerade, Unaufregend…  Das Nest ist warm und heimelig, die Abende auf der Couch werden sein wie alle Abende zuvor, die größte Aufregung wird die Entscheidung für das TV-Programm sein … Action oder Gefühle … Er entscheidet das nicht. Die Fernbedienung hat jemand anderes. Sein Leben wird ferngesteuert. Die Knöpfe drücken andere.

Ab und an wird ihm ein Seufzen entgleiten, in der Stille der Nacht … wenn er die Tür, die knarrt und quietscht, aufmacht zu der anderen Seiten seines Ichs – Kopf oder Zahl, einmal kurz gucken. Spuren hinterlassen in sicherer Entfernung … Sein zweites Ich fütternd… Er kann es nicht leben lassen, kann sich nicht ausleben … Sterben lassen aber auch nicht, zu sehr liebt er sein Leben …  Kopf oder Zahl … Die Frage seines Lebens.

Ich setze mich in mein Auto und fahre nach Hause. Ich sende ihm noch kurz einen Gedanken, hoffend, dass er seinen Weg findet und die richtigen Türen in der Zukunft erkennt und aufmacht.

Ich drehe meine Anlage auf, nehme mein Buch in die Hand, das Koala-Lesezeichen fällt in meine Hand … Lächelnd stecke ich es in den ungelesenen Teil und lese weiter …

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Fehlende Teile und Fortsetzung werden folgen