Stimmt… für mich

Stimmt… für mich

“I think the saddest people always try their hardest to make people happy because they know what it’s like to feel absolutely worthless and they don’t want anyone else to feel like that.”
—Robin Williams

Du bist zu nett

Wie oft habe ich das gehört und mir gedacht, was zum Geier soll daran schlimm sein? Und wieso bekomme ich das als Vorwurf zu hören? Wenn alle ein bißchen mehr wie ich wären, wäre die Welt ein schönerer, wärmerer, netterer Ort. Punkt.

Sei egoistischer

Äh nein? Das ist nicht das Problem – weder meins noch das der Welt. Ich habe „nur“ ein gottverdammtes Recht auf meine eigenen Wünsche und meine Meinung. Das heisst nicht, dass ich egoistisch bin. Mein Wunsch zählt genauso viel wie Dein Wunsch. Setzen wir uns doch an den Tisch und finden einen Kompromiss. Willste nicht? Gut. Deinen Weg will ich nicht. Dann eben ohne einander.

Rede mehr über Deine Depression, wenn die Leute das wissen, verstehen sie Dich besser
Nope. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass es sich i.d.R. nur ins Negative dreht, wenn Menschen Bescheid wissen. Im Zweifelsfall werde ich entmündigt. Jede Entscheidung, jedes Verhalten wird im dann direkt gefiltert in „Ach, die ist ja krank. Die kann ja nicht anders“ – Ernstgenommen werde ich dann nicht mehr.
Btw. mehr Rücksicht genommen wird ja auch nicht. Also warum dann erzählen? Nö.

screenshot

Bekah Miles hat sich ein Tattoo stechen lassen, dass sich viral im Netz verbreitete.

Sie schreibt dazu u.a.

To me, depression is the days that I feel sad for no reason.
Depression is the mornings that I don’t feel capable of getting out of bed.
Depression is the sleeping too much, or sleeping too little.
Depression is the homework that I never completed, simply because I didn’t feel like I was capable.
Depression is the break downs I have over absolutely nothing.
Depression is the eating too much, or eating too little.
Depression is the nights I begin to cry because I feel so overwhelmed, even though everything is going right.
Depression is the 50 pounds I carry in my chest at all times.
Depression is the need to constantly be distracted (being on social media, playing video games, watching movies or shows, or working all the time) because I can’t trust myself with my thoughts for longer than 3 minutes.
Depression is the friendships that have suffered because of my inability to function.
Depression is the hurtful thoughts and actions I have towards myself.
Depression is the tears I have because I don’t know why I feel so worthless, when I know I should feel happy.

Mittlerweile betreibt sie hier einen Blog über ihr Leben mit ihrer Depresseion.

Im aktuellen Stern ist (wieder mal) ein Artikel über die Volkskrankheit Depressionen/Burn Out. Unter anderem wird dort auch der Stern-Blogger Tobi Katz mit seinem Blog „DasGegenteilvonLustig“ erwähnt, sein Buch ist zumindest bei Amazon heiss begehrt. Ich weiss noch nicht, ob ich es lesen werde.

Aus dem Leben:
Letzte Woche stand ich mit dem Leinemann an der Kasse auf unserem Bierholgang und hörte mir (wieder) an, dass das, was ich empfinde, nicht stimmen würde. Ich versuche es mittlerweile nicht mehr zu erklären, dass es nicht darum geht, ob es RICHTIG ist, was ich empfinde, sondern, dass die Schwierigkeit ist, dass ich es empfinde. Und immer wieder empfinde. Und meine Aufgabe ist, mir Mechanismen und Schutz aufzubauen, damit ich NICHT so empfinde – Verlassen, Ungeliebt, Ignoriert, Nichts wert, Vergessen… Es tauchen Gedanken auf wie „Du wirst derjenige sein, der YESSSSS schreit, wenn er die Trauerkarte erhält, die zu meiner Beerdigung einlädt. Endlich dieses lästige Wesen abgeschüttelt.“ Ich möchte so nicht denken und ich kämpfe dagegen an. Manchmal geht das gut, manchmal geht das gar nicht. Aber es ist nicht FALSCH, wenn ich so empfinden. Deswegen greifen die Mechanismen jetzt früher. Nummern werden auf „ignore“ gesetzt, ins Archiv verschoben – aus den Augen, aus dem Sinn. Der eine kann das von Natur aus, die andere muss sich das antrainieren.

anxiety-depression-comics-nick-seluk-sarah-flanigan-awkward-yeti-21

Ein schöner Beitrag, der ganz gut darstellt, wie sich das anfühlt… so eigentlich immer.

Ich mache Fortschritte. Ich weiss das, ich merke das. Meine Umwelt findet mich manchmal einfach nur unbequemer als vorher. Aber gut, wenn man nicht mehr all das bekommt, was man mal „einfach so“ bekam, ist vielleich schon ungewohnt. Aber ich habe keine Angst mehr zu Vereinsamen. Keine Angst mehr, meine Stimme nicht zu finden. Das heisst nicht, dass ich alles sagen muss. Manchmal kann ich auch einfach gehen.
Verwirrt Dich? Dein Problem. Aber Du kannst mich gerne drauf ansprechen.

Ja, die Queen passt sehr gut. Genauso wie Bekah’s Tattoo… oder das Festhalten an einer Lifeline. Ich habe meine Teammates gegen Anxiety und Depression. Wir sind stärker.
Queen of Hearts hell

16 Gedanken zu “Stimmt… für mich

  1. Die Stimme aus der Gruft…

    Wenn (zumindest) ich dir sage, du seist zu nett, dann ist das kein Vorwurf. Es ist ein Hinweis darauf, dass dir ‚die Welt‘ deine Nettigkeit oft nicht dankt – und du enttäuscht sein könntest. ‚Sei egoistischer‘ zielt auf das gleiche Thema ab… Schlimm finde ich die beschriebene Enttäuschung und nicht die Tatsache, dass du so empathisch bist.

    ‚…Jede Entscheidung, jedes Verhalten wird im dann direkt gefiltert in “Ach, die ist ja krank. Die kann ja nicht anders”…‘. Ist das so? Ich denke nicht. Jedoch, ganz klar: Wenn dich der offene Umgang mit deiner Krankheit gelehrt hat, dass die negativen Auswirkungen überwiegen – passt es doch so, wie es ist.

    Dachte, der Leinenmann wäre passé!? 😉

    Gibt es einen Unterschied zwischen ‚was ich empfinde, stimmt so nicht‘ und ‚es ist anders, als ich es empfinde‘? Eventuell ist das eine rhetorische Frage… 😉 Ich denke, gerade weil du ‚immer wieder‘ Situationen auf deine ganz persönliche Art empfindest ist es wichtig dich darauf hinzuweisen, dass sich besagte Situationen anders darstellen. Was wäre die Alternative? Nichts dazu sagen? Dich in deinen Empfindungen bestätigen; wissend, dass diese unbegründet sind?

    Das Ende gefällt mir.

    Liebe Grüße

    1. Jetzt musste ich erstmal den Beitrag nachlesen, Stimme aus der Gruft 😉

      Manchmal ist der Leinenmann passé, manchmal nicht 😛

      Nett sein/Egoismus: Es ist noch ein weiter Weg, bis ich dieses Verhalten gänzlich ablegen werde – wenn überhaupt jemals. Ich wäge mittlerweile zumindest mal ab, wieviel ich wo investierte an Zeit, Gedanken und Energie. Dennoch möchte ich einfach an das Gute im Menschen glauben – das beinhaltet für mich auch, dass meine Mitmenschen sehen und „anerkennen“, was ich bin und was man in mir für einen Freund haben kann (z.B.) – die Dauer meiner Freundschaften möge hier als Referenz dienen.

      Es geht nicht darum, dass es schlecht oder nicht-hilfreich ist, wenn ich auf eine Tatsache hingewiesen werde – also dass eine Situation anders erklärt werden kann, als wie ich es empfinde. Mir fehlt hier – wie in vielen anderen Fällen – am Verständnis und der Reflektion der Beteiligten Person. Denn die könnte sich meine Empfindungen ja auch zu Herzen nehmen und überlegen, ob und wie am eigenen Verhalten zu schrauben ist, damit das nicht mehr so empfunden wird.

      Ich habe oft das Gefühl vor Menschen zu stehen, die mir den Rat geben mich zu ändern … Oder es gar erwarten. Andersrum wird das aber nicht in Betracht gezogen.

      Es fühlt sich meistens so an:

      Wenn ich Gäste habe, weiß ich, was die gerne mögen und welche Allergien die haben. Ich werde mein Menü und Verhalten danach richten.
      Wenn ich wiederum Gast bin, wird mir vorgesetzt, auf was ich allergisch reagiere und wenn ich darüber erstaunt bin, wird mir gesagt: Dein Problem, sortiere das halt raus.

      Das Resultat von all dem? Die Quintessenz ist immer: Nicht wichtig genug ergo egal, ob ich da bin oder nicht.

      Offenlegung der Krankheit:
      Ich gehe jetzt hier nicht ins Detail, aber 2,5 Fälle im Freundeskreis (von 5) gehen oder gingen sehr seltsam mit dem Wissen um. Gebracht hat es mir meines Erachtens nichts. Der halbe Fall versucht sein Bestes, ist aber manchmal restlos überfordert 🙂

      Meine Familie ist über das „Verkünden“ komplett zerbrochen. Meine Mutter „nutzt“ mich als Erklärung und/oder Ausrede, weil sie sonst über ihre eigenen Gefühle und Emotionen äußern bzw erstmal klar werden müsste. Dh ich bin an allem Schuld… Die Ironie, dass meine Familie nicht ganz unschuldig ist und jetzt jeder über mich spricht aber keiner mit mir spricht? Das Alles würde ich nicht so ruhig erzählen und verarbeiten können, wenn ich nicht in Therapie wäre. Aber ein gutes Erlebnis ist was anderes.
      Die neue Dynamik mit meinem Bruder ist schön aber ebenso verwirrend – sorgt er sich mehr, weil er weiß, dass ich krank bin? Schlechtes Gewissen? Ja, ich freue mich darüber aber „zweifelsfrei“ genießen?
      Daher: Nein, ich glaube nicht, dass eine Offenlegung der Krankheit mir das Leben einfacher macht, gemacht hat.

      Ja, das Ende ist schön … 🙂

      1. Zack Aufsatz… o.O Wie kann man nur so schnell soviel schreiben!?

        Das Gute im Menschen und Egoismus – meiner Meinung nach gehört eine ordentliche Portion Egoismus zum guten Menschen.

        Das Ändern – von dir und anderen: Nochmal möchte ich betonen, dass meine Hinweise darauf, dass du dir bezugnehmend bestimmter Situationen ‚unnötig‘ Gedanken gemacht hast keine Aufforderung sind, dich zu ändern, dir also… erm… andere oder keine Gedanken zu machen. Denn das geht ja gar nicht. Bezogen auf mich sind meine Erklärungen, dass du dir ‚falsche‘ Gedanken gemacht hast Teil einer Vorgehensweise, um dir die ‚Furcht‘ vor solchen Situationen zu nehmen. In dem ich dir immer wieder sage dass es nichts mit Ablehnung o.ä. zu tun hat, wenn ich mich nicht melde, sondern beispielsweise mit mangelnder Zeit meinerseits und dem Wissen, dass ich mich nicht vernünftig mit dir beschäftigen kann, versuche ich, deine Gedanken diesbezüglich etwas weniger… äh… trüb werden zu lassen!?

        Mach dir ruhig weiter Gedanken – eventuell wirst du beim Denken ja (selbst)sicherer? Okay, ich gebe zu: Das wäre dann doch eine Veränderung. Allerdings keine, bezüglich derer du dich bewusst bemühen müsstest.

      2. Hast Du ne Ahnung, was in meinem Kopf alles so passiert und in welche Geschwindigkeit 😉
        Und Du weißt doch, wie schnell ich rede 🙂

        Also 🙂
        Es ist eine „Aufforderung“ zur Veränderung, denn ich muss mein Denkmuster ändern, wenn ich möchte, dass es mir (und damit meiner Umwelt) besser geht.

        Schweigen und Stille in der Kommunikation sind für mich mein Leben lang negativ besetzt gewesen.
        Positive Stille und positives Schweigen gibt es für mich nicht.

        Im Nachhinein verstehe ich immer die Gründe, aber dann habe ich meist schon die schlimmste Phase alleine durchgestanden… Die Tage, Wochen ohne ein Wort. Was mein Kopf daraus macht. Die fiktiven Auseinandersetzungen oder Gespräche, gerne mal kurz vor’m Einschlafen. Davon bekommt meist keiner was mit. Es findest ja keine Kommunikation statt. 🙂

        Ich kann nicht mehr machen, als das immer und immer wieder zu erklären und zusätzlich darauf hinzuweisen, wenn wir gerade in so einer Phase stecken. Das habe ich gerade bei Dir auch immer wieder gemacht 🙂

        Deswegen eben doch am Ende die Feststellung, dass ich das Verhalten und damit mich ändern muss 🙂

        Ich kann nicht davon ausgehen, dass meine Umwelt sich und ihr Verhalten ändert.

        Es ist nicht so, dass ich nicht sage, was besseres Verhalten für mich wäre 🙂

        Aber ich muss eben akzeptieren, dass das nicht immer umgesetzt wird/werden kann. 🙂

  2. „Positive Stille und positives Schweigen gibt es für mich nicht.“
    Oha – ich glaub, wir müssen mal einen Kaffee trinken gehen, wenn du dich hier herumtreibst 😉

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