Goodbye my loves

Goodbye my loves

Hello Darkness, my old friend…

Ouh, gestern war es am Ende sauschlechter Tag.
Nicht schön, dabei ist nichts passiert. Nichts negatives zumindest. Im Gegenteil.

Es begann mit einem echten Durchbruch in der Physiotherapie… Ich kann wieder so \o/ machen. Das erste Mal seit einem Jahr.
Ich sagte einer Kollegin, wie sehr ich sie schätze und wir lagen uns lach-weinend in den Armen.
Ich habe Probleme gelöst, Pläne gemacht, gelacht, gute Musik gehört… Kommentare gelesen und beantwortet.
Und am Ende des ersten Teil des Arbeitstages meiner Chefin, die auch eine Freundin ist, aufgrund meiner Fehlzeiten (die kommen werden) von der Therapie erzählt. Ich hätte nicht müssen, aber ich wollte. Auch weil ich spüre, dass es sein kann, dass ich nicht immer von der Therapie auf die Arbeit zurückkehren kann. Und ich möchte ihr das so sagen können. Und Ihre Unterstützung haben, wenn ich mal nicht 100% funktioniere.
Es war kein sonderlich emotionales, bzw. schwieriges Gespräch. Sie sagte mir sehr viele positive Dinge, wie sehr sie mich als Mensch schätzt und wie wichtig ich für das Team bin (das Herz und die Seele), wie gut ich für und zu meinen Kollegen bin und dass sie gerade bei mir nie vermutet hätte, dass ich so traurig bin.

Auf der Freundesebene hat der Umarmer heute viele virtuelle Umarmungen geschickt, die Sahneschnitte hat sich gemeldet, dass er sich auf Freitag freut… Nur meine beiden Männer* blieben stumm oder verziehen sich auf das Niveau einer flüchtigen Laberrhabarber-Bekanntschaft.

Und dann begann‘ es – total rapide und ich weiß heute immer noch nicht, was der Auslöser war… Ich frage mich mittlerweile, ob es immer einen konkreten Auslöser gibt oder ob es auch einfach mal so richtig Scheisse sein darf.

Nun, ich machte den gravierenden Fehler und schrieb in der Verzweiflung wenigstens eine Baustelle im Kopf etwas zu „begradigen“ einen „Freund“ an, der über meinen Zustand Bescheid weiss und äußerte meine Bedenken. Dass ich Ordnung im Kopf brauche, weil ich sonst von einer Brücke springe. Ähm ja. Ich bin nicht stolz darauf, dass mir das entfleucht ist, aber es war in dem Moment ein absolut ehrlicher Gedanke.

Hierzu dennoch, mit einer Nacht drüber schlafen, ein paar Erläuterungen:

1.) Ich bin und war nie suizidal. An sich mag ich Leben. Manchmal mag ich es eben auch nicht und der Gedanke, anderen keine Belastung mehr zu sein, schleicht sich durchaus in meine Gedanken. Ich werde dem Gedanken aber nicht nachgeben. Ich bin ein Kämpfer.
2.) Dieses Rauschen im Kopf und die Schwere des Seins ist manchmal einfach EXORBITANT. Schwer bis gar nicht zu ertragen. Rational allerdings auch nicht fassbar. Daher auch nicht immer erklärbar. Es ist einfach da.
3.) Es war ein Hilfeschrei aus dem Bauch heraus. Ich war so durch den Wind, ich habe nicht nachgedacht als ich es schrubte. Ich muss dies wohl in Zukunft noch genauer machen – nachdenken.
4.) Sollte ich jemals mit dem Gedanken „Suizid“ genauer und realer spielen, werde ich sicher vorher niemandem Bescheid geben, da ich auch hier keinem zur Last fallen wollen würde. Aber wie bei Punkt 1 geschrieben. Es ist für mich keine Option, nicht wegen Doppel-D. Zum Thema Sterbehilfe und Freitod bei Krankheiten kann sich jeder seine eigene Meinung bilden, ich habe da auch eine zu.
5.) Mein Onkel hat sich umgebracht, es ist kein Thema mit dem ich leichtfertig umgehe. Dies ist mir wichtig zu betonen, denn mitnichten finde ich Suizid besonders in Verbindung mit Depressionen (aber auch generell) ein sehr schwieriges Themae. Lapidar dahinsagen sollte man das einfach nicht. Besonders in Hinblick auf meine Situation, werde ich auf solche Gefühlsäußerungen verzichten.

Es war gestern ein sehr, sehr, sehr tiefes Loch. Ich heulte permanent (also die Tränen kullerten ununterbrochen). Ich kann mir das heute nur so erklären, dass es eine Mischung aus ganz vielen kleinen Puzzleteilchen waren, die alle nicht ins Gesamtbild passten und so sehr ich auch drücke und versuche, sie passend zu machen, sie wollen einfach nicht so wie ich das will.

Aber, die Reaktion meines „Freundes“ war …. erschreckend – wenn auch menschlich (denke ich, ich würde allerdings nicht so reagieren – aber da ist es wieder, Akzeptanz des Anders-Seins).
Er bat mich meine Therapeutin oder meine engeren Freunde anzurufen.

Mich machte das richtig wütend, was vielleicht hilfreich war, denn danach war das Loch weg, aber das Unverständnis darüber, dass ich Ordnung brauche und manchmal einfach nur jemand der fragt „Wie geht es Dir, was ist denn los?“ als Zeichen, dass ich meinen Müll und meine konfuse Gedankenwelt abladen und genauer betrachten kann. Diese sofortige Abwehrhaltung, ohne jegliche Nachfrage, hat getroffen.
Um so schlimmer, weil ich für diesen „Freund“ immer da war. Immer da bin. Und er nutzt das gerne – wenn es in sein Zeitgefüge und seine Bedarfsmomente passt.
(Aber ich darf nicht mehr aufrechnen, was in der Vergangenheit war, sagte er.)

In solchen Zeiten erkennt man dennoch, wer für einen da sein will und kann und wer nicht.

Es ist also an mir, genauer zu selektieren, mit wem ich über Doppel-D spreche. Je mehr ich Menschen erzähle, die am Ende des Tages damit nicht umgehen können, desto verletztlicher mache ich mich. Der Stempel „krank“ ist diesen Leuten ins Gehirn gebrannt, wenn es um mich geht. Es werden die sein, die irgendwann Themen nicht mehr ansprechen, mich nicht mehr fragen, wie es mir geht, aus Angst, ich könnte sagen „schlecht“… Denn was machen diese Menschen dann? „Schade“ sagen, sich umdrehen und gehen? Oder peinlich berührt auf den Boden schauen? Thema wechseln?
Kann ich mich also darauf einstellen, dass Menschen, die MIR ihren ganzen Seelenmüll vor die Füsse gekotzt haben, mich in unmögliche und belastende Situationen gebracht haben, mit mir jetzt über das Wetter reden werden? Ich denke, so kann ich das verstehen.
Die heile Welt soll nicht zerstört werden, die Illusion aufrecht gehalten werden.

Kann ich. Will ich aber nicht mehr.

Diese Menschen können dahin gehen, wo sie hergekommen sind.
In ihrer vermeintlich heile Welt, wo Konflikte totgeschwiegen werden, Probleme weg-gewartet werden. Kompromisse geschlossen werden, die auf falschen Tatsachen und Lügen bestehen. In die Welt, wo man sich darüber echauffieren kann, dass man kein Vertrauen entgegengebracht bekommt und in der eigenen Wahrnehmung einfach mal ignoriert, dass man jahrelang belogen und betrogen hat. Wo immer ein Schuldiger gefunden wird, der Schuldige aber nie im Spiegel zurückschaut. In die heile Welt, die von innen so dermassen verrottet oder verwest ist, dass es so dermassen stinkt. Die aber so tun, als wäre DAS normal und ich wäre nicht normal.
Nein, das ist nicht alles gestern rausgekommen. Das gärt schon eine Weile in mir, weil ich mir das schon lange anschaue. Warum ich nichts dazu sage? Meine Meinung ist nicht gefragt.
Man wirft mir dann in perfekt einstudierte Deflektion alles möglich vor, um nicht an den eigenen Problemherd ranzumüssen.
Hier ist also klar kein Handlungsbedarf mehr, außer Konsequenz und Distanz meinerseits.

Das bekomme ich hin.

Ich lese ja auch ganz gerne Motivationsblogs, bin da aber immer sehr selektiv in dem, was ich für mich mitnehme. Coaching an sich finde ich super, aber der Coach muss passen.
Melanie schrieb heute über die 3 Erfolgsverhinderer – Faulheit, Feigheit, Eitelkeit.
Sofort schiesst mir der Leinenmann in den Kopf … und Sekunden später schiesse ich mir in den Kopf… Ich bin auch feige an dieser Stelle. Aber warum? Was fehlt mir, wenn er mir fehlen würde?

Solange ich diese Frage nicht beantworten kann, kann ich das Thema nicht abhaken. Ich werde das aber angehen. Denn als ich gestern ein Pro-Con-Liste machte, um genau diese Antwort zu finden, fragte ich mich: Wenn ich ihn heute irgendwo auf einer Party treffen würde … Würde ich mich für oder gegen ihn entscheiden? Fände ich ihn interessant? Attraktiv? Teile ich seine Ansichten? Schwierige Fragen auf die ich (noch) keine Antworten habe. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich manchmal neben ihm sitze – ihm in seiner Interaktion mit anderen zuhöre, zuschaue… Ich ertappe mich dabei zu denken „ich mag nicht, wie Du mit anderen sprichst“… Das ist unhöflich, deinteressiert und herablassend – mitunter. Ich frage mich dann: Spricht er auch mit mir so? Ja, manchmal. Ja, darüber rege ich mich sehr auf. Weil es so gar nicht „mir“ entspricht. Ich habe ihm das durchaus auch schon gesagt, aber wie bei allen anderen Themen, die ihn betreffen, wird abgewiegelt … deflektiert und das Ende der Unterhaltung (in letzter Zeit immer mit dem Hinweis, dass ich mich sonst wieder aufrege… erwähnte ich, dass ich das hasse?) herbeigeführt. Der Leinenmann merkt sich keine Gesichter und keine Namen, er legt keinen Wert darauf neue Menschen kennen zu lernen. Das ist und war mir immer ein Alarmsignal. Ich konnte es nur nicht richtig deuten. Und ja, ich bin da gegen Mauern gerannt, denn ich kann nicht verstehen, dass man mit dem zufrieden sein kann, was er hat. Ich habe irgendwann gesagt, dass er genau die Freunde hat, die er verdient. Und es wird klar: Nicht nur, die er verdient, sondern auch die, die er will. Er will nicht mehr. Es ist genug für ihn – so wie es ist.

(Im Rückblick bleibt die Frage, warum zum Geier der Leinenmann mich überhaupt ins Visier genommen hat, wenn sein Leben doch alles hat, was er braucht.)

Dann passe ich da aber nicht rein. Denn ich bin und will mehr. Wenn wir von guten Freunden sprechen, dann reicht das nicht. Nicht für mich.
Ich habe den Fehler begangen, den ich am Anfang immer begehe – Ich glaube daran, dass der Andere durch mein Verhalten ganz schnell nicht mehr auf mich verzichten möchte. Ich mache mich „unverzichtbar“, denke ich. Und denke dann, dass der Andere sich ja dann auch ein bisschen anpassen kann, um mich nicht zu verlieren. Denn schliesslich mache ich das auch… Kapitaler Denkfehler. Niemals, niiiieeeemals darauf bauen, dass sich der Andere oder ich mich anpassen muss. Freundschaft kann auch mal Arbeit bedeuten, sie kann mal unangenehm sein, sie darf auch mal ruhen. Aber niemals, darf sie Anpassung bedeuten, nur damit es funktioniert. Weil – das funktioniert auf Dauer einfach nicht.

Daher bleibt für mich nur: Akzeptieren.

Dass der Andere anders tickt, anders denkt, anders handelt, anders entscheidet. Wenn mich das Ticken, Denken, Handeln oder Entscheiden trifft, negativ trifft oder verletzt, dann kann und muss ich überlegen, ob ich das akzeptieren möchte. Und ich muss mich entscheiden – für mich.
In diesem konkreten Fall: Ich muss seinem schleichenden Tod nicht zuschauen. Die Explosion wird so groß sein, die werde ich auch aus der Ferne mitbekommen. Und ich weiß jetzt schon, dass es für eine Sekunde eine Genugtuung sein wird. Ich finde es nur so schade, dass, bis es soweit kommt, mehrere Menschen unglücklich vor sich hin vegetieren müssen. Aber ich werde keiner dieser Menschen sein. Das ist meine Entscheidung.

Zu Unterhaltungen mit dem Leinenmann noch zwei Gedanken von Paul Kaufmann. Paul schreibt hier über eine Unterhaltung über seinen offenen Beziehungs-Stil, ich finde aber, dass diese Dinge nicht nur auf diese eine Art der Beziehung passen, sondern auf Menschen im Allgemeinen:

„Zu vertrauen, dass der andere sich etwas auf immer verkneift, das aber so mächtig ist wie die Sexualität, ist ein dummer Gedanke. Das geht nicht gut. Es ignoriert den Umstand das sexuelle Wünsche nicht wegzurationalisieren sind. So sehr man sich das vielleicht auch wünscht. Sie finden Ihren Weg immer.“

und

„Eifersucht ist keine heilige Kuh. Sie ist ein Signal. Wenn Du Eifersucht spürst, also wenn sie wirklich schmerzt, dann ist das ein Hinweis, dass mit Dir etwas nicht stimmt! Mit Dir! Nicht mit der Beziehung oder Deinem Partner. Eifersucht ist Angst. Es ist die Angst etwas zu verlieren. Wenn Du die Fragen immer weiter hinunterdestillierst, bleibt nur die Angst ums Ego, den Selbstwert. Dein Ego fühlt sich bedroht, weil es etwas verliert, was es vermeintlich unbedingt braucht. Wenn Du einen anderen Menschen so sehr brauchst, dass Dein Ego ins Rutschen gerät, wenn Du ihn verlierst, dann ist etwas faul. Du bist nicht intakt. Dein Selbstwert hat sein Fundament auf einen anderen Menschen gebaut.“

Ich weiss, dass ich in Unterhaltungen mit dem Ex-Herzmann, genau diese Dinge zu ihm gesagt habe. Damit er seine Frau versteht. Damit er entsprechend handeln kann. Ich habe dabei zwei Dinge übersehen:

1.) Das gilt auch für ihn.
2.) Das gilt auch für mich.
(Selbererkenntnis und so….)

Ich habe immer gesagt, dass ich total eifersüchtig bin.
Zum Einen, weil ich darauf baue, dass mein Partner das hört und versteht und in Zukunft darauf achtet mich nicht eifersüchtig zu machen. (Ja, ich weiß, total Banane). Zum Anderen habe ich Eifersucht immer als etwas durchaus positives gesehen, zeige ich dem Anderen doch damit, dass er mir viel bedeutet… Zeigt ihm, wieviel er mir doch wert ist.
Niemals in einer Millionen Jahre hätte ich meine Eifersucht mit meiner Verlustangst in Verbindung gebracht. (Besser spät als nie!) Beim Durchblättern des Tagesbuches, das ich zusammen mit meiner besten Freundin geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass Eifersucht und damit meine Verlustangst eines unserer größten Themen war. Und uns fast zerbrochen hätte, hat es aber nicht. Wir haben beide zusammen an der Freundschaft gefeilt und es das stabilste Beziehungsgebilde in meinem Leben.

FAZIT:

Also, so tief der gestrige Tag auch war und ich hoffe, dass ich so einen so schnell nicht wieder durchmachen muss/werde (und ja, ich werde mit meiner Therapeutin darüber sprechen), habe ich doch ein paar Dinge draus mitgenommen. Ich werde weiter Abschied nehmen von Menschen, Dingen und Verhaltensweisen (besonders meinen eigenen), die nicht gut für mich sind. Grenzen setzen, auch wenn es weh tut. An der Verlustangst arbeiten, mir rational aufzuschreiben, was passiert wenn… Und so lange da dann nicht der sofortige Herztod steht, werde ich, so bin ich mir relativ sicher, weiterleben. Also gibt es keinen Grund Dinge nicht auszusprechen, Verhalten nicht zu ändern, nur weil der Andere gehen könnte. Die Trauer über den Verlust eines Menschen ist weitaus erträglicher, wenn dieser einem durch sein Verhalten zeigt, dass es nicht viel zu betrauern gibt. Ich werde die Diskussion nicht mehr führen, dass ich vertrauen muss, dass es anders ist. Ich spüre es nicht, ich sehe es nicht. Es erschliesst sich mir nicht, warum ich die Arbeit leisten soll für den anderen mitzudenken und in ihr Nicht-Sagen und Nicht-Tun reininterpretieren soll, dass das ein positives Verhalten mit gegenüber sein soll. Wenn ein „Hey, wie geht’s Dir?“, eine Nachricht, ein Bild, ein Spruch… oder nur ein Grinsefratzensmiley zuviel sind… worauf, worin genau soll ich die Interpretationsgrundlage finden? Im Vertrauen in den Anderen. Nun. Ich denke es ist an der Zeit ehrlich zu sein – da ist kein Vertrauen. Nicht diese Art Vertrauen. Ich vertraue in die Verschwiegenheit. Aber sonst? Wurde für alles andere das Gegenteil bewiesen: Ich wurde vergessen, ignoriert, stehen gelassen, verlassen, belogen, verletzt und abgeschoben. Worauf soll sich dieses Vertrauen aufbauen? Ich glaube nicht, dass ich hier eine Mauer einrenne … daher stehe ich mit einer *facepalm*-Geste da und sage einfach: Ich verstehe es nicht, erkläre es mir.

SEHR lange Rede, kurzer Sinn: Erklärungen sind immer willkommen. Ich bin ein absoluter Fan vom Verstehen – von mir, von anderen. Ich verstehe gerne. Denn dann kann ich akzeptieren – mich und andere.

P.S.: Ich drücke jetzt auf „Publizieren“, auch wenn dieser Beitrag, dieser Gedankenfaden noch lange nicht fertig gesponnen ist.

20 Gedanken zu “Goodbye my loves

  1. Für deine zukünftigen Krisen, denn sie werden kommen: Kaufe dir eine Punching-Ball. Diese kleinen Boxer Bälle die so schnell hin und her tanzen, wenn sie geschlagen werden. Kauf dir einen schönen, einen aus Leder. Und kaufe dir zwei Boxhandschuhe dazu. Hänge den Ball auf. Spürst du eine Krise kommen, so schlage gegen den Ball. Suche deine Wut. Denn sie ist da, auch wenn du sie nicht spürst. Depression ist Wut. Depression ist die Wut Richtung innen. Schlägst du auf den Ball, wieder und immer wieder, auch ohne Motivation, wandelt sich die Richtung der Wut. Sie geht nicht nach innen, sondern nach außen, denn der Mensch wird innen, was er außen tut. Unser Gehirn funktioniert so.
    Es wird nicht sofort klappen. Aber du kannst es üben. Du wirst besser darin. Es ist eine Krücke. Aber besser man geht an einer Krücke, als dass man fällt.
    Und zu dem Anderen: Baue auf Dich. Baue auf niemanden Anderen dein halbes Haus. Denn immer wird einer gehen, mal ist es der Andere, mal bist es du. Aber einer geht immer, garantiert. Das muss so sein. Das Leben ist so ekelhaft endlich, gottseidank. 😉

    1. Boxhandschuhe habe ich schon… 🙂 Aber ja, darüber habe ich schon nachgedacht…
      Ich muss definitiv einen Weg finden diese Emotionen nicht nach innen zu lenken.
      Das mit dem Haus ist ein gutes Bildnis! Danke!

      1. In diesem Fall hilft Denken nicht. Denn das Denken der Gedanken ist ein Denken von Gedanken die gedacht schon sind, bevor du sie denken darfst. Du musst es tun, dann wird das nicht gedachten Denken dein Gedanke nächstes Mal. 😉

      2. Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken… Passt, ne? 🙂

        Dass mir mal jemand sagt, dass ich NICHT denken soll… Grandiooooos … 🙂

      3. Na ja, das Problem ist – Denken kommt nicht aus dem Nichts. So gut das Denken sonst auch funktionieren mag. Versucht man zu denken was vor dem Denken sein mag, so funktioniert es nur, wenn der Vordenker (Unterbewusstsein) damit einverstanden ist. Nur dann lässt er zu. Ist er es nicht, entsteht der Gedanke nicht.

  2. Das sind ja so einige Punkte dabei, aber ich möchte mich doch allein auf die SMS beziehen:
    Ich war selbst in der Situation, in der mir eine Freundin des Nachts ein Bild ihres frisch geritzten Armes zeigte. Ich weiß noch, wie ich ihr schrieb und keine Antwort erhielt. Mir wurde damals bewusst, wie schlimm es ist, wenn man einen Hilferuf bekommt und nicht in der Nähe ist. Ich war nicht sauer auf sie, weder weil sie nicht antwortete, noch weil sie es überhaupt geschickt hatte, aber 500km kann ich nicht mal eben überbrücken und da sein. Ich finde die Antwort, die du bekamst sehr dreist, denn ich weiß, dass ich selbst sofort besorgt wäre. Allerdings sehe ich das aus meiner damaligen Erfahrung auch als eine Art Selbstschutz an. Man kann auf die Entfernung nur wenig helfen und möchte sich diesem Leid nicht aussetzen. Ich halte das für höchst egoistisch, zumal mir dann bessere Antworten eingefallen wären. Ein wenig musst du dich nun aber rüffeln lassen, denn so eine SMS schreibt man nicht. Ich kenne diese dunklen Tage und ich ziehe mich dann zurück. Ich würde meinen Suizid auch nicht ankündigen. Ich würde ihn einfach begehen. Das hat für mich eher etwas mit Entschlossenheit zu tun. Wenn ich wirklich nicht mehr leben möchte, dann brauche ich das keinem zu sagen, denn ich könnte dadurch nur von meinem Vorhaben abgebracht werden. Ich weiß nicht, ob er von deiner SMS überfordert war oder ob du ihm nicht so viel bedeutest, wie er dir, aber er scheint mir keine geeignete Ansprechperson für die dunklen Tage zu sein. Das ist die Erkenntnis, die du selbst schon gewonnen hast und auf die es ankommt.

    1. Ja, im Nachhinein ist wieder die SMS ok noch der Empfänger… Was soll ich sagen, es war eine Kurzschluss-Handlung…
      Und Deine Beschreibung hat geholfen zu verstehen, wie es dem Empfänger vielleicht ergangen ist. Die Antwort ist trotzdem doof gewesen, aber wir alle (Meine Freunde + ich) betreten hier ja gemeinsam Neuland…

      1. Das ist auch gut, nicht zurückhalten… Und ein Rüffel von Dir ist a) immer willkommen und b) trotzdem irgendwie „bennig“ 🙂

  3. Ich hoffe Du verzeihst mir die etwas saloppe Bemerkung: Aber Dir ist da ja richtig die Seele übergelaufen.
    Gut so!
    Ich kann zwas nicht alles wirklich nachvollziehen und von ‚verstehen‘ bin ich auch weit entfernt – aber das macht rein gar nichts, denn es ist ja entscheidend, dass Du in / mit Dir aufräumst, begradigst, durchdenkst, ermittelst … So eine Phase habe ich auch hinter mir und wenn ich daran denke, was ich damals den Leuten alles erklärt habe, wie viele (heute komplett unverständliche) Seiten ich ins Tagebuch geschrieben habe … es war ein wichtiger Prozess und Du scheinst mitten drin, mit allen Höhen und Tiefen.
    Es ist leider eine leidvolle Erfahrung, dass viele Menschen gerne ihr Herz ausschütten, es aber mit dem Zuhören im Gegenfalle so gar nicht haben. Viele sind auch überfordret, weil sie meinen, sie müssten es nun richten und mit einem irren Anspruch zuhören, den sie nicht erfüllen können und dann eben ablehnen. Manchmal hab‘ ich den Leute davor gesagt, darf ich Dir einfach was erzählen, musst auch gar nicht antworten, nur mir beim Denken zuhören. Manchen hat das geholfen.
    Suizid ist in depressiven Phasen oft ein Thema. Die wenigstens sprechen ja aus, dass sie es mal im Kopf hatten und die wenigsten wissen, wie viele in Ihrem Umfeld schon Versuche hinter sich haben – es ist wahrlich erschreckend. Leider nach wie vor eher ein Tabu-Thema, aber je offener die Gesellschaft damit umgeht, desto klarer werden ggf. Beweggründe, desto klarer werden fehlende Hilfeleistungen. Wenn der Druck mal so richtig groß ist, kann ich nur die 0800 111 0 111 empfehlen, Telefonseelsorge, rund um die Uhr, 365 Tage pro Jahr. Oft ändert sich eine Ansicht, wenn man mal frei und ohne Rücksicht (auf Freundsachft, auf Beziehung …) sprechen kann.
    Lange Rede kurzer Sinn: Find’s klasse, dass Du diese Gedanken / Überlegungen / Zweifel hier teilst, denn ich schätze jede/r wird sich an ähnliches erinnern können und sich im Nachhinein etwas ärgern, nicht viel früher damit rausgekommen zu sein, sich Zuhör- oder Diskussionshilfe geholt zu haben.

    1. Danke für Deinen Kommentar … Ja, Seele übergelaufen ist wirklich treffend ausgedrückt… Und das Niederschreiben war hilfreich. Die Sitzung heute auch.

      Tendenziell stimme ich Dir absolut zu, was das Thema Suizid, Meinung, Öffentlichkeit angeht. Mein Onkel hat sich umgebracht, bis heute weiss ich nicht, warum und wie es den direkt betroffenen Familienmitgliedern geht – es wird einfach geschwiegen…
      Ich kann verstehen, dass das – wie Sterbehilfe – ein sehr privates Thema ist, weil es einfach noch sehr polarisierend in der Gesellschaft ist.
      Dennoch glaube ich daran, dass ein bewussteres Damit-Umgehen allen Beteiligten und Betroffenen nur helfen kann.

  4. Liebe Lila, vieles von dem, was du schreibst, tut mir leid. Leid, dass du es erleben musstest.
    An anderen Stellen – z. B. den Kommentaren ganz in deinem Stil – habe ich durchaus lachen müssen.
    Viel ist das. Wirklich viel.
    Hast du gewusst, dass von 100 Personen 90 an einem Unfall vorbeifahren? Und von diesen zehn helfen schließlich zwei. Ich könnte eine halbe Seite Brainstorming anbieten, welche Gründe dahinter stehen könnten. Es wär mir auch möglich, deinen Notrufkontakt zu verstehen und sein Verhalten als sinnvoll zu deuten. In Deutschland verüben jährlich mehr Menschen Suizid als in Verkehrsunfällen sterben. Jedenfalls und trotzdem ist es auf deiner Seite Kacke, wenn nur ein Verweis woandershin kommt. Das hätte ich mir für dich anders gewünscht.

    Du Herz, du Seele, ich wünsche dir Leichtigkeit! Mögest du die Leinen kappen, die dich festhalten und den Wind als Unterstützung auf deinem Weg erleben!

    1. Danke für Deinen lieben Kommentar… Das Schizophrene ist ja, dass ich selber bereits schmunzeln musste, als ich die Kommentare so hinzufügte…
      Was den Verweis angeht: Ich habe daraus gelernt und werde bis zum nächsten Mal eine andere Support-Maschine gefunden und in Gang gesetzt haben.

      Danke für die guten Wünsche…

  5. Das ist aktuell eine ziemliche Achterbahnfahrt für Dich. Einige Gedanken:

    Versuche Deine „Freunde“ als Teile von Dir zu sehen. So wie ein Unternehmen aus verschiedenen Bereichen besteht. Ein Unternehmen schaut sich verlustbringende Einheiten eine Zeitlang an und versucht sie in wieder in die Gewinnzone zu bringen. Wenn es nicht klappt dann muss man sich trennen da sonst das gesamte Unternehmen in Gefahr geraten kann. Wenn Freunde permanent nur Energie aus Dir ziehen, dann schieß sie ab. Sie sind es nicht wert. Das klingt hart aber Du bist nicht die Sozialstation.

    Bzgl Suizid hat mir immer geholfen es im kleinsten Detail durchzuplan. Wo, wann, wie. Was muss ich vorbereiten, wie verabschiede ich mich, wie löse ich meinen Teil am Hausstand auf, wie könnte ich der Sache einen Sinn geben und es vielleicht im Krankenhaus machen, so dass die Organe entnommen werden können, etc. Bei all diesen Überlegungen wurde mir dann auch immer wieder bewusst was ich bei meiner Familie anrichten würde und letztlich ein Problem vermeintlich „lösen“ würde und dafür mindestens 5 neue aufmachen würde. Und dann war bisher zum Glück die dunkle Wolke wieder weg und ich war sehr froh noch da zu sein.
    Ich bin sehr froh, dass Du da bist und lese sehr gerne, was Du schreibst. Du kannst Dich immer bei mir auskotzen. 🙂

    1. Ach, Danke lieber Sir… ich komme demnächst mal virtuell vorbei zum Auskotzen! 🙂

      Zu allem Anderen: Das sind sehr gute Gedankenansätze .. werde ich verfolgen …

  6. Meine liebe Lila,
    weil in den anderen Kommentaren bereits viele Dinge stehen, die ich auch so formuliert hätte und ich beim Thema Selbsttötung bzw. Selbstmord mich ungern frei öffentlich äußere, nur ein Nachtrag heute: Sie schreiben, Sie wären wütend auf den Freund gewesen. Haben Sie diese Wut rausgelassen oder umgelenkt? Womöglich in die falsche Richtung, nämlich in Ihre eigene?
    Ihr Fazit hat die richtigen Ansätze. Habe ich Ihnen schonmal vom Abstecken des eigenen Tanzbereiches geschrieben? Mit ausgestreckten Armen (Schön, von diesem Fortschritt zu lesen!) einen imaginären Kreis um sich ziehen und laut sagen: Das ist mein Tanzbereich und ich allein bestimme, wer da hineinkommt. Und dann sortieren Sie gedanklich die aus, mit denen Sie keineswegs tanzen würden. Weder Rumba, Chachacha, Mazurka, geschweige denn einen sinnlichen Tango.
    Alles Liebe Ihnen, Sie sind auf dem richtigen Weg, finde ich. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch, bonfortionös pogorempelnd sich empfehlend.

    1. Das mit dem Tanzbereich sollte ich im Schlaf beherrschen, als alter Dirty-Dancing-Fan… Grenzen setzen… GANZ großes Thema, werte Frau K.
      Ach, mit Ihnen würde ich gerne mal Tanzen gehen… Ob ich mit Ihnen in den Pogo-Bereich gehe oder lieber unser Bier festhalte… hmm 🙂

      1. Denken Sie, Sie hätten die Wahl, pogobereich betrefflich? ich zöge Sie einfach mit, das Bier wird nicht festgehalten, entweder bis auf die Neige leeren oder als Dusche nutzen, nach dem Bonfortionösrumgehopse gibts neues. Weil sehen, Sie, da hätte sich unser Tanzbereich genau richtig überschnitten und Verletzungen sind so unmöglich. Üben Sie schonmal das Rempeln, vielleicht von einer Feinstpöbeley beglitten. Hier zum Warmwerden, ab 1.30 will ich Sie hüpfen sehen…

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