Zwischendrin

Zwischendrin

Es ist nicht wirklich still, aber auch nicht wirklich laut.
Es ist nicht wirklich gesprochen, aber auch nicht wirklich geschwiegen.
Es ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

Es ist irgendwie alles und nichts und jede Facette dazwischen.

13785697_ml

Das Bild trifft mein Inneres ziemlich genau.
Ich dachte, dass ich schon „Besser“ geworden bin, stabiler… Vielleicht bin ich das auch, vielleicht rede ich es mir nur ein…

Es bedarf oft nur eine kleine Unwegsamkeit, Unachtsamkeit, eine kleine Bemerkung und mein ganzes schön aufgebautes Kartenhaus kann zusammenbrechen. Es ist noch lange nicht so stabil, wie ich es gerne hätte. Die Auf- und Abbewegungen machen mir Angst, ich möchte weder in das Eine noch das Andere extrem.

Ich will geniessen können, ohne sofort Konsequenzen befürchten zu müssen, die für niemanden ausser mir selbst ersichtlich sind. Die auch nur ich trage (und okay, der ein oder andere Puffer, der meine Launen ertragen muss)

Ich möchte auf der einen Seite offen mit meinem Doppel-D umgehen können. Auf der anderen Seite möchte ich es kein Thema sein lassen, es nicht in den Vordergrund stellen, mich nicht darüber definieren.

Ich möchte all das Gute sehen, dass andere Menschen in mir sehen. Die Ironie? Ich überzeuge Menschen immer und gerne von ihren eigenen Vorzügen. Der junge Schwan hat einen göttlichen Hintern. Ich sag‘ ihm das. Er glaubt es mir nicht. Ich sage es ihm immer und immer wieder. Ich glaube daran, dass er mir irgendwann glaubt. Würde das anders herum funktionieren? Ich weiß es nicht.

Ich stehe oft noch neben mir, lese und höre, was Menschen über mich sagen, was sie von mir denken. Und wie oft möchte ich mich umdrehen und schauen, wer da hinter mir steht, weil mich können sie ja nicht meinen. Das wäre ja Irrsinn.

Es wird besser. Ich freue mich an kleinen Dingen, ich erkenne langsam meinen Wert und fange an zu glauben, wenn man mir sagt „Ich finde Dich toll“. Es ist aber eben nur ein Kartenhaus und der kleinste Windhauch bringt alles zum Einsturz.

Bauen wir neu auf. Bis es stehenbleibt.

Bis ich stehenbleibe und mich nicht der kleinste Kieselstein zum Stolpern bringt.

26 Gedanken zu “Zwischendrin

  1. Würde das anders herum funktionieren? Ich weiß es nicht. – Das ist richtig gut. Das ist die richtige Einstellung.

    Bzgl Kartenhaus solltest Dir bewusst machen, dass Du Dir über einen sehr langen Zeitraum eingeredet hast, dass Du nur ein Kartenhaus bist. Du weißt zwar jetzt, dass das nicht stimmt aber Du weißt auch, dass man nicht alles in kurzer Zeit ändern kann. Es wäre unrealistisch und um im Bild zu bleiben Pfusch am Bau, wenn Du innerhalb von wenigen Monaten eine Steinburg bauen könntest. Du kannst bestimmt viele Dinge schneller bauen, da Du bestimmte Fehler nicht zweimal machst aber andere Dinge kann man nicht beschleunigen.

    1. Das ist nicht die richtige Einstellung, lieber Sir 🙂
      Ich möchte den anderen Menschen glauben, wenn sie mir sagen, was sie an mir mögen und gut finden. Ich möchte es nicht nicht glauben.
      Ich möchte Vertrauen haben, dass Menschen mich mögen… Dass ich mich mögen kann.

      Kartenhaus: Das ist wohl wahr. Aber ich denke immer, dass ich schon viel geschafft habe und dann bin ich entäuscht, wenn es wieder zusammenkracht. Da ich aber auch eine Steh-Auf-Männchen-Mentalität habe, baue ich natürlich alles wieder auf. Wo denken Sie denn hin? 🙂

  2. Es wird wohl nie so sein, dass diese Aufs und Abs komplett verschwinden und das wäre auch nicht gesund. Gesund ist, dass das Pendel nicht zu stark ausschlägt und wie man das meistert…hach, schwer zu sagen. Eine gewisse Portion Selbstliebe ist natürlich unabdingbar. Eine Liebe, in der du dich selbst klar definierst und genau die Frau Lila liebst, obwohl du um ihre Schwächen weist. So mache ich es zumindest. Ich kann dir aber auch nicht sagen, wie du dahin kommst und ob der Weg überhaupt deiner sein kann. Aber bedenke immer, dass du ja schon eine verdammt tolle Person sein musst, wenn dir so einige Leute hier über eine lange Zeit folgen. Da muss doch was an dir sein, was uns nicht loslässt oder uns nicht loslassen lässt.
    Knuddelknutscha!

    1. Genau, das ist es. Das Pendel darf ja gerne hin- und herschwingen. Aber nicht in dem Umfang, wie es das momentan noch macht. Ich weiß‘ tatsächlich nicht mehr, wie „normal“ ist. 😦

      Den richtigen Weg zur Selbstliebe habe ich (glaube ich) schon eingeschlagen. Aber zu der Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung kommt noch ein anerzogenes Nicht-Relevant-Finden-Der-eigenen-Meinung hinzu, was sich in einem permanenten Bestätigungsdrang äussert, der dann wiederum, wenn er erfolft, oft nicht geglaubt oder zumindest hinterfragt wurde. Ich durchbreche diesen Teufelskreis schon des öfteren und das tut mir auch sehr gut. Aber so jahrelang anerzogene Muster sind echt schwer abzustülpen.

      Und für den letzten Satz bekommst Du so einen dermassen dicken Knutscher verpasst, lieber Ben! Zu Boden geknutscht, quasi 🙂

  3. Wer sagt denn, dass du dir ausgerechnet das „besser“ und „stabiler“ einredest und nicht andersherum?
    Und zum Kartenhaus. Wenn du es aufbauen konntest, dann bist das Kartenhaus nicht du.

      1. Eine Kritik wiegt mehr als zehn Komplimente. Das kennen wohl sehr viele. Aber muss es so sein? Und sollte da nicht zumindest (!) eingerechnet werden, wer sich da äußert und dementsprechend gewichtet werden?
        Passanger singt: „Only thing I know, I know that I don’t know how to please everybody all of the time. ‚Cause everybody always fucking changing their minds.“
        Ich würde ja sagen, du darfst keine Komplimente mehr machen, bevor du dir selbst nicht eines gibst, das du auch glaubst.

  4. Als ich das gerade von Dir gelesen habe, ist mir Samuel Beckett eingefallen. Hört sich im ersten Moment vielleicht sehr negativ an, aber wenn man mal so ein bißchen darüber nachdenkt:
    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

      1. Ja, irgendwie in der Art. ‚Scheitern‘ ist ja nichts anders als ‚Erfahrung sammeln‘. Und Scheitern kann ja auch am anderen liegen, der an einem scheitert. Wenn Du dem Schwan immer wieder sagst, er hat einen schönen Hintern und er nimmt es nicht an – dann scheiterst nicht Du, sondern er.

  5. Man wächst an Niederlagen. Irgendwann sind die Phasen des Stehens länger und häufiger da, als die Stürze. Mach’s wie ein Kind. Die lassen sich beim Laufenlernen auch nicht vom Fallen beeindrucken.
    (Ich hier. Selber oft auf der Nase Liegerin;-) )

    Liebe Grüße!

  6. sich von wohlgemeinten äusserungen leiten zu lassen, an sie zu glauben, sie zu verinnerlichen setzt vertrauen in „die anderen“ voraus. das wiederrum setzt vertrauen in dich selbst voraus. das wäre meine logik dazu.
    das bild find ich übrigens toll 🙂

      1. nach meiner logik, wenn du diese akzetieren kannst, würde ich schlussfolgern, dass du nicht wirklich selbst an dich glaubst…..es geht darum, wie du dir die positive sicht anderer auf dich für dich selbst annehmen kannst…….nicht blindes vertrauen in handlungen oder intentionen anderer 🙂

      2. Äh ja, gut erkannt, Sherlock… 🙂
        Deswegen auch die Therapie … Wissen, wo das Problem liegt und es beheben können, sind immer noch zwei unterschiedliche Paar Schuhe … leider… 🙂

        Ich übe es wie gesagt gerade, das zu glauben, was andere mir sagen und was sie von mir denken… Einfach ist was anderes …

      3. das glaube ich, aber wenn du darüber schreiben kannst, dann ist das ein guter anfang….reflektieren bringt vorwärts, wenn du willst 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s