Nachtrag „Rätsel-Haft“

Nachtrag „Rätsel-Haft“

Nachtrag zum Auskotzen heute Mittag

Danke für alle eure Kommentare, unermüdlich und aufbauend, schonend ehrlich, hilfreich anstupsend… 🙂

Selten habe ich eine Therapiestunde mehr herbeigesehnt als heute, seit langem flossen mal wieder die stillen, kleinen Tränen, aber nicht schmerzhaft – eher heilend.

Mein Therapeutin ist schon eine, da beschreibe ich ihr die neuerlich eskalierte Situation mit dem jungen Schwan, erkläre ihr, dass es so schwer ist für mich zu gehen, weil er auf den Abgrund zu steuert und springen will. Egal, was ich sage oder tue, er will springen – und er wird springen und ich kann nichts tun. Sagt sie doch glatt: „sehen sie, und ich will nicht, dass SIE springen…!“
Und wir müssen beide lachen … Heute haben wir so intensiv gesprochen, dass wir sogar überzogen haben und ich war noch lange nicht fertig.
Hatte ja schon einige Eurer Kommentare gelesen und mich daran erinnert, dass wir das alles so und auch anders schon mal hatten… und dass das alles Ursachen tief in mir und meiner Vergangenheit hat.
Und meiner Unfähigkeit mir zuzugestehen, dass ich verletzt sein darf vom Verhalten anderer Menschen. Und dass ich das auch zeigen und sagen darf ohne, dass man mich, nein – dass ICH mich als absolut übertreibende Hysterikerin sehe… Alle Emotionen der vergangenen Tage sind legitim, ich darf die empfinden… Ich darf wütend sein und traurig und darf das Vertrauen verlieren… ABER: Ich muss mich dann auch selbst schützen!

Es ist nicht schlimm anderen Menschen zu vertrauen, aber ich muss ein gewisses Mass an Selbstschutz aufrecht erhalten. Ich – muss – auf – mich – achten!

Ich liege dann immer da und frage sie, wie andere das machen und warum ich das nicht kann… Und ich muss mich tatsächlich an manchen Stellen fragen, an welchen „Kontrollstationen“ in meinem Hirn ich meine Selbstachtung und meinen gesunden Menschenverstand abgebe… Ich weiss, ich bin schon weiter als vor einem Jahr, immerhin verbalisiere ich mittlerweile Verletzungen und spreche Dinge an, die mich stören oder die meine Grenzen überschreiten … aber – noch nicht genug! Noch nicht mit der Konsequenz, die nötig wäre.

Heidenei, würde mir jemand die Geschichte mit dem jungen Schwan erzählen und den Dingen, die seine neue Freundin so anstellt … ich würde fragen, ob noch alle Tassen im Schrank sind und zum sofortigen Abschuss raten. Und es ist ja nicht mal so, dass da Liebesgefühle im Spiel sind, es ist mehr das Stemmen gegen das Unvermeidbare… Der unbändige Wille Menschen und Situationen ändern zu können… Auch wenn ich weiß, dass das totaler Schwachsinn ist. Ich merke ja an mir selbst, wie schwer es ist etwas zu ändern – und ich habe professionelle Hilfe und MÖCHTE unbedingt etwas ändern.
Es stand kurz das Wort „Selbstüberschätzung“ im Raum … Wieso gehe ich davon aus, dass der junge Schwan sich ändert? Ich ihn ändern kann? Ihm zeigen kann, wie es „besser“ geht … Subjektiv besser… Vielleicht fühlt er sich ja pudelwohl in seiner Beziehung… Vielleicht lügt er, wenn er sagt, dass er nicht glücklich ist… Was keinen Sinn macht, aber hey – im Endeffekt kann es mir egal sein.
Ich bin mir in Anbetracht der letzten Eklats und seinem Verhalten, dass er mich in diesen Wochen mehrfach angelogen hat. Er hat Angst – vor mir, vor seiner Freundin, vor Einsamkeit, vor Liebe und vor seinen eigenen Entscheidungen.
Auf jeden Fall muss ich meine eigene Entscheidung treffen und ihn jetzt weiter auf die Klippe zugehen lassen. Meinen Gedanken auf Rache anderweitig ausleben und meine Wut im Sportraum lassen. Die Trauer wird vergehen. Zeit heilt alle Wunden – solange ich sie selbst nicht immer wieder aufknibbel!

Daher:

12 Gedanken zu “Nachtrag „Rätsel-Haft“

  1. „Warum Menschen ändern wollen, Felice? Das ist nicht recht. Menschen muß man nehmen, wie sie sind oder lassen, wie sie sind. Ändern kann man sie nicht, höchstens in ihrem Wesen stören.“ (Franz Kafka an Felice Bauer, Januar 1914)
    Das gehört echt zum Schwierigen, die anderen so sein zu lassen wie sie sind. Denn sie lassen sich nicht ändern wenn sie es nicht wollen. Und wenn sie es wollen, so steht noch lange nicht fest, dass man selbst ‚helfen‘ / ‚unterstützen‘ darf. Diese Erkenntnis war für mich gleichermaßen hart aber auch befreiend.
    (So und jetzt bin ich aber still.)

    1. Oh nein, bitte NICHT still sein… 🙂

      Ich bin noch beim hart, das befreiend kündigt sich bei manchem schon an, aber ist noch nicht… kontinuierlich genug 🙂

      Und ein Kafka-Zitat auf meinem Blog! Bibel und Kafka … heidenei 😉

  2. Kafka und Bibel – ich glaube, die beiden hätten selber nicht daran gedacht, dass sie mal so nahe kommen *lach*
    Vergiss das „Kontinuierliche“ – das ist nur ein Konstrukt, dass es real nicht gibt.

  3. Sagt sie doch glatt: “sehen sie, und ich will nicht, dass SIE springen…!

    Das finde ich immer – hm ja – sehr erschreckend, wenn einem als Helfender vor Augen geführt wird, dass man sich eigentlich genauso verhält wie der, dem man helfen will.

  4. Äh, wie jetzt. Du hast zu dem Schwan noch eine sexuelle Beziehung? Klingt jedenfalls so. Oder eine Freundschaft hinter dem Rücken seiner Neuen?

    1. Sexuelle Beziehung – nein! Freundschaft hinter dem Rücken seiner Neuen: Nicht nach meinem Wissensstand bis äh Samstag, angeblich war das alles immer besprochen und okay. Dazu gibt es aber demnächst die letzte Folge der Soap-Opera „Junger Schwan“ … Unterschichtenfernsehen ist nix dagegen 😉

      1. Oha, Freundschaft HINTER dem Rücken seiner Neuen. DAS ist ja mal eine beneidenswerte Beziehung, vermutlich wird er sie heiraten und sie wird bald mit dem Nudelholz hinter der Tür auf ihn warten. PRUST. Das ist ja mal, äh…ein echter Mann. Ich schmeiß mich weg. Andere müssen wir sowas Eintritt zahlen, Lila.

      2. Sie wird gegen seinen ausdrücklichen Wunsch schwanger, DANN steht sie hinter der Tür oder heult alternativ Zuhause bis er nicht mehr ausgeht … 🙂 morgen kommt Soap-Zusammenfassung 🙂

  5. So ist’s recht. Anscheinend ist der Schwan ziemlich devot oder ein unsicherer Mensch. Am Ende wird er sich vermutlich an irgendeine Furie binden und dann lebenslänglich in der Eckkneipe rumjammern über die Xanthippe. Da kann man meistens nichts machen. Als Freundin kannst du ihm den Rat geben, seiner Neuen klipp und klar zu sagen, dass sie seine Freundschaften zu akzeptieren hat. Aber ob er das wohl schafft?

    1. Äh ja, das habe ich bereits dreimal versucht … 🙂 Jedesmal endete es in Erklärungen, wie sehr er ihr die Meinung gegeigt habe… und 1-2 Wochen später waren wir wieder am gleichen Punkt… Die Soap-Opera ist grade freigeschaltet worden 🙂

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