BU Tag 4 – Bild Inspiration

BU Tag 4 – Bild Inspiration

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„Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ dachte sie und überlegte, wo sie diesen Satz schon mal gelesen hatte. Er ging ihr nicht aus dem Kopf. Zeitweise verfluchte sie ihren inneren Optimisten. Andere Menschen haben Engelchen und Teufelchen auf der Schulter sitzen. Ihre Schultern wurden beschwert von Optimist-Ich und Pessimist-Ich.

Sie schüttelte ihren Kopf in der Hoffnung, dieses permanente Surren und Summen abstellen zu können.

„Du musst ihn vergessen“ – „Aber vielleicht, wenn Du noch einmal mit ihm redest, versteht er Dich“ – „Du bist ihm nicht wichtig“ – „Wichtig? Du bist sein Fußabtreter, sein Mittel zum Zweck gewesen“ – „Schau doch mal, wie er sich um Dich sorgt“ – „Er kann nur nicht damit leben, was er Dir angetan hat – reines schlechtes Gewissen“ – „Du bist wichtig für ihn“ – „Du WARST wichtig für ihn“

So geht das 24 Stunden am Tag. Tatsächlich wacht sie gerne mal mitten in der Nacht auf und verfolgte diese Diskussionen.

Sie hat schon alles probiert: Meditation, Alkohol, Sex, heiße Milch – nichts half beim Ein- und Durchschlafen.
Tagsüber lenkten die Alltagsgeräusche und ihr aktives Leben sie ab, so dass sie ab und an nicht hinhörte. Ablenkung war immer gerne willkommen, das sah man an ihrem Terminkalender. Vollgepackt mit Terminen, bloß nicht alleine zuhause sitzen, bloß nicht mehr Zeit für die Stimmen zur Verfügung stellen.

Gestern war es dann genug. Das Undenkbare war passiert. Sie hat sich in die Unterhaltung eingeklinkt – mitten in der U-Bahn lautstark mit den Beiden gesprochen. Die besorgten und belustigten Blicke der Menschen im Wagen liessen sie rot anlaufen und ihre Augen senken.

„Ohmann, wie peinlich“ dachte sie und stieg an der nächsten Haltestelle aus, obwohl es vier Stationen zu früh war.

„So kann das nicht weitergehen“ sagte sie laut in ihr Zimmer hinein. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und schrieb.
Sie schrieb sich alles von der Seele. Sie machte Pro- und Kontra-Listen. Sie sammelte alle Erinnerungen in einer Kiste, alle Fotos, alle Briefe, jede kleine Aufmerksamkeit von ihm.

Sie buchte ihr Bahnticket, packte ihren Koffer und schloß ihre Haustür hinter sich.

10 Stunden später ging sie die Holztreppe zum Strand hinauf, die Bierflaschen und die Decke in ihrem Rucksack.
Sie setzte sich in den Sand, machte ihr Bier auf und prostete ihm zu. Seinem alten Ich. Ihrer Erinnerung von ihm. So möchte sie ihn sich behalten, die nachfolgenden Versionen von ihm auslöschen, vergessen, hinter sich lassen.
Sie packte die Kiste aus und legte sie in die Sandmulde vor ihr.

„Adieu“ sagte sie leise und trank ihr Bier und zündete die Kiste an.

Auf der Decke am Strand sitzend schaute sie über ihr kleines Lagerfeuer aufs Meer.

Die Sonne färbte sich und den Himmel in die unterschiedlichsten Rottöne. Wärme breitete sich in ihr aus, die Hoffnung auf einen Neuanfang.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ dachte sie.

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For this exercise, use one of the images from unsplash as the creative spark for today’s post. You might use it as the setting for a story or poem, write about how it makes you feel, or describe a memory conjured by it.

8 Gedanken zu “BU Tag 4 – Bild Inspiration

    1. Ich vermute mal, weil wir uns aus den unterschiedlichsten Motivationen Hals über Kopf in diese Menschen stürzen, weil sie anders sind? Weil wir den irrigen Glauben aufsitzen, sie zu ändern? Was total Banane ist, denn dieses Anders-Sein war ja die Faszination.
      Die Hoffnung stirbt zuletzt.
      Das ist immer so – mich interessiert die Motivation, das Warum. Vor allem das „Warum lernt man nichts dazu?“ 😉

  1. Kann nur aus eigener Perspektive berichten… Mir scheint, dass wir entweder aus innerer Balance (dem Selbst) oder aus einem inneren Mangel (dem Ego) heraus „in Liebe fallen“.

    Entsteht die Liebe aus einem Mangel, versinken die beiden Probanden in einer ewigen Manipulationsspirale. Die Not des hungernden Ego ist gross, wir wollen Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Aufmerksamkeit, mindestens irgend eine Reaktion… Die mitspielenden Personen passen perfekt zusammen mit den sich ergänzenden „Ecken, die sie ab haben“. Und das meine ich sehr liebevoll. Jeder hat ein bisschen eine ab…. Diese Mangel-Liebe beinhaltet einen kurzen Rausch von Zeit zu Zeit, ist aber grösstenteils äusserst quälend.

    Liebe aus innerer Balance heraus, so paradox es klingt, kann leichter loslassen. Sie wird trauern, wenn etwas zu Ende geht. Aber schon nach wenigen Wochen lässt der Drang nach, sich beim Anderen zu melden, ihn zu einer Reaktion zu reizen. Während ich aus dem Ego heraus oft denke „wenn doch das und das nur so und so wäre, dann..“ denkt die innere Balance an gemeinsames Schönes. Sieht den anderen vor sich, wie er auf einen zuläuft. Ist traurig. Aber sieht die wirklichen Momente. Die gelebte Liebe. Und kann akzeptieren, was vorüber ist. Wenn auch traurig…

    Nur, wie komme ich aus dem Mangel in die innere Balance? Es ist ein Prozess. Er beginnt mit der mutigen Absage an alle, die auf der Manipulationsschiene zu funktionieren scheinen. An alle, die einem nicht gut tun. Die nur diese ätzende Leere verursachen, weil sie da, aber doch nicht wirklich da sind. Sehr wahrscheinlich, dass die Manipulatoren dann den Reizpegel hochschrauben. Oder nicht allzu amused reagieren. Ziemlich sicher, dass du erstmal ein Loch der Angst und der Einsamkeit fällst. Alles scheint kurzzeitig noch schwärzer zu werden. Es gibt Rückfälle.

    Wie bei einem frisch umgegrabenen Garten, wachsen mit der Zeit neue Pflänzchen. Und die sind dann von gesundem Grün, und machen keine Verdauungsstörungen mehr. Wenn du da bist, wirst du Unkraut sofort erkennen.

    So habe ich das für mich verstanden.

    1. Das ist ein sehr schönes und vor allem einleuchtendes Bildnis. Ich bin da ganz bei Dir. Ich denke auch, dass es nur aus einem heraus und nur mit „positiver“ Motivation funktionieren kann.
      Schlechte Einflüsse eliminieren ohne sich selbst zu vergiften.

    1. Bereits mehrfach (und tatsächlich erfolgreich – für meine Verhältnisse) exerziert.
      8h mit dem Zug gen Norden, 30min mit dem Bus auf der Insel nach Süden. Im Edeka das Bier kaufen und an meinen Platz gehen. Mein Platz seit 40 Jahren. Den ich dieses Jahr schmerzlich vermisst habe.

      Zurück zum Thema: Ich glaube tatsächlich, dass ich ein Typ für diesen Pathos, die Symbolik bin. Vielleicht weil es dadurch endgültig und real wird? Hmm 🙂

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