Prokofjew

Prokofjew

Großartig geschrieben!

„Der Mensch ist sexuell, nicht nur, aber auch – immer auch! Und sexuell bedeutet nicht zwischen Partnern eins zu eins. Das Sexuelle ist frei! Das Sexuelle hält zusammen, es bindet, es ist überall.

Nimmst du das Sexuelle weg, verhinderst du es um jeden Preis, erlaubst du nicht damit zu spielen, so nimmst du das Menschliche weg, das Verbindende. Es wird einsam. Es wird verzweifelt. Es wird kalt.“

ludersindmirwillkommen

Dienstag

Prokofjew rieselt durch die Stahltüre. Natürlich rieselt nicht er, es rieselt seine Musik. Ballettstunde. Meine Tochter übt und übt und übt und ich warte und warte und warte im Vorraum. Ich schaue den Gang hinauf und hinunter. Langeweile herrscht hier. Auf das Handy schaue ich nicht. Das ist aussichtslos. Es gibt kein Netz hier in den Katakomben der Ballettschule. Elektronische Ablenkung ist nicht möglich. Die Mauern sind dick wie ein Mann. Das Gemäuer ist fest, es ist Bunker, drückt den Mensch und Prokofjew kontrastiert: Es klimpert leicht und munter durch die Tür.

Die Eingangstüre öffnet sich. Die Mutter eines weiteren Kindes tritt ein. Auch sie ist verfrüht, genau wie ich. Wir kennen uns. Vom Sehen kennen wir uns, wie man Ballettkinderabholmütter eben so kennt.

Die meisten Mütter sind mir zu sehr „Perlenkette“. Diese hier aber ist mir angenehm. Sie ist seriös, aber hat Schalk. Vor allem ist sie schön.

Ursprünglichen Post anzeigen 634 weitere Wörter

31 Gedanken zu “Prokofjew

  1. Also ich finde den Text recht unangenehm, der Typ interpretiert die Gesten der Frau, die eventuell nur höflich gemeint sind. Dazu hat er eine recht penetrant selbstverliebte Art und meint zu wissen, was andere wollen. Ja, der Mensch ist sexuell, hat aber auch die Wahl, sich von seinen Trieben leiten zu lassen oder nicht. Wer sich dagegen entscheidet, hat eventuell eine stabile Beziehung und auch eine erfüllte Sexualität. Wer jedem Affekt hinterherrennt weil er oder sie meint, was zu verpassen, verpasst auch die Beziehungskarriere. Der Autor des Textes ist manipulativ und unterstellt seine sexuellen Motive anderen, wer nicht einwilligt und mitmacht, ist eben ein bisschen beschränkt in seinen Augen. Diese Haltung wird in der Psychologie als Narzissmus bezeichnet.

    1. Das bestreite ich nicht … Zumindest das mit dem Narzissmus… Als Manipulativ habe ich das jetzt weniger empfunden. Bei mir kam an, dass er für sich (und scheinbar) auch seine Frau einen gemeinsamen, erfüllten Weg gefunden haben. Dem applaudiere ich .. Weil in meinen Augen viele gerne diesen Schritt gehen würden, die wenigsten ihn aber gehen. Meistens weil einfach nicht offen darüber gesprochen wird, was man möchte.
      Das ist sicher nicht in allen Ehen und Beziehungen so, keine Frage … Aber dieser Text war ein Auszug und für mich war er ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass es Beziehungen gibt, wo so ein Konstrukt funktionieren kann.
      Es klingt auch nicht so, als ob die Figuren sich von ihrem Trieb leiten liessen, denn dann hätten sie doch der anderen Dame sehr viel mehr Avancen gemacht und sie nicht aus der – für sie – unangenehmen Situation entlassen? Zumindest habe ich das so gelesen und empfunden 🙂

      1. Der Typ hat Kopfkino und denkt, der Film wäre die Realität, das finde ich bedenklich, weil Männer des öfteren weibliches Verhalten missverstehen. Was er da mit seiner Frau macht ist dann die nächste Ebene, da er sehr dominant ist wird er sich schon das passende still dahinleidende Weibchen gesucht haben. Komischerweise lese ich nie von Frauen, die fremden Männern Avancen machen und mit ihnen promisken Sex haben und ihr Ehemann duldet das, weil sie ein Arrangement haben. (Ich rede jetzt nicht von Ehemännern, die Voyeure sind) Der Mann ist in den allermeisten Fällen die treibende Kraft, denn manche Männer möchten zwar die Bequemlichkeit einer Zweierbeziehung mit Aufgehobensein und geregelten Mahlzeiten, aber dennoch wechselnde Sexualpartnerinnen. Frauen wünschen sich das seltener, wie man ja auch an dir sehen kann, du hast ja auch recht lange gebraucht, dich nach einer intensiven Begegnung auf jemanden Neuen einzustellen. Solche hierarchischen Beziehungen haben wirklich null und nichts mit den Wünschen der Frauen, aber sehr viel mit denen von Männern zu tun. In diesem Sinne sind sie patriarchale Arrangements zur Bespaßung des Mannes, der sich aber meist nach einer Weile selbst langweilt und anfängt, sein unterwürfiges Weibchen psychisch noch weiter zu quälen, um etwas mehr Würze in die öde Angelegenheit zu bringen. Eigentlich haben solche Männer Angst vor Frauen, die Forderungen stellen und bleiben deshalb ständig in einer vagabundierenden Zwischenwelt hängen.

      2. Hmm … Ja, sind Punkte drin, die durchaus wahr sind. Dass Männer gerne die Sicherheit einer Zweier-Beziehung haben und nebenbei das Abenteuer der „offenen“ Sexualität – ja, da stimme ich Dir 100% zu. Mir ist zumindest noch kein wirklich Poly-Lebender Mann begegnet…

        Nun ging es aber in dem Text doch eher um einen Dreier? Und weniger um ein Verhältnis von Ihm und Ihr, sondern Ihm, seiner Frau und Ihr?
        Glaubst Du dann, dass alle FMF-Dreier nur auf bestreben des Mannes entstehen?

        Zu dem anderen Kommentar: Ich habe beides – einen komplexen, fordernden Beruf und ein kompliziertes Liebesleben … Ersteres kann ich kontrollieren und mich fokussieren, daher wird das Liebesleben jetzt entkompliziert. Beides gleichzeitig auf einem High-Maintenance-Level zu leben, geht auf Dauer nicht gut. Das kann ich zumindest bestätigen.

        Food for thoughts, liebe Lesbomatin, wie immer 😉

      3. Ne, in dem Text habe ich nur Gedanken des Mannes gelesen, die Gedanken der Frau und die Art ihrer Übereinkunft wurden nicht thematisiert, sind ja für solche Typen auch drittrangig. Was ihr DOMs nennt sind meiner bescheidenen Ansicht nach schwache Männer auf der Suche nach noch schwächeren Frauen. Richtige Kerle suchen sich eine Frau ohne Selbstwert-Thematik, deshalb wirst du erst an deinem Selbstwert arbeiten müssen, um einen richtigen Kerl kennenlernen zu können. So, meine Sprechstunde beginnt jetzt und die ersten Klienten trudeln ein. 😉

      4. Heee! Ich dachte, ich BIN schon in der Sprechstunde! 😉

        Das könnte der Grund sein, warum es mit „klassischen“ Doms und mir nicht so funktioniert 🙂

  2. Du sagtest: „Bei mir kam an, dass er für sich (und scheinbar) auch seine Frau einen gemeinsamen, erfüllten Weg gefunden haben. Dem applaudiere ich .. Weil in meinen Augen viele gerne diesen Schritt gehen würden, die wenigsten ihn aber gehen. Meistens weil einfach nicht offen darüber gesprochen wird, was man möchte.“

    Die meisten gehen nicht den viel wichtigeren Schritt, in ihrer Beziehung offen zu reden, auch über sexuelle Phantasien oder ihre Wünsche, deshalb flüchten sie in Tagträume anderen Personen gegenüber. Diese Tagträume dann in die Beziehungsrealität zu integrieren ist die pseudoaufgeklärte Variante der Spießigkeit. Ich löse das Problem nicht mit dem Partner, sondern ich mache das Problem zur Lösung. Und schon gemerkt: Menschen, die ein kompliziertes Liebesleben haben, haben meist einen unkomplizierten Beruf. Wer im Leben was erreichen will, braucht stabile Beziehungen. Promiskuität macht Beziehungen instabil. Das Geschlechtliche lässt sich nicht teilen. So einfach ist das.

      1. Hehe, danke nein. ich halte mich zurück.
        Erstens ist müßig weil Diskussionen im Netz darüber sind wirkungslos. Zu viele Affekte und Barrieren verhindern freie Sicht. Im Bett, ein wundervoller Ort für Diskussionen – der Beste – wäre die Lage anders.
        Zweitens ist das nicht meine Nische hier, deswegen lausche ich hier. 😉

      2. Ich finde es generell schwierig hier zu diskutieren … zu schnell wird Schrift missverstanden … Ich sammle Meinungen und bilde mir auch meine eigene. Diskutieren sollte man tatsächlich von Angesicht zu Angesicht. Aber ich mag es, wenn verschiedene Sichtweisen hier landen, ist doch spannend. 🙂

      3. Ja absolut. Aber dieses Thema, man merkt es ja schnell, ist keinThema, sondern purer Sprengstoff. Da kann keiner eine Zoll nachgeben, viel zu viel steht auf dem Spiel. Stell dir mal vor das würde stimmen was ich schreibe. Wir sind alle ständig sexuell und haben gar nichts, aber auch überhaupt nichts im Griff – denn genau so ist die Lage-, das käme einer Selbstkapitulation gleich.
        Schwummerand wird mir nur bei der fachlichen Ahnungslosigkeit. Da muss ich mir schon auf die Zunge beißen. Das niemand weiß was ein Dom macht oder sein sollte ok, es mangelt an guten Beispielen. Aber 2014 mit Trieben zu diskutieren, nicht den Hauch einer Ahnung über den aktuellen Stand der Sexualforschung zu haben (will ja auch keiner hören) das sind die Punkte, an denen ich mir auf die Zunge beisse. Aber wie gesagt, ich bin jetzt still, fällt es noch so schwer. Aber ich lese mit und kichere…

      4. Doch, immer her damit … hier gibt es einige Leser, die auf Statistiken und Zahlen und Forschungergebnissen stehen (ich inklusive). Dass es keine guten Dom-Beispiele gibt, mag sein. Wobei ich zumindest als Einsteigerin einige gute Autoren gefunden habe, die ich durchaus als „gut“ empfunden habe… Es ist eben ein sehr persönliches Welt und Geschichten wie Deine versteht jeder anders. Ich anders als die Lesbomatin und sicher nochmal anders, als Du es vielleicht gemeint hast. Gibt es da Falsch oder Richtig? Wahrscheinlich nicht 🙂

        Und gibt es „DEN“ guten Dom? Ist das nicht ähnlich wie bei der generellen Partnersuche? Topf und Deckel? Das was ICH von einem Dom erwarte und mir wünsche, kann ja die nächste Frau ganz anders sehen… Pauschalisieren finde ich an dieser Stelle schwer.
        Also? Her mit den Zahlen und Forschungsergebnissen 🙂

      5. Bei Doms etc. Ja auch Topf und Deckel, diese Frage gibt es auch. Aber nur auch. In der Realität IST es mit der Dominanz nicht so weit her. Das können nicht viele, so war das mit den fehlenden Beispielen gemeint. natürlich gibt es sie.
        Zahlen? Forschungsergebnisse? So konkret sprach ich gar nicht. Ich formuliere es einmal so: die Triebe sind verscheucht, das funktioniert ganz anders, und das der Mann z.B. Derjenige sei der promiskuitiver sei (sinngemäß), nun, ich weiß gar nicht was ich zitieren soll, eure Hausaufgaben müsst ihr schon selber machen. In diesem speziellen Fall reicht es allerdings aus die Augen auf zu machen.

      6. „ihr“ – Momentan sprichst Du ja mit mir … 🙂
        Aber es wird grade sehr abstrakt – sprichst Du noch in Deiner Beobachtung/Geschichte oder der „Allgemeinheit“ ? 🙂

      7. Das ist zu Dir gesprochen aus meiner Erfahrung. Ich lebe ja in diesem Aquarium. Hier schwimmen überall Dom sind Subs herum, da, läuft schon wieder eine durchs Wohnzimmer. War eine Private Meinung, wir sind ja unter uns…

      8. Ich kann Deine „private“ Meinung nur nicht greifen? Was Du mir sagen willst? Denn ich habe Deinen Beitrag ja gereblogged, weil ich gut finde, was Du geschrieben hast? 🙂

        Genieß Dein Aquarium, ich freue mich für Dich 🙂

      9. Ich glaube wir haben uns gerade etwas missverstanden.
        Wenn es Klarheit bringt: ich stehe hinter dem was ich schreibe. Ich lebe es, ich bin es.
        Ich habe allerdings sehr schlecht Erfahrungen damit gemacht irgendwelche Statistiken oder Untersuchungen heranzuziehen. In Blogs bringt das noch weniger als im wissenschaftlichen Diskurs und schon da ist es mau.
        Ich bleibe bei de Literatur, bzw. Meine Versuchen darin. Das muss reichen. Den Rest muss man selber tun. Ich will gar nicht überzeugen, nur winken. „Hallo, da gibt es diese andere Welt.“
        Schön das es dir gefällt. Aber es sei dir versichert, ich laufe mich gerade erst warm hier, es kommt noch viel mehr. 😉

      10. Das hoffe ich doch sehr? 🙂
        Ich zähle drauf 🙂

        Und das macht das guter Dom, gute Sub, guter Switch eben aus (meine Meinung nach): Authentizität …
        „Es“ sein, „es“ Leben … Was auch immer „es“ für einen persönlich ist … Insofern: ich freue mich auf die nächsten Beiträge 🙂

      1. Doch, doch … Ich finde schon. Es kommt nur darauf an, aus welcher Perspektive es gelesen wird. Da spalten sich einfach zwei Lager. Manches lebe ich vielleicht so nicht, aber ich kann es mir vorstellen.

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