Meilensteine

Meilensteine

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Zwei große Meilensteine im (geistig und seelischen) Genesungsprozess absolviert und gehalten. Also absolviert schon vor einer Weile aber ich jubel mittlerweile erst, wenn ich das anerlente Verhalten ein paar Wochen, Monate durchhalten kann.

Mein Geburtstag war das „Absolvieren“, Weihnachten das „Halten“.

Ein langes Gespräch mit meiner Mutter, sie unter Tränen und ich angenehm entspannt. Weil ich mich darauf vorbereitet hatte mit meiner Therapeutin, wusste ich, was ich will. Ich wusste, wovor ich Angst hatte, habe mir Worst-Case-Szenarien durchgespielt und mittlerweile verinnerlicht, dass es okay ist, dass ich Wünsche habe. Eigene Wünsche. Dass es kein krankhafter Egoismus ist, der mich in die Hölle schickt, wenn ich sage, dass ich etwas „was immer so gemacht wurde“, nicht mehr so machen möchte.
Dass ich keinen Wert darauf lege, ob mich ein Teil meiner Familie versteht oder nicht. Dass es auf taube Ohren gestossen ist, was ich in der Vergangenheit gesagt habe. Und dass ich schlichtweg keine Lust mehr habe.
Mir meine Zeit zu schade ist für Menschen, die sich nicht für mich oder andere interessieren.
DAS ist krankhafter Egoismus. Der mich krank gemacht hat. Weil ich geglaubt habe, dass das richtig ist und das was ich will, falsch ist. Unberechtigt und übertrieben.

Meine Mutter macht sich Sorgen um meinen Vater, man munkelt, dass seine 2. Ehefrau ihn verlassen habe (Halbbruder scheint aus dem Haus zu sein). Erklärt die heulende Nachricht auf meinem Anrufbeantworter. Ändert nichts daran, dass es mir egal ist. Tatsächlich egal.

So weit kann man mich bekommen, wenn man es lange genug versucht.

ICH persönlich finde nichts schlimmer, als wenn etwas „egal“ ist. Ich bin gerne FÜR oder GEGEN etwas… Ist mir etwas egal… hat es keinen besonderen Wert. Ja, es gibt Sachen, da ist es mir egal. Wobei mir selbst die Farbe der Spielfigur nicht egal ist. Ich könnte theoretisch mit allen Farben Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen, aber gelb und rot lieber nicht so. Also ist es mir nicht egal. Ich habe eine Vorliebe.

Es kommen alte Geschichten hoch. Der Bruder meines Vaters hat sich das Leben genommen, im Hause meiner Oma – im Anbau. Mein Vater hat ihn gefunden. Mein Onkel und ich? Sind uns von der Persönlichkeit SEHR ähnlich. Eher extrovertiert, lebensfroh, kommunikativ, kreativ… Lustig, Laut…. und beide depressiv. Man spricht nicht soooo genau darüber, aber ich vermute, dass er es war. Tja.

Ja, ich bin wie er. Und doch anders. Aber der Vergleich sitzt wie die Angst im Nacken. Sass schon immer da. Wie oft habe ich befürchtet manisch-depressiv zu sein? Wahrscheinlich habe ich deswegen den Gang zur „Hilfe“ so lange abgelehnt. Ich wollte nicht hören, was ich mein (Erwachsenen-)Leben lang vermutete.

Ich bin anders. Ich lasse mir helfen. Ich helfe mir selber.

Wie sagte meine Freundin so schön: „Und wenn Du dann so Sachen wie jetzt erlebst und erfährst, wenn Du auf Dich stolz sein kannst, Dir selbst auf die Schulter klopfst und in den Spiegel schaust und Dich anlächelst – dann weisst Du, wofür die ganze Scheisse gut war. Nur die Mutigen machen die Kiste der Pandora auf und stellen sich den Ungeheuern der Vergangenheit und den Tiefen der eigenen Seele. DAS jetzt, das ist Deine Belohnung.“

Genau so ist es. Ich sage nicht, dass ich geheilt bin. Aber ich kann sagen, dass es mir VIEL besser geht. Ich kann sagen, dass ich mich mehr mag als noch vor einem Jahr. Ich kämpfe für das, was ich möchte, wenn es Sinn macht zu kämpfen. Ich gehe, wenn es keinen Sinn macht.

Aber vorallem bin ich dankbar.

Für das, was ich heute sein kann und wo ich heute stehe. Ich sehe einen Weg vor mir, wo lange „nichts“ war. Mein Weg.

8 Gedanken zu “Meilensteine

  1. Ich möchte eigentlich gar nichts dazu sagen, sondern dich nur mal ganz lieb drücken. Ich lese dich nun über zwei Jahre und ich freue mich, auch wenn ich dich nur über das Internet ein bisschen kennen gelernt habe, einfach nur, dass du auf dem Weg nach oben bist und ich wünsche dir, dass du diesen deinen Weg weiter beschreitest.

  2. Das klingt gut. Und entspannt, zufrieden entspannt 😉
    Dann wünsche ich Ihnen zum Weihnachtsfest mal ganz viel Erfolg zum Aushalten 😉 – wenn das denn zum Aushalten ist.

    Und dass Sie sich den Erfolg mal zum Vorbild nehmen und so weiter machen. Dann wird das nämlich schon. Die Freundin hat da durchaus Recht – nur die Mutigen öffnen die Kiste der Pandora.

  3. Genau das ist der Egoismus, den ich meine – sehr gut!

    ‚…ICH persönlich finde nichts schlimmer, als wenn etwas “egal” ist. Ich bin gerne FÜR oder GEGEN etwas… Ist mir etwas egal… hat es keinen besonderen Wert…‘ Ich finde, man ist schnell überlastet, wenn man allem einen Wert gibt. Gleichgültigkeit kann in Trägheit münden; sie ist jedoch zuweilen auch ein Segen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Fähigkeit zur sinnvollen Priorisierung!?

    ‚…Genau so ist es. Ich sage nicht, dass ich geheilt bin. Aber ich kann sagen, dass es mir VIEL besser geht. Ich kann sagen, dass ich mich mehr mag als noch vor einem Jahr…‘ Das ist wunderbar!

    1. Naja 🙂
      Ich denke, dass Du und ich an dieser Stelle nicht unterschiedlicher sein könnten, daher macht es Sinn, dass Du genau das kommentierst. 🙂
      Die größte Prio hat man selbst. Ob Feuer-und-Flamme wie ich oder kalkulierte Trägheit (wie Du?) – sobald man ins Extrem rutscht, ist es meist nicht gut.
      Und sowohl der Eine als auch der andere Typ müssen sich fragen, ob sie sich so verhalten, weil es ihnen gut tut oder weil es anderen gut tut.
      Es kann durchaus auch eine Priorität sein, seine eigenen Träume und Wünsche hinten anzustellen, weil man den Partner nicht verletzen, verlieren möchte. Genauso richtig und wichtig ist es, ab und an sein eigenes Ich zu pflegen.

      Daher: Ich bin immer noch für oder gegen etwas. Und selten ist mir etwas egal. Aber ich lerne, dass ich das nicht immer ausleben muss. Und das es manchmal einfach ist, sich seinen Teil zu denken, zu lächeln und weiterzugehen.
      Aber niemals möchte ich träge sein und auf mein Leben schauen und denken „ach, hätte ich nur“ … Stillstand ist der Tod, ich laufe jetzt nur langsamer 🙂

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