Eine Lektion

Eine Lektion

Es gibt ein Thema, um das kreise ich schon mein ganzes Leben – an- und ausgesprochen wird es fast wöchentlich in der Therapie, es wurde auch bereits hier kommentiert.

Aus meinem eigenen Verhalten und meinem Grundverständnis ergibt sich die „Logik“, dass, wenn ich das erkläre, sage, whatever, die andere Person sich das merken kann. Würde man MIR sowas sagen, ich würde mir das merken und mich entsprechend anpassen oder zumindest soweit ich das a) in meiner eigenen Freiheit kann und will und b) mir die andere Person wichtig genug ist, dass ich nicht möchte, dass sie aus meinem Leben entschwindet.

Nun höre ich seit Anfang der Therapie den Satz, dass ich andere Leute so lassen muss wie sie sind und wenn ich damit nicht klar komme => ich was ändern muss.

Die Depressionen mögen weg sein, aber die Erkenntnis, dass es eine Handvoll Leute gibt, denen es total Schnuppe ist, welche Qualität die Beziehung zu mir hat … am Ende sogar egal ist, ob ich da bin oder nicht… Die trifft verdammt hart. Und machen mich unendlich traurig.

Es kostet mich extrem viel Kraft daran nicht kaputt zu gehen und vor allem dem Drang nachzugeben, mich wieder so zu verhalten, wie vor einem Jahr …

Im Kopf weiss ich, dass ich da nicht hin möchte – aber ich möchte gemocht werden und ich möchte das spüren … Es fühlt sich nicht gut an, egal zu sein.

Wenn Menschen sich auch nach dem 100. Mal einfach nicht entschuldigen können sondern immer nur den Spieß umdrehen und MIR sagen, wie ich mich das nächste Mal besser verhalten kann, damit sie mich nicht verletzen.

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Denk‘ doch verdammt noch mal einen Schritt weiter als Deine eigene egoistische Nasenspitze.

Ja, auf so Menschen sollte ich verzichten können. Und es sollte mir auch nicht weh tun – so Menschen sind kein Verlust.

Aber da kommt das Kind durch – ich hoffe, dass ich irgendwann an den Punkt komme, wo es nicht mehr so verdammt weh tut, konsquent zu sein.

Aus den Situationen komme ich nur raus, wenn ich mich zurückziehe – auf Dinge und Menschen verzichte, die mir wichtig waren – mir selbst ein Stück Leben nehmen um zu überleben.

Es ist so unendlich traurig.

Und macht mich so wütend. Ich möchte FÜR mich arbeiten und nicht GEGEN Euch… verdammte Egoisten mit Null-komma-Null Sozialkompetenz und Empathie… F++++ Euch!

27 Gedanken zu “Eine Lektion

  1. Liebe Lila, ich habe hier schon soviele Worte hinterlegt und nie wirklich gewußt, ob es die richtigen sind. Doch heute lese ich Sie in der Verteidigung des eigenen Tanzbereiches und teile gerne weitere Worte meines Sprachgebrauches:

    „Was willst du mir erläutern, du hast die Klarheit eines Eimers Vollei!“
    „Meine Schuhe sind viel zu groß für deine Babyschrittgedanken!“
    „Großes Herz braucht großen Raum, das wird ein Kleingeist wie du nie verstehen!“

    Ich bremse mich mal, das Schlagwort „Männer“ mahnt mich sanft. Sie beklagen selbstwortend Dinge und Menschen, die Ihnen wichtig waren. Liebste, alles Gewesene schafft Platz für Neues. Nach der Wut kommt Freiheit. Das ist auch so ein Eigenwichtigsatz. Und ich bleibe in dem Absatz hängen und verlinke ungeniert auf einen Überlebenden:

    Alles Liebe, Ihre Frau Knobloch, großräumig zugeneigt.

    1. Liebste Frau K!
      Erstmal: Alle Ihre Worte waren richtig und wichtig. Ob aufbauend, umarmend, ermahnend, anstupsend… Das kam alles durchaus in meinem starsinnigen Köpfchen an 🙂

      „Nimm‘ Dir das Leben und lass‘ es nicht mehr los“ – singt Ihr Freund… Toller Text, tolles Lied…

      Ja, ich verteidige meine Grenzen, meinen Tanzbereich… Dass das zum ersten Mal in meinem Leben einen bewussten Abschied bedeutet, der (auch) von MIR ausgeht, weil ich nicht mehr bereit bin, alles hinzunehmen und alles hinzugeben … Das ist nicht so einfach. Trauerarbeit, Verlustarbeit… Um Platz zu schaffen – Für Neues.

      Dennoch schwingt die Angst mit, die Angst vor Einsamkeit – Vor Ungeliebtsein – Vor Schuld und schlechtem Gewissen… Eigene Entscheidungen treffen bedeutet eben auch die alleinige Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen… Lernprozesse…

      Ein Schritt nach dem anderen… Danke, wie immer, für Ihr willkommenes und hilfreiches Input!

      Dicken, herzlichen Knuddler, Frau K!

  2. Ich kann Deine Ziele nachvollziehen. Will wahrscheinlich jeder. Meine Erfahrung ist, dass es bei vielen Menschen funktioniert und bei vielen nicht. Bei manchen nur aus Kalkül und nicht aus Überzeugung. Schade, aber so ist es

      1. Ich antwortfrage mal hier einhakend, meine Liebe:
        Die realistische Rationalität ist für Sie ausgleichende Stimmlichkeit? (Ich ignoriere den Bezug auf den famosen Sir Guinness hier bewußt.) In ihrer manchmaligen Trostlosigkeit? Und am anderen Ende der Gefühlswippe wäre dann dementsprechend was? Überbordender Frohsinn? Unrealistische Einhornveichenduftpupse und überschwängliche Scheißherzchensprünge? Ja, dann ist es tatsächlich allerhöchste Zeit, die innere Mitte zu finden.

        Die Angst vor Einsamkeit und Ungeliebtsein können Sie sich nur selber nehmen, allerdings nicht Schuld und schlechtes Gewissen, denn die beiden werden Ihnen von Außen angetragen.
        ich hinterlege Ihnen die innerherzlichsten Grüße und verbleibe krachknutschend zugetan, immer die Ihre.

      2. Hmm liebe Frau K. – ich habe Angst vor Langeweile und innerem Verkümmern – und ja, ich erkenne dort eindeutig meinen Denkfehler.

        Es war halt 38 Jahre lang „normal“ so – das Einhornveilchenduftpupse und Scheißherzchenssprünge gefolgt von abgrundtiefem Moloch und versacken im Selbstmitleid-Herzschmerz-Morast… Und dann das Ganze wieder von vorn.

        Ich bin noch nicht da, dass ich sagen kann, dass ich „normal“ als normal empfinde… Ich gucke immer noch um mich rum, von wo die nächste Attacke (positiv wie negativ) kommen könnte … Einfach mal die Augen zu machen und genießen ist der nächste Schritt.

        Besser ging es mir in der Achterbahn ja nicht, aber es fühlt sich bekannter an. Ich wüsste, wie ich damit umgehe. Mit „normal“ habe ich (noch) keinen Umgang gefunden….

        Dicken Herzensdrücker zurück!

  3. Leider ist es sehr unwahrscheinlich, dass man, wenn man sich selbst zum besseren verändert, sein Umfeld wie gehabt behalten kann. Es war ja eben das passende Umfeld für sein eigenes (damals krankes) verhalten. Wegen genau so Situationen wie du schilderst, musste ich mich von Menschen verabschieden oder für eine längere Zeit abwenden. Rückblickend hätte ich mir den Energieaufwand sparen können. Loslassen, um sich selber wieder mehr zu respektieren, ist oft der bessere Weg, als das Umfeld ändern zu wollen. Auch wenn ich es noch so gut nachvollziehen kann.

      1. wenn du glücklich sein willst, ja, dann musst du 🙂 da führt nix daran vorbei. Je eher du dass wirklich erkennst, desto besser für dich. Vielleicht hilft das Folgende: Es heisst ja nicht, dass du diese Menschen für immer verlassen musst. Aber im Moment musst du loslassen. GANZ. Und dann wirst du sehen was passiert. Wenns passt, dann machen diese Menschen einen Schritt auf dich zu. Weil sie wollen. Und wenns nicht passt, drehen sie sich weg und werden auch gar nicht versuchen, dir engegen zu kommen. Denn das ist ihnen dann zu anstrengend. Das kann ernüchternd sein, ist dann aber eine grosse Lektion für dich und dann wird dir das so schnell nicht mehr passieren. Ich spreche aus Erfahrung 🙂

      2. Traurig finde ich das übrigens nicht. Im Gegenteil, es ist schön, denn entweder gibt sich jemand dann endlich Mühe und das stärkt dann die Bindung und Liebe zwischen dir und der Person. Oder du verlierst endlich einen Klotz am Bein und hast in deinem Leben ganz viel Platz für wunderbare Menschen,die dir Energie geben statt nehmen. Das ist ein grosses Glück

  4. Hi Lila, kann Dich – und ich werde es hier nicht ausführen – gut verstehen. Mich hat eine Stelle aus den Briefen von Kafka an Felice immer schon beeindruckt – auch wenn ich Jahre brauchte, es zu kapieren: „Warum Menschen ändern wollen, Felice? Ändern kann man sie nicht, höchstens in ihrem Wesen stören. Der Mensch besteht doch nicht aus Einzelheiten, so dass man jede für sich herausnehmen und durch etwas anderes ersetzen könnte. Vielmehr ist alles ein Ganzes, und ziehst du an einem Ende, zuckt auch gegen deinen Willen das andere.“
    Es gab / gibt in meinem Leben Menschen, die hätte ich gerne an meiner Seite – aber es klappt einfach nicht. Denn: ich müsste sie ändern also stören, oder ich müsste mich ändern, also stören. Und das ist – egal für wen – nicht gut.
    Klingt jetzt vielleicht auch sehr … was weiß ich. Wenn ich nicht ganz schlecht drauf bin, dann kann ich auch „Danke“ sagen, dass ich nicht nur die Gelegenheit hatte, solche Menschen zu sehen, sondern auch „Danke“ zu mir, weil ich kapiere, dass es im Moment (!!!) nicht mit diesen Menschen funktioniert.
    Bleib bei Dir – und Du wirst finden.

    1. Kafka war schon ein kluger Kopf… auf seine Art… 🙂

      Das Bildnis macht schon Sinn und ja, vielleicht gehört auch die Akzeptanz dazu, dass es nur der Moment ist, der nicht passt – auch weil man selbst grade nicht passt.

      Aber das ist wie – nein es ist – unerwiderte Liebe… Man möchte so gerne, dass der andere sich eben nicht gestört fühlt, sondern vielleicht verbessert, optimiert … repariert?

      Wenn (und ich mache das ja regelmäßig) ich analysiere, woher dieser Wunsch herkommt und diese Bissigkeit an Menschen festzuhalten, die vielleicht nicht passen (vllt. auch nur im Moment), dann sehe ich da noch einen langen Weg vor mir. Und der erste Schritt ist schon so traurig – weil Abschied nehmen und Verlust betrauern keine allzu spaßige Angelegenheit ist… Aber auch das muss ich wohl lernen, woll? 🙂

      Danke Dir für Deinen Kommentar!

      1. Ich würde sagen, ja, das gilt es zu lernen. Aber im loslassen, macht sich anderes möglich.

  5. Hach,
    wie ich Sie verstehe 😉 Loslassen, das ist nie einfach – also für mich zumindest. Am liebsten würd ich ja alles und jeden umarmen und in „meine Gute Runde“ aufnehmen. Oder so.

    Geht aber nicht. Menschen sind nunmal verschieden – Gott sei Dank. Das macht es interessant, bedeutet aber auch, dass jeder Grenzen hat. Und sich viele innerhalb dieser (Toleranz-)Grenzen befinden. Aber eben auch eininge außerhalb.

    Stellen Sie sich das doch mal so vor:
    jeder hat einen gleichgroßen (Toleranz-)Kreis um sich rum. Und je mehr da drin sind, desto ungemütlicher wird es doch für alle …
    Ergo: der Gemütlichkeit wegen begrenzen. Es heißt ja nicht, dass man sich ab und an bewegen kann und dadurch neue Schnittmengen erzielt. Auf der einen Seite kommen dann neue Leute dazu, auf der anderen Seite fallen sie raus.

    Irgendwie ist es immer wieder interessant, hier zu lesen. Eigentlich wollte ich was ganz anderes posten, doch dann kam mir dieses Bild in den Sinn. Macht Sinn. Und bringt sie hoffentlich nicht nur irgendwo hin, sondern Ihrem Ziel näher 😉

    Irgendwie witzig. Bin immer noch ganz hingerissen.

    1. Und irgendwie gut erklärt! Bildliche Dinge machen mir das Verständnis immer einfacher … Im Kopf wandel ich Männer immernoch in Schildkröten um und habe seit dem viel mehr Verständnis für deren Verhaltensweisen 🙂

      „Der Gemütlichkeit wegen begrenzen“ gefällt mir ausgesprochen gut…

      1. Schildkröten? Ooooommm.
        Es gab da mal eine Schildkröte – und obenauf war dann auch irgendwie die Scheibe, also die Scheibenwelt …

        Was sind Schildkröten kräftig. Und alt werden sie auch noch! 😉
        Ich bin stolz, eine Schildkröte zu sein!
        Oder so.

  6. Dein Talent, die Menschen in den Fokus zu rücken, die sehr selbstbezogen, uninteressiert und/oder narzißtisch sind ist eindrucksvoll. Diese Erfahrungen nähren deinen Schmerz, der, wie wir Mitlesenden wissen, für dich ja einen Genuss darstellt.

    1. Naja, aber die Frage, die ich mir stelle – bei beiden Schmerzsorten – ist, ob das langfristig gut für mich ist? Und damit wirklich ein Genuss? Oder verfolge ich einen anderen Zweck damit? Ist z.B. das Aushalten von Schmerz der Preis, den ich für Aufmerksamkeit bereit bin zu zahlen? Weil ich denke/fühle, keinen anderen Wert als DIESEN zu haben?

      Nicht ohne Grund gibt es auf diesem Blog seit hmm einem Jahr (?) keine realen SM-Geschichten mehr. 🙂

      Ich sehe da für mich schon einen Zusammenhang und momentan keinen, den ich gesund finde…

      Und ja, das Talent habe ich eindeutig und den Drang auch… Aber gut ist es nicht für mich und daher ändere ich das. Aber 30 Jahre vs. 1 Jahr Therapie dauert und da kommt mir meine Ungeduld noch in die Quere… 🙂

      Daher: Ja, Deine Beobachtung ist spot on… aber ich möchte das nicht mehr. Nur weiß ich manchmal noch nicht wie… 🙂

      1. Man kann nicht nicht, man kann nur was anderes machen. Z.B. sich darauf konzentrieren, den positiven, annehmenden, interessierten Menschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das Energielevel bleibt ja immer gleich, wenn du das eine verstärkst, wird das andere automatisch weniger.

      2. Das ist korrekt. Wie ich mit meiner Besten gestern abend feststellte – Qualität über Quantität.

        Und wie heisst es so schön? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt…

        Der Drang möglichst VIELE Menschen um mich zu haben und das als ein Wertigkeits-Index für meine Person zu verstehen, der bringt mich jedesmal in vertrixte Situationen, aus denen ich nur mit verletzten Gefühlen, Stolz und Ego wieder rauskomme.

        Es wäre hilfreich, wenn ich mich gar nicht erst in diese Situationen bringen würde, wenn ich doch weiß, dass ich mit Distanz und Abschied und Verlust ein Riesenproblem habe… 🙂

        Ich weiß, daß es sich hier manchmal nicht so liest – aber ich mache selbst da durchaus Fortschritte 🙂

      3. Nachdem du dein allzeit williges Leben zugunsten von Selbstreflexion und Wachstum aufgegeben hast, bist du viel authentischer und mir persönlich wesentlich sympathischer. Man muss nicht von allen gemocht werden, nur von den Richtigen, zum Beispiel mir. ; )

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