When Harry met Sally….

When Harry met Sally….

Dieser Film hat auf mehreren Ebenen eine besondere Bedeutung, wie ich finde.

Unvergessen die Orgasmus-Szene im Diner 🙂

Noch unvergessener der Satz: „Männer und Frauen können keine Freunde sein, der Sex kommt ihnen immer dazwischen!“

1989 – da war ich 14 und hatte tatsächlich bereits beste Freunde. Ich war aber schon immer Kumpel-Typ, schon damals. In der Pubertät aber für mich eher eine Enttäuschung, dass sich dieses Zitat NICHT bewahrheitet hat. Denn Sex kam nie dazwischen. Hmpft. Und nein, die Freundschaften bestehen heute nicht mehr. Die ersten Freundinnen und späteren Ehefrauen kamen dazwischen 🙂

Aufgefrischt hat diese Gedanken der Artikel bei Bento „Warum jede Frau einen besten Freund haben sollte“, der mich erneut nachdenken liess. Vor einiger Zeit hat mir meine Therapeutin ja den Denkstein mitgegeben, dass diese Freundschaften mit Männern immer nur so lange funktionieren, so lange keine Frau/Freundin an deren Seite ist. Weil dann die Intimität des Kennens und Wissens von mir zu ihr wandert und ich – quasi – nicht mehr gebraucht werde und zur „Geliebten“ verkomme.

Ich habe das Thema mit ihr nicht mehr aufgegriffen, es folgten aber leidige Diskussionen mit dem Leinenmann, bei denen wir weiterhin unterschiedlicher Meinung sind, die aber nachhaltig unsere Freundschaft geschädigt haben. Denn er sieht sich bestätigt und im Recht, spielt diese Macht unbewusst permanent aus und ist noch weiter weg als je zuvor, weil ich diese Machtspiele nicht ertrage, aber keine Stimme mehr habe. Und auch keine Worte mehr. Ob das mit Wollen oder Können zu tun hat, da streiten sich die Gelehrten seit geraumer Zeit. Ende offen.

Die Freundschaft „retten“ konnte ich auch beim Umarmer nicht. Ich habe keine Freunde dauerhaft in meinem Leben, die sich komplett zurückziehen, sobald sie eine Beziehung eingehen. Ich kann das für die Anfangsphase absolut verstehen, aber irgendwann sollten auch wieder andere Menschen statt finden im Leben. Der Umarmer und der ein oder andere Kandidat machen dann aber temporär „Schluss“ mit allen Menschen, ausserhalb der Beziehung. Geht das gut? Wenn man so Volldeppen wie mich in seinem Umkreis hat schon, so ein, zwei Mal. Weil ich immer noch da bin und das gebrochene Herz nach Ende der Beziehung tröste und den Faden aufnehme, wo der andere ihn fallen gelassen hat. Ein, Zwei Mal. Dann nicht mehr. Dann gab es bereits (ganz sicher) eine klare Ansage und nein, dann bin ich beim dritten Mal nicht mehr da und dann darf der Andere den Faden suchen, wenn er ihn denn noch findet.

In beiden Fällen spielte Sex tatsächlich eine Rolle in irgendeiner Form. Und ja, das stört(e) nachhaltig das Verhältnis. Ich werde immer im Hinterkopf haben, nicht gut genug gewesen zu sein. Oder im Falle des Umarmers den „Ekel“, mit der Erinnerung an vergangene „Übergriffe“ von Männern, Ärzten, Freunden, das Mann von mir wollte, was ich nicht bereit war/bin zu geben.
In beiden Fällen wird alles, was war, unter den Tisch gekehrt. Es ist einfacher auf Distanz zu gehen, als sich mit Dingen zu beschäftigen, die unangenehm sind und vielleicht weitere Konsequenzen mit sich ziehen.

Ansatzweise kann ich es verstehen, dass man das machen möchte. Für gut halte ich das nicht. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Und dann gibt es da eine handvoll wirklich guter männlicher Freunde. Schon lange, 20 Jahre+. Alle in Wellenbewegung – mal mehr, mal weniger intensiven Kontakt. Aber immer mit purer Freude und Dankbarkeit, wenn wir es schaffen, uns zu sehen. Viele davon finden per virtueller Unterhaltung statt. Immer funktioniert ein „Ey, ich brauche Aufmerksamkeit“ – auch, wenn Kinder und Frauen da sind, ein „ich drück Dich und melde mich später“ kommt immer zurück. Und das liebe und schätze ich so an den Herren.
Auch die beschrieben Rationalität, das „Chill mal“. Der eine hat das so drauf, der andere so. Aber alle können mich innerhalb kürzester Zeit runterholen und auffangen. Keiner fühlt sich überfordert und rennt weg, distanziert sich und gibt mir das Gefühl Mangelware und Belästigung zu sein.

Da war nie und wird nie eine sexuelle Ebene sein und das macht es so unheimlich entspannt 🙂

Und dann gibt es die Männer, wo Liebe da gewesen wäre und war, aber immer zum falschen Zeitpunkt oder einseitig oder wechselseitig.
Diese Freundschaften haben eine andere Meta-Ebene. Die Gespräche sind sensibler und vorsichtiger, aber immer herzlich zueinander zugewandt. Aber: Es gibt Tabu-Themen, über die nicht gesprochen wird. Wir haben gemeinsam jeder für sich beschlossen, einfach Gras drüber wachsen zu lassen. Und heute schaut keiner den anderen an und fragt sich „Was wäre wenn…“ – denn beide wissen: Es war und ist gut so, wie es ist.

Also ja, Männer und Frauen können und sollen befreundet sein.

Ich wüsste nicht, was ich ohne die Männer und deren Sicht in meinem Leben machen würde 🙂

Sie geben mir ein Vertrauen in Männer zurück, das mir seit meiner Kindheit fehlt. Und auch, wenn ich sehe, dass dort eine Stabilität und Sicherheit ist, bleibt die innere Unruhe im Umgang mit Männern. Es gibt kein (Ur-)Vertrauen, nur Skepsis und Zweifel. Freundschaften mit Männern sind Mini-Therapie im Alltag. Irgendwie.

5 Gedanken zu “When Harry met Sally….

  1. Dieses Gerücht Männer und Frauen können keine Freunde sein, halte ich ebenfalls für ziemlich daneben und ausgeschlachtet. Es geht nicht immer nur um Sex. Meine Freunde sind für mich wie Brüder, natürlich gibt es Körperkontakt und Albereien, aber niemals nie nicht mehr. Alles sehr locker, entspannt und sooo unkompliziert, dafür liebe ich die Kerle. Wir können nebeneinander im selben Bett liegen, uns nackt gegenüberstehen und es passiert: Nichts.

    Fußball, Konzerte, Eishockey, Sauftouren, entspannte Abende, feucht-fröhliche Nächte und die wunderbarsten Momente, Siege und Niederlagen, mit ihnen teile ich alles 🙂

    Problematisch wird’s, wenn einer der Jungs eine Freundin hat. Viele Frauen beäugen Mann-Frau-Freundschaften sehr kritisch und du wirst in Eifersuchtsanfällen zur Erzfeindin. Damit kann ich leben, weil ich weiß, was ist und wo auf der Skala die Freundschaft für die Jungs und mich liegt. Ich muss nicht die Freundin ihrer Partnerinnen werden. Irgendwann wird es akzeptiert und es entstehen langjährige Beziehungen, Kinder, Ehen, oder eben die Frau verschwindet wieder, dann hatte die Beziehung so und so keine Chance.

    Frauenfreundschaften, bis auf ein paar sehr tiefe, innige, langjährige, teils seit Kindertagen bestehende, kommen und gehen. Aber ich habe die wunderbare Erfahrung gemacht, die Freundschaft zu Männern bleibt, weil die Jungs wie starke, fest verwurzelte Bäume bei jedem Sturm an meiner Seite stehen.

    1. Leider habe ich es oft genug erlebt, dass die Freundschaften eine weitere Frau nicht ausgehalten haben – und das nicht, weil ich es nicht konnte/wollte. Sondern weil die Jungs sich dann eben komplett auf die Frau konzentrierten und ihre Eifersucht ernst nahmen und sich quasi von mir trennten. Ich habe es immer vermieden eine zu enge Beziehung zu den Frauen meiner Freunde zu haben, es sei denn ich bin von vornherein mit einem Pärchen befreundet, das ist dann was anderes. Daher machen es meist die anderen Frauen kompliziert 🙂

      Ich habe viele gute Frauenfreundschaften, die sind aber alle seeeeeehr alt… 🙂 Da hast Du Recht. Aber ich bin auch mittlerweile geheilt davon, dass alles immer für „Immer und Ewig“ sein muss. Manche Menschen kommen und gehen wieder, andere bleiben für den Rest des Lebens. Genießen kann man aber eben auch die Kurzweiligen. Man sollte sogar 🙂

  2. „Minitherapie für den Alltag“ – das ist ja schön.
    Ja, Freundschaften zwischen Mann und Frau können kompliziert sein – aber auch so unkompliziert wie „andere normale“ Freundschaften auch.

    1. Ja, ne? Denn aus mir hätte auch ganz schnell eine Männer-Hasserin werden können. Aber durch meine Kumpels bin ich das nie geworden 🙂

      Ich finde manche Frauen-Freundschaften weitaus anstrengender als Männerfreundschaften – aber ich glaube auch, dass es letzten Endes eher auf den Typ als das Geschlecht ankommt. 🙂

  3. Hallo, dann poste ich mal meine Erfahrungen. Mein bester Kumpel war einer Frau, und ja das war Sie auch ziemlich lange… So in etwa 10 Jahre, und dann? Ja genau, Harry und Sally…. nur ohne Happy End. 🙂 Viele Grüße Elmar

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