Grenzen

Grenzen

Tja, eigentlich sollte hier ein Beitrag für den Leinenmann stehen. Die letzte Woche hängt mir nach, sowas macht(e) mich übellaunig.

ABER:
Heute war Therapie – wunderbar in der Mittagspause…
UND:
Ich wusste worüber ich mit ihr sprechen wollte. HA!

Meine Männergeschichten hatte ich ihr nur grob umrissen erzählt, soweit sie das für die Diagnose wissen musste – befand ich.
Den Streit letzte Woche erzählte ich ihr allerdings… der Einfachheit halber nahm ich ein anderes Objekt des Streites (ich wollte ihr nicht Magic erklären müssen).

Ich hole mal aus: Seit einigen Tagen nehme ich mir vor H. einen Brief zu schreiben. Ich habe noch Dinge zu sagen, dachte ich. Ich müsse sowas schreiben wie „Ich vergebe Dir“ … dachte ich.

Seit Jahren führe ich Diskussionen und Streitgespräche mit meinem Vater. Weil ich nicht bekomme, was ich mir wünsche. Weil er mich nicht versteht. Ich probiere es, erkläre mich immer und immer wieder, weil ich denke, dass er es doch irgendwann mal verstehen muss.

Ich wünsche mir von dem Leinenmann ein erklärendes Gespräch. Wünsche mir Dinge zu hören, die mir helfen, den Schmerz zu überwinden oder zumindest zu lindern.

In allen Fällen weigere ich mich eine Endgültikeit zu akzeptieren. Einfach zu sagen „Ihr tut mir nicht gut, ihr habt mich verletzt. Ich möchte mit Euch nichts mehr zu tun haben“ … das kann ich nicht. Bzw. schwer .. es zu aktzeptieren und „ad acta“ zu legen? Das gelingt mir nicht.
Ich kann nicht verlassen. Am Ende kommt es immer zu den verzweifelten Gedanken, dass ich nicht gut genug bin/war, dass ich nicht liebenswert bin, dass ich einfach nicht ausreiche und schlecht bin.
Es kommt mir nicht in den Sinn, dass es vielleicht garnicht an mir liegt. Und so kann ich es auch nicht einfach „abhaken“ … Irgendwie muss es doch eine Lösung geben, irgendetwas muss ich doch machen können, wenn ich mir richtig Mühe gebe und vielleicht alles mache, was der andere toll findet… ach herrjee, Kinners, das ist auf Dauer anstrengend… Und hat nur am Rande mit den aktuellen Geschehnissen zu tun. Ich schweife ab. De facto wäre ich gerne rationaler. Ich würde gerne abschliessen, wegschliessen, weitergehen können, wie „normale“ Menschen das machen.

Andere Menschen stehen vor einer Mauer, erkennen, dass diese da ist und nicht überwindbar ist.
Ich? Ich renne wie das HB-Männchen nach Links, nach Rechts, die ganze Mauer ab… Klopfe mal überall dran (Könnte ja n Ziegel locker sitzen, wer weiss?)… Hole mir ein paar Steigeisen, obwohl ich das garnicht kann… und fange an Leitern zu bauen…. *seufz* Ich bin nicht wie andere Menschen, die vor der Mauer kehrtmachen und einfache einen anderen Weg suchen. Weg von der Mauer.
Ich stehe vor diesen Menschen, faszinierend … möchte den Kopf aufmachen und reingucken… Wie MACHEN die das? Wie können die einfach „zackbummpeng“ Dinge, Menschen, Geschehnisse „ad acta“ legen?
Freiwillige vor! 🙂
(Ich mache den Kopf auch wieder zu! Ehrlich!)

Heute kam nach dem ganzen Sermon von da oben *hochgugg* dann der dezente Fragehinweis, ob ich vielleicht manchmal die Grenzen der anderen Menschen nicht akzeptiere?
(Nachdem wir ja erst festgestellt haben, dass ich meine Grenzen auch nicht kenne und bennenen kann)

Erst wollte ich empört aufjaulen und mich verteidigen, als die besänftigten Worte kamen: „Nicht (nur) die gesetzten Grenzen, auch die Grenzen des Machbaren, des Könnens… “

Hmm, also … muss ich akzeptieren lernen, dass manche einfach nicht kommunizieren können? Sich nicht erklären können? Manchmal nicht verstehen können, ergo auch nichts ändern können?
Auch das sind Grenzen, die akzeptiert werden wollen.
Mir kommt das Bild der Schildkröte von Jetsam in den Kopf… ich kann noch soviel auf den Panzer klopfen und an den Füssen kitzeln. Manchmal, aus vielen unterschiedlichen Gründen, kann die Schildkröte nicht aus ihrer Haut … und bleibt im Panzer drin.

Hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

Schön war der Satz: „Naja, Sie suchen sich die Männer ja schon immer mit den schlechstmöglichen Erfolgschancen aus. Da können Sie noch so liebenswert oder noch so „gut“ sein, da haben Sie einfach aufs falsche Pferd gesetzt. Und nachdem der Mann sich selbst und seine Frau belügt, warum sollte er es gerade bei Ihnen anders machen? Das hat doch nichts mit Ihnen und Ihrem Wert zu tun?“ ….

Tjoah, ne? In diesem Sinne… 🙂

I recommend getting your heart trampled on to anyone

You live you learn
You love you learn
You cry you learn
You lose you learn
You bleed you learn
You scream you learn

Der Beitrag über und für den Leinenmann folgt vielleicht noch … Der Drang in meinem Bauch hat sich gelegt. Er ist eine Schildkröte… 🙂
Ich gehe mal Salat suchen… Vielleicht hilft das ja….

36 Gedanken zu “Grenzen

  1. Da haben wir etwas gemeinsam: ich kann auch nicht Dinge einfach DInge sein bleiben lassen, an mir nagen manche Sachen immer Tage, manchmal Wochen, oft Monate. Finde das auch irgendwie völlig normal, bzw. „menschlich“. 🙂

    1. Ja, menschlich vielleicht… Ich glaube aber, dass man… dass ich unterscheiden muss. Die Kunst ist wahrscheinlich zu erkennen, wann es Sinn macht weiter zu nagen. Aber manchmal ist es auch einfach total sinnfrei. Es wird nicht besser durch weiteres Nachdenken und Grübeln. Ich erreiche dadurch keine Befriedigung oder Erleichterung… sondern es belastet mich… In einem Ausmass, dass teilweise nicht wirklich gesund ist… 🙂

      An der Kunst des Erkennens arbeite ich noch 🙂

  2. Danke für den Einblick in deine Gedankenwelt Lila und ich drück dir die Daumen, dass du das mit dem Abschließen hin bekommst. Ich finde das auch nicht einfach, aber manchmal muss man einfach einen Schlussstrich ziehen so schwer das einem auch fällt – und man kann oft wirklich nichts dafür und auch nichts daran ändern. Ich sag mir dann immer wenn ich daran denke „Der (die) ist voll das A….loch (oder das ist voll Blöd) und es gar nicht wert, dass ich an ihn (sie) (oder das) denke!“. Und dann versuche ich einfach an was anderes Schönes zu denken. Das ist Anfangs nicht so einfach, aber mit der Zeit geht das!

    1. Naja … das funktioniert manchmal … 🙂 Aber eigentlich eben nicht… Der akute Schmerz mag dann weg sein, dann fängt aber diese nagende Unzufriedenheit an. Und ich habe ja leider auch noch so ein doofes Elefantenhirn. Ich würde so ein „klärendes“ Gespräch auch gerne mit dem Typen führen, mit dem ich vor 22 Jahren zusammen war… ich habe das alles nicht vergessen und eben leider auch nur bedingt… „erledigt“… 🙂

      1. Sagen wir so, es fühlt sich nicht nach Stillstand an, aber ich mache auch noch keine Luftsprünge oder laufe Sprints nach vorne weg… 🙂

      2. Dem speziellen Pferd hätte ich gerne noch mal ordentlich in den Popo treten wollen, aber jetzt ist es zu seiner Herde zurückgaloppiert… und das ist auch gut so… 🙂

      3. Hehe 🙂

        Ja, stimmt … die galoppieren noch ein wenig wild herum, werden aber ruhiger… 🙂

        (In Echt mag ich Pferde ja garnicht, viel zu groß!)

      4. In Echt mag ich Pferde, aber ich hab einen ziemlichen Respekt vor ihnen. Einmal sollte ich ein Fohlen in der offenen Box halten. Es ist an mir vorbei…geschlurft. In aller Ruhe. Ich hatte (und habe) so wenig Kontakt, dass mir die Handhabe fehlt. Meine Schwester hat sich ob meiner Hilflosigkeit halb tot gelacht.

      5. Ich habe nur unangenehme Erinnerungen an Pferde … Ja, Respekt bestimmt auch… Ich bin aber eh‘ kein „Streichelzoo“-Typ … da dürfen immer alle anderen rein und ich gucke denen auch zu beim Spielen. Im Sommerurlaub hat meine Freundin netterweise die alten Ziegen mit Popcorn abgelenkt, damit ich der kleinen Babyziege was geben konnte… ansonsten gehe ich nicht in die Nähe von „gefährlichen“ Tieren… 🙂

  3. Schildkröten sind anscheinend seltsame Wesen. 😉 Dieses Bildnis auf dich übertragen möchte ich jedoch nicht sehen. Das wird eine sauige Angelegenheit, wenn der Panzer bricht, der dich umgibt. Obgleich deine Therapeutin dich nicht brechen wird. Sie geht ja sehr behutsam mit dir um.
    Vertraue ihr und zeihe den Kopf nicht ein.

    1. Ich glaube nicht, dass ich eine Schildkröte bin… Ich bezog‘ das wirklich mehr auf die Männer/Menschen, um mich rum 😉 Ich würde sagen, dass ich eher sowas in Richtung hmm Waschbär bin ? 🙂 Neugierig, wuselig und verfressen 🙂

      1. Hehe… genau… könnte ein Hinweis sein… Vielleicht müssen die anderen einfach Steine auf Ihre „Mülltonnen“ legen, da kommt auch ein Waschbär nur schwer dran vorbei … 🙂

  4. Der Satz „Naja, Sie suchen sich die Männer ja schon immer mit den schlechstmöglichen Erfolgschancen aus. Da können Sie noch so liebenswert oder noch so „gut“ sein, da haben Sie einfach aufs falsche Pferd gesetzt. Und nachdem der Mann sich selbst und seine Frau belügt, warum sollte er es gerade bei Ihnen anders machen? Das hat doch nichts mit Ihnen und Ihrem Wert zu tun?“ ist sensationell. Der ist wie das Ei des Kolumbus. Das meine ich jetzt völlig ernsthaft.

    1. Ich wusste im ersten Moment nicht wie ich reagieren soll – darf man in der Therapie laut loslachen? 😉
      Aber sie hat eindeutig recht… auf dem Weg zurück zur Arbeit habe ich auf jeden Fall permanent gekichert… Ich dachte ja eher, dass ich heulend von der Therapie komme, dass das so amüsant wird, das konnte ja keiner ahnen 🙂

  5. Oh man,
    schlimmer ist es noch, wenn du eigentlich erkennst, dass die Mauer unüberwindbar ist – und es dennoch immer wieder versuchst. Und dann rational drangehst und denkst: Warum mach ich das nur so? So ergeht es mir oft – wahrsheinlich aber mit anderen Mauern.

    Aber einige kluge Aussagen macht sie ja, deine Therapeutin. Die Grenzen der Anderen – ja, das ist schwer zu lernen, dass Andere anders sind. Man stellt sich oft vor, wenn man es selber kann/versteht, dann sollten die das doch auch können …

    Sieh jeden als Individuum an. Als unveränderbare – also durch dich unveränderbar. Vielleicht hilft’s.

    1. Genau mein Problem: Ich verstehe nicht, wie man das nicht verstehen kann.
      Ich dachte ja immer, dass ich einfach kompliziert und schwierig bin und war bzw. bin auf dem Modus, dass ich mich schon mit einer Bedienungsanleitung vorstelle. Ich erkläre mich PERMANENT… und komme trotzdem nicht weiter… 🙂
      Das ist ein unheimlich hohes Frustpotential. Vorallem, weil das nicht-agieren, nicht-verstehen von mir bei anderen dann oft als nicht-wollen und Desinteresse ausgelegt wird. Ich verstehe eben nicht, dass – wenn man weiss, dass ich das so oder so deute und da und damit ein Problem habe – sich nicht bemüht wird, es anders zu machen. Das wäre nämlich meine instinktive Reaktion… Ich würde mich anpassen – dem anderen.
      Und vielleicht ist das genauso falsch, wie davon auszugehen, dass andere genauso „verstehen“ wie man selbst.

      Mein Mantra: Ich kann niemanden ändern, nur mich selbst… 🙂

      Meine innere Stimme schreit aber schon wieder TROTZDEM … wenn man mich genug liebt, dann kann man sich doch mal mehr Mühe geben … auf diesen Gedankenloop kommt es immer wieder zurück. Nervig 😦

  6. auf jeden fall könnte dir der weg in die zukunft dadurch leichter sein, wenn du vorab – drum prüfe ewig, wer sich einmal bindet – die gesprächsbereitschaft, die eloquenz sowie die gemeinsamen themen überprüfst. auf jeden fall scheint mir lilasumpf eine frau zu sein, die sehr genau weiß, was, wie, wann und wie oft sie will. und außerhalb der erotischen begegnungen sich blind verlässt, dass schon alles passen wird können wollen haben müssen sein…
    sich mit einem mann einzulassen, und zu wissen, dass man „mehr“ will, ist ja schön und gut, und die meisten männer spielen temporär den prinz samt weißem gaul sehr gut, vorallem jene, die übung darin haben aber möglicherweise ist ein langes und körperloses vorspiel für frau sumpf besser als hinterher weinen und verzweiflen müssen. manche männer suchen wie mit einem dedektor nach den passenden edelmetallen im unterholz, graben alles aus, was summt, wird gekratzt, gereinigt und poliert und im besten fall kommt es in die vitrine zu den anderen sammelgegenständen und im schlimmsten fall wird es wieder in den dreck geworfen für einen anderen finder. und ganz ganz wenige baumeln dann an einem kettchen glänzend fein an seinem hals. die realität liegt aber darin, dass frau sich zum gesucht-gefunden-objekt degradieren lässt. im gewissen des finders ist kein platz und kein verständnis für herzensangelegenheiten des objektes und die annahme, dass gefundenes objekt selbst entscheiden möchte an welcher kette um welchen hals hängen will, kommt ihm erst gar nicht in den sinn.
    daher sollte von vornherein eine entscheidung getroffen werden – speziell als sub – wem möchte ich mich anvertrauen mit allen anderen wunderbaren adjektiven.
    alles liebe

    1. Hey 😉 Du warst ja lange nicht hier 😉

      Alles richtig, was Du sagst… Aber zum richtigen Suchen gehört eben auch die Erkenntnis das „Richtig“ zu kennen.
      Ich befand‘ ja alles für „richtig“ … ich erkenne ja erst so langsam auf welchen Grundlagen-Fehlern dieses Richtig aufbaut… das warum und weshalb… 🙂

      Teilweise – nicht immer – war Sex auch einfach ein weiteres Bonus-Goodie-Dingens, um den Menschen ausserhalb des Bettes mehr an mir interessiert sein zu lassen. Männer sind da hmm mitunter einfach gestrickt. Hat man die Muster erkannt, kann man die richtigen Lockstoffe auströmen und dann geht alles wie von selber. Leider befriedigt das meist nicht meine körperliche Lust und schon garnicht füllt es die Leere in meinem Herzen.

      Und da lagen sicher auch Fehler von mir als „sub“ – aber ich wusste es einfach nicht besser.

      Ich denke, und das kann R. hoffentlich bestätigen, dass ich da durchaus weiter gekommen bin, gelernt habe und mich besser kenne und artikulieren kann. Und auch „Stop“ sagen kann. Es fällt mir nicht leicht und es endet immer in Tränen und oft im schlechten Gewissen. Aber ich arbeite dran. Deswegen bin ich auf dem Gebiet gerade sehr sehr sehr sehr sehr vorsichtig 🙂

      Danke Dir für Deinen Kommentar!!!!

      1. … ich bin immer da und lese neugierig mit. außer mit den vielen Rs und Hs und Ls hab ich mein Leiden ;.)
        lasse dir zeit beim für dich herausfinden des richtigen umstandes. es geht nicht darum, dass du genügst, entsprichst, zuständig bist etc. es geht darum, dass du dir für dich zurechtlegst, wie du es haben möchtest – und dann wirst du von dem gefunden, der dem entspricht.
        ich möchte hier nicht als graue eminenz und alleswisser auftreten aber ich begebe mich erst gar nicht mehr in die phase des na-wir-werden-sehen-was-wird. ich hinterfrage ganz präzise ob mir mein gegenüber entspricht. es kann dir nicht jeder jeden wunsch erfüllen. so gibt es halt nice to haves und musts sowie nogos und pasdeproblemes. aber die finde ich heraus bevor mir eine ans beste stück darf. (meine zeit GGG)
        ich drück dich

  7. Tränen sind gut, wenn du wen hast, der sie dir trocknet. aber schlechtes gewissen? PFFHHH
    vergiss das. wenn du dich von vornherein geradeheraus gibst und das entnehme ich deinem blog, dann gibt es im grunde nichts falsch zu machen. dass manches nicht erkennbar ist/war ist einfach ein umstand, den auszuschalten unmöglich ist. die vorbereitung ist es, die – ganz pragmatisch – die fehlerquote senkt. zb frage ich bei jeder begegnung ob links oder rechts oder ob fleisch oder vegan. und ich weiß von vornherein ob bzw wo MEINE grenzen sind. am anfang sehr mühsam, sich seinen katalog zu basteln aber erst einmal erstellt und manifestiert ein super werkzeug für erste, zweite und dritte dates. und glaub mir, spaß macht es auch, wenn man seinem gegenüber die verblüffung ins gesicht meißelt…

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