Schuld und Sühne / Vergeben und Vergessen

Schuld und Sühne / Vergeben und Vergessen

Als Sühne (von ahd. suona = Gericht, Urteil, Gerichtsverhandlung, Friedensschluss, ma. auch Mutsühne) wird der Akt bezeichnet, durch den ein Mensch, der schuldig geworden ist, diese Schuld durch eine Ausgleichsleistung aufhebt oder mindert.

Ausgleichsleistung. Diese erzeugen den Kreislauf der Manipulationsvorwürfe und der Schuldverteilung auf andere, fremdgewordene Schultern.

Wenn ein Ungleichgewicht, durch Schaden oder Schuld hervorgerufen, nicht durch direkte Wiedergutmachung auszugleichen ist, wird der Gerechtigkeit Genüge getan, indem der Ausgleich durch verwaltungsrechtliche Buße oder Strafe wiederhergestellt wird. Schuld wird gesühnt, abgetragen, gebüßt, bestraft. Dadurch soll die vom Unrecht betroffene Person Genugtuung erleben.

Die vom Unrecht betroffene Person erlebt dadurch selten Genugtuung, sondern trägt mitunter eine ähnlich schwere Last der zu spürenden, nicht freiwilligen, nicht herzlichen Ausgleichsleistung (s.o.)

Sühne wünschen oft auch schuldig gewordene Personen oder Personen, die sich schlicht schuldig fühlen, indem sie sich durch Sonderleistungen oder Verzichte selbst bestrafen.

Zu Erkennen, in welchem Kreislauf der Sünder selbst steckt – sich selbst gesteckt hat. Mit dieser Belastung kann kein freies Leben möglich sein. Auf keiner Seite.

Großmut als Fähigkeit und Bereitschaft zur Vergebung gilt seit der Antike als Tugend von Herrschern und wird heute als ein Merkmal fortgeschrittener Zivilisation angesehen. So gesehen war die Begrenzung der Rache oder Vergeltung − namentlich die Eindämmung der Blutrache durch das Prinzip Auge für Auge in der jüdischen Religion − ein Zivilisationsfortschritt.

Großmut als Tugend. Vergeben als Zivilisationsmerkmal. Wir sollten uns alle zivil verhalten. Vergeben, Größe zeigen, Groß sein – denn alleine die Größe zu zeigen, reicht nicht aus. Innerlich groß sein. Keine Gesten nach draußen ersetzen die Arbeit im Inneren.

Vergebung bedeutet allerdings den Aufwand erhöhter psychischer Energie, da diese vorerst einmal gegen vordergründige eigene Intentionen (wie z. B. Bestrafung des Täters bis hin zur Rache) gerichtet sein muss.

Ähnlich wie der „Sünder“ seine Sühne auch und vor allem mit sich selbst ausmachen muss, muss der Verletzte für die Vergebung mit sich ausmachen können.

Vergebung kann, aber muss nicht Vergessen bedeuten. Extreme Schädigungen, die schon aus historischen Gründen nicht vergessen werden sollen und können, können trotzdem vergeben werden. Dies erscheint wichtig zu wissen, da auch bei weniger extremen Schädigungen die Vorstellung, dass im Falle der Vergebung alles im Sinne von „unter den Tisch wischen“ vergessen werden muss, einer sinnvollen und beiden Teilen entlastenden Vergebung entgegensteht.

Und nur dann ist ein Vorwärts möglich.

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Blogging University Day 15: Take a cue from your readers

Ich habe einige Tage übersprungen. Ich war unterwegs und einige der Aufgaben habe ich bereits, unbewusst, erledigt. Und Schreiben um des Schreibens willens macht wenig Sinn, was dabei rauskommt, möchte ich selbst nicht lesen 🙂

Sühne und Vergebung – das Thema finde ich spannend – aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichem Hintergrund. Viele Kommentatoren weisen mich in vielen meiner Erlebnisse darauf hin, dass alles Wollen und Planen und Denken schön und gut ist, aber es am Ende des Tages in mir passieren muss. Ich muss „es“ wollen. Was auch immer „es“ im konkreten ist. 🙂

Keine großartige Neuentdeckung sondern eine altbekannte Wahrheit.

Startet gut in die Woche!

Lila

3 Gedanken zu “Schuld und Sühne / Vergeben und Vergessen

  1. häufig ist es das altbekannte, aber in vergessenheit geratene, dass einem helfen könnte. manche menschen haben einen beruf daraus gemacht, anderen dabei zu helfen. und zumindest die leben gut damit 🙂 danke! dir auch

  2. Schuld und Sühne, Vergebung, haben Menschen zum Wohl der Kirche/n erfunden, um andere in Abhängigkeit und Angst leben zu lassen. Und um Ablassbriefe zu verkaufen. Religion, als Geschäft. Allein deine Taten beeinflussen dein Leben. Du selbst bestimmst, was aus dir wird.

    1. So sehe ich das (mittlerweile) auch. Nicht, dass der Religionsaspekt für mich persönlich relevant ist. Aber ich glaube, dass viele diese Motivationen nutzen, um andere Menschen zu dirigieren. Ich möchte weder dirigieren noch dirigiert werden. Und wie Du sagt: Nur ich bestimme (für mich).

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