Status – Donnerstag ist der neue Freitag (2)

Status – Donnerstag ist der neue Freitag (2)

Messehirn … Kennt das jemand? Ein bißchen Rauschen, ein Riesenbedarf an Ruhe und eine allgemeine stoische (oder abgestumpfte?) Haltung.

Seit knapp 20 Jahren fahre ich auf diese Messe, wie ein Klassentreffen finden sich dort wirklich lustige und nette Menschen – Gastronomie halt 🙂

Mein Aufgabenbereich lässt mir die Freiheit von allem ein bißchen aber von nichts im Übermaß betroffen zu sein. Kurz: Es war schön, sehr schön.

****************

Montag hat mein Vater mir eine SMS geschrieben. Es ist schwierig zu erklären, warum mich das so ärgert. Es ist eine Frage von Respekt – Respekt vor meinen Wünschen und Bedürfnissen. Ich habe mehrfach klar (!!!) kommuniziert, dass ich gerade keinen Kontakt wünsche. Sein Wunsch nach Kontakt trumpft demzufolge meinen nach keinem Kontakt. Ist klar, ne?
Also wird nun der Brief geschrieben, alles andere führt zu einem Telefonat oder Treffen und das möchte ich nicht. Ich kenne diese Treffen und Gespräche – ich habe sie schon mehrfach erlebt und geführt. Die sind nicht schön. Die tun mir nicht gut. Die sind alleine für seinen Benefit. Nope, nope, nope.

*****************

Faszinierend wieviel Zeit Menschen/Männer damit verbringen können, keine Zeit zu haben und dann munter durch die Gegend zu flirten und zu kommentieren. Wie leicht dieses Spiel nach Aufmerksamkeit mit mir gespielt wird. Da reicht eine SMS mit „Lilaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“ und ich reagiere sofort. Daran muss ich echt noch arbeiten. Immerhin bin ich mittlerweile soweit hinterher klare Ansagen zu sowas machen zu können. Mit dem Umarmer habe ich ein langes Telefonat geführt, wo er mir – ähnlich wieder Leinenmann und der junge Schwan – erklärte, wie toll er die Freundschaften fände, wo man sich Wochen- und Monatelang nicht melden müsse und trotzdem wäre dann, wenn man sich sehen würde, immer alles suuuuuuuuuuuuuuuuper. Man bräuchte dieses Ganze „Über sich selbst reden, von sich erzählen, sich auf dem Laufenden halten“ gar nicht. Zeitverschwendung. Ist doch alles super? Wo denn mein Problem sei?
Ganz einfach: Ich find‘ das kacke. Mir reicht das nicht.
Und ja, das ist mein Problem.

Wenn ich mich, wie beim Leinenmann, mit einem Menschen umgebe, dem es scheißegal ist, ob er mich mit Worten und Taten verletzt, dann bin ich da selbst schuld, weil ich immer noch da bin.
Meiner Logik nach kann man sich für jede Verletzung entschuldigen – ich würde das tun – auch wenn man im ersten Moment nicht einsieht und versteht, warum der andere verletzt ist. Aber wenn die Verletzung geschehen ist, sollte ich mich damit beschäftigen. Joh. Nö, ne? Das wird dann verbucht unter „Die hat wieder ihre 3 Minuten“.
Jupps. Die 3 Minuten dauern jetzt schon 1,5 Wochen und gehen weiter.
Ich hasse das. Ich hasse es abgrundtief, dass ich von Menschen gezwungen werde hart zu sein. Mich selbst zu schützen. Unverbindlich und – in meinen Augen – herz- und seelenlos zu sein. Der Leinenmann zwingt mich dazu, eine neue Maske aufzusetzen. Ich kann nicht „ICH“ sein. Mein wahres Ich macht er permanent kaputt. Er ist ein Egoist. Ich kann mich anpassen oder es sein lassen, so oder so verliere ich. Ich finde das zum Kotzen.
Auch weil ich weiss, dass es ihn nicht juckt. Ihm fehlt genau – NICHTS.

Die Erkenntnis ist bitter. Aber je mehr sie schmerzt umso mehr werde ich angetrieben, mich zu schützen und zu gehen.

Dann bin ich nicht mehr die, die nachts betrunken angerufen wird. Oder jemanden aus einer Klemme befreit und sich den ganzen Seelenmüll nachts um 2 Uhr ins Telefon gelallt anhört. Dann bin ich nicht mehr die, die die Tränen trocknet. Warum? Weil es umgekehrt nicht funktionieren würde.
Keiner wäre DIESER Mensch für mich. DAS ist absolut ausser Frage. KEINER von denen würde den Telefonhörer in die Hand nehmen um nach 2 Wochen Stille mal zu hören wie es mir geht.
Keiner von denen schreibt mir letzten Freitag eine SMS mit „Toi, Toi, Toi, hoffe es läuft alles glatt“. Keiner von denen denkt weiter als seine eigene Nasenspitze und sein eigenes Wohlbefinden.
Mit dieser Aussage habe ich 2 von 3 Männern konfrontiert. Die eine, etwas ältere Seite, hat sich eine Nacht Schlafen erbeten, weil das ziemlich viel war. War aber auch dankbar für das Feedback. Die jüngere Seite ist nun am Boden zerstört und hat Schuldgefühle und möchte ganz viel, ganz schnell gut machen. Denkt ich bin böse und sauer. Bin ich nicht. Aber ich werde das nicht mehr mit mir machen lassen.
„Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me“

Ich höre es schon „Du gehst von Dir aus. Ich denke an sowas gar nicht- bei KEINEM. Das ist ist bei XY nicht anders. Du willst, dass ich anders denke“.
A) Ich bin nicht X und Y. Wenn die damit zufrieden sind, fine.
B) Ich muss auch anders denken. Ich muss permanent denken, was Eure Handlungen bedeuten und aussagen sollen. Weil ihr nicht sagt, was ihr denkt oder fühlt. Weil ich es „lesen können“ muss. Weil ich interpretieren muss. Ich frage mich, ob Eure Frauen/Freundinnen von Euch hören, dass ihr sie liebt. Oder ob ihr davon ausgeht, dass die das schon wissen. Und dann muss man das ja nicht sagen oder zeigen. Klar, ne?
Sprache und Kommunikation haben durchaus einen heilenden Effekt. Genauso wie sie verletzen können, können sie in sekundenschnelle Wunden heilen. Warum sagen sich Millionen Menschen, dass sie sich lieben? Warum ist es für Kinder und deren Entwicklung so wichtig auch zu hören, dass sie geliebt werden? An den Männern in meinem Leben ist diese Erkenntnis wohl im Eiltempo vorbeigerauscht. Es ist unheimlich bequem und es funktioniert ja. Egoismus pur. Bloß nichts an sich in Frage stellen oder ändern müssen. Ich kann das noch einsehen, wenn es um erwachsene Menschen geht. Ich kann nur hoffen, dass es bei den eigenen Kindern anders gemacht wird. Kinderseelen sind eine Lotterie. Kein Elternteil kann vorher wissen, welche Taten und Aussagen im Kind etwas kaputt machen, auslösen oder vielleicht auch Gutes fördern. Es ist ein Minenfeld. Nach bestem Wissen und Gewissen. Auch deswegen entblöße ich mich immer wieder. Ich will klar machen, wie früh Verhalten wahrgenommen und interpretiert wird. Wie groß die kleinsten Handlungen und Aussagen im Kinderverständnis werden können. Aber: Ich verschwende meine Zeit. Und Energie. Und es ist so schade, dass meine Energie in Menschen geflossen ist, die es einfach nicht wertschätzen. Die mich nicht wertschätzen. Die einfach nicht aus ihrer Haut rauskönnen. Schade. Aber ich kann auch nicht mehr.

=> Ich gebe auf.

Diese Menschen, ich gebe auf bzw. habe sie schon aufgegeben.
Es ist zu anstrengend. Und es gibt keinen wirklichen Mehrwert mehr für mich. Um mich wertlos zu fühlen, habe ich schon meine Familie. Von der kann ich mich nur bedingt lossagen. Aber meine Freunde? Die suche ich mir aus. Und jemand, der einfach keinen Zentimeter beweglich ist und stur und egoistisch auf SEINEM Weltbild und SEINER Ansicht stehen bleibt? Den brauche ich nicht. Den möchte ich auch nicht.

Mir tut das weh. Auch das Wissen, dass es nur mir weh tut.

Meine Beste und ich haben gestern lange telefoniert. Wir sind uns da sehr ähnlich. Wir haben das mal so für uns definiert: Der Preis dafür Empathisch und Sozialkompetent zu sein, ist, dass wir keinen Arschlochfilter haben. Und es sehr lange dauert, bis wir Arschlöcher und Energiefresser und Egoisten wieder vor die Tür setzen. Und selbst wenn wir das tun, dann verstehen wir, warum die Arschlöcher Arschlöcher und die Egoisten Egoisten sind. Und wir fühlen uns trotz allem schlecht. Weil wir eigentlich keinen vor die Tür setzen wollen. Aber die meisten Menschen ändern sich nicht. Und weil wir es können – uns ändern – müssen wir das in diesen Fällen eben tun. Auch wenn wir es nicht möchten. Wenn wir von einer Welt träumen, wo sich alle lieb haben und den anderen respektieren. Wo „Entschuldigung“ gesagt wird oder „Ich find Dich toll, ich mag Dich“. Wo jeder lernwillig ist und sowohl seine als auch Grenzen anderer respektiert. Zuckerwatte und Einhornpupse, die nach Vanille duften… (Liebe Frau K., der war für Sie 🙂 )

/rant over

Liebe Leser, ich weiß, ich trete manchmal auf der Stelle und oft genug erleide ich Rückfälle in alte Verhaltensmuster.
Ich würde mir auch wünschen, dass ich mal andere Themen habe. Ich sehe immerhin schon ein paar am Horizont… Da hinten… 🙂
Es wird, ich bin mir sicher. Es fühlt sich besser an und das ist für mich die Hauptsache. Deswegen gerne und immer wieder die Auskotzerei hier. Lasse ich es hier, trage ich es nicht mit mir herum. Ganz einfach 🙂
Ballast abwerfen. Macht das Leben leichter.

Dies ist der Freitagspost bereits am Donnerstag 😉

Ein schönes Wochenende!

Lila

21 Gedanken zu “Status – Donnerstag ist der neue Freitag (2)

    1. Ich denke ja, dass ich schon begonnen habe mit dem Weg. Doch, habe ich. 🙂
      Vor den Steinen habe ich keine Angst, mir ist klar, dass ich ab und an abrutschen. Ein paar Schürfwunden wird es wohl geben. Aber das Licht ist das Ziel.

    1. Hallo werter Sir (Ich habe noch so Nachwehen von gestern abend… orrrr, was habe ich mich geärgert…)
      Ich freue mich, dass Du das auch so siehst. Es fühlt sich auf jeden Fall so an.
      Wenn ich es jetzt noch schaffe, die Wut wegen der Fehler nicht nach innen zu richten sondern nach außen … dann wirds richtig gut… (hoffe ich *g*)

      1. Die Messe ist für mich seit Dienstag nacht vorbei, Therapie war Mittwoch abend. Aber generell bin ich mit einem Elefantenhirn gesegnet/verflucht und Gedanken drehen ja sehr gerne Extrarunden in meinem Kopf. Gottseidank endet das nicht mehr in Selbst-Disputen mit imaginären Partnern, was meist in Tränen und schlaflosen Nächsten beinhaltet, sondern nur noch in kurze Augenblicke, wo ich Gedanken vor- und umformuliere. Daran merke ich immer, wie gut es mir tut, zu bloggen 🙂

        Und das Schöne an Event-Regie ist, dass ich in einer abgedunkelten Dolmetscherkabine sitze, mit den vertrauten Technikern per Handzeichen arbeiten kann und während den Vorträgen in Ruhe Gedanken festhalten oder arbeiten kann 🙂

  1. Einsicht ist der erste Schritt … oder der zweite … oder der dritte … vollkommen egal – Hauptsache ist, dass du läufst! 🙂

  2. Uh,
    wird das jetzt zur Gewohnheit mit dem Donnerstag? 😉

    Ich kann gunness44 da nur zustimmen – Sie machen mehr, und Sie machen es schneller. Und mögen es die gleichen Fehler/Verhaltensmuster sein, Sie erkennen es. Und Sie erkennen, dass an der Stelle eine Änderung notwendig ist – und haben meist auch schon eine parat. So à la, hier haben wir uns vorhin shcon hin verfahren, dann müssen wir da hinten an der Ecke nächstes Mal rechts und nicht links abbiegen. Oder so.

    Einhornpupse, die nach Vanille duften? Oha, was soll ich mir jetzt bei einem Tütchen Vanillin-Zucker nur vorstellen o.O ? Aber die Weltbeschreibung finde ich auch schön – hätte ich auch gerne so. Würde viele blöde Dinge überflüssig machen …

    1. Hehe 🙂
      Nein, nur in Ausnahmefällen. Morgen wird ein kurzer Tag an der Tippstation und der Schreibtisch ist mit anderen Sachen gut gefüllt. 🙂

      Ich hege die Hoffnung, dass Ihre und Sir Guinness‘ Beobachtung richtig sind. Bin guter Hoffnung demnächst ohne Umwege klar zu kommen.

      Na dass ein kleines Baby-Einhorn in die Zuckertüte gepupst hat, bevor diese verschlossen wurde, ist doch klar? 🙂

      1. Pardöngsche für die Einmischung, aber Regenbögen sind doch Einhornpupse! Halt nicht nur die aus Veilchenrosenwasservanilleorangendüften, sondern die eher, ähem, sichtbaren Bestandes, wenn Sie verstehen, was ich meine…

  3. Mein Gefühl meint auch, dass du dich gleichmäßiger, selbstwahrnehmender und orientierter fortbewegst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich durch die Therapien als Unterstützung ein hilfreiches Frühwarnsystem eingeprägt hat, das mir signalisiert wenn ich in bestimmte Verhaltensmuster, schädliche Strukturen zurückverfalle. Mir scheint, du bist dabei diesen Prozess zu verinnerlichen und lässt dir den nötigen Raum für Entwicklungen, Selbstreflektion, leistest viel positive Arbeit an dir selbst und weißt, dass es nicht schlimm ist, wenn du mal zeitweise in ein Loch fällst oder drei Schritte nach hinten machst.

  4. ‚…Aber die meisten Menschen ändern sich nicht…‘

    ‚…Es wird, ich bin mir sicher. Es fühlt sich besser an und das ist für mich die Hauptsache. Deswegen gerne und immer wieder die Auskotzerei hier. Lasse ich es hier, trage ich es nicht mit mir herum. Ganz einfach :-)
Ballast abwerfen. Macht das Leben leichter…‘

    Die beiden Kernaussagen dieses beeindruckenden Beitrags. DAS ist die richtige Einstellung.

    Liebe Grüße

    1. Mag sein, dass es die „richtige“ Einstellung ist. Das heißt aber nicht, dass es nicht weh tut, ärgert, schmerzt und zu großen Teilen nicht meine freie Entscheidung ist. Und damit eine Einstellung, die ich lernen und annehmen muss. Ergo mich ändern muss – weil andere es nicht wollen oder können. Das ist einfach sehr schade.
      Liebe Grüße zurück

      1. Liebste Lila, gleich noch eine Einmischung an dieser Stelle: Sie müssen sich nicht ändern, Sie müssen es nur wollen! Natürlich tut das weh, natürlich verletzt das, aber Sie tragen ja keine Schuld an diesem Zustand. Sie verschulden sich nur Ihrem eigenem Wesen gegenüber, wenn Sie nicht wirklich Sie sein wollen.
        Ich habe Ihren Eintrag mit einem Stirnrunzeln zu lesen begonnen, das flugs einem warmen Lächeln wich. Und in den Kommentaren einem gewissen Stolz auf Sie Platz machte. Sie führen Eventregie, Ihnen reichen Handzeichen für die Kommunikation mit Technikern… Wow! Meinen größten Respekt! Gepaart mit der Zuneigung, die ich Ihnen gegenüber empfinde, ergibt das ein Gutgefühl allererster Sahne. Nein, nicht Sahni, damals waren wir jung und huldigten fehl…

        Zugetane Grüße, immer die Ihre.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.