Emotionslos?

Emotionslos?

Vor gut einem Jahr noch hätte ich mich als totalen Emotio-Frickel bezeichnet. Absolut „in touch“ mit meinen Gefühle, authentisch, reflektiert. Vielleicht ZU emotional.

Es mag sein, dass ich das war/bin. Nur mittlerweile stellt sich dar, dass ich es eben auch nicht bin.

Gestolpert bin ich in den vergangenen Wochen, weil ich sowas wie „Neid“ und „Eifersucht“ empfunden habe. Davon war ich total irritiert.
Ähnlich irritiert bin ich, weil mich jemand mag… und es mir sagt. Damit komme ich nicht (gut) klar.
Ebenfalls Irritation empfinde ich, weil ich wütend und enttäuscht bin. Weil die Aussicht auf einen Neuanfang nach einer Lüge verbal (und schriftlich) gegeben wurde und einfach nichts vorwärts geht. Empörung und Wut macht sich breit, gleichzeitig bremse ich das Gefühl, weil ich es nicht legitim finde. Meine eine innere Stimme sagt dann sowas wie „Stell‘ Dich nicht so an. Kein Wunder, dass der kein Interesse zeigt, Du bist auch ECHT voll anstrengend und verlangst VIEL ZU VIEL. Das steht Dir nicht zu“

Auf all‘ diesen Ebenen stellt mir meine Therapeutin immer erstmal eine Frage: WAS empfinden Sie?

Nunja, in manchen Fällen bin ich verletzt… oder wie oben beschrieben neidisch… oder happy … Soweit so gut. Ich kann die Emotionen benennen. Aber ich lasse sie nicht zu. Ich hätte jetzt eigentlich gesagt „Ich empfinde sie nicht“ – so ganz stimmt das nicht, denn ich empfinde sie ja aber ich unterdrücke das sofort wieder. Denn wenn ich sie zulasse, muss (in meiner Logik) sofort eine Aktion, eine Konsequenz, folgen.
Also: Bin ich verletzt, dann stelle ich den Kontakt sein. Bin ich happy, muss ich gegen den Fluchtgedanken unterdrücken und die aufkommenden negativen Szenarien wegschieben. Was kann die neue Person dafür, dass ich vorher nur an Lügner und Arschlöcher Interesse gefunden habe? Oder ist es eben DOCH auch einer davon? Ich möchte einkategorisieren um mich sicher zu fühlen.

Menschen und Gefühle in Schubladen stecken, um das innere Chaos zu bewältigen. Und dann schnell die Decke drüber.

Die Theorie, dass Beziehungen Schwankungen durchlaufen und Veränderungen normal sind … ist mir als (ebensolche) Theorie nicht neu. Aber ich habe sie nie gelebt oder empfunden?

Als mich im April die Lüge bzw. die Wahrheit traf, fragten mich viele (fragen mich im Freundeskreis noch heute), warum ich nicht mehr Empörung aufbringe… warum ich noch Kontakt habe… Ja sogar mich bemühe, dass es wieder besser wird. Ich repariere etwas, was ich nicht kaputt gemacht habe – und das alleine … seit April. Es hat viele Stunden gebraucht, bis ich sagen konnte: Das verletzt mich. Das macht mich extrem traurig. Es bricht mir das Herz, es bricht mich. Mein großes Herz? Meine (große) Geste? Egal. Und das Schlimme?
Es ist eben normal. Für mich ist das normal.
Es ist normal, dass man mich verletzt. Das tut zwar weh, aber weitere eben nichts. Ich mag‘ weinen. Aber weiter eben nichts. In meinem Kopf ist das tatsächlich Normalität. Ich gehe von NICHTS anderem aus. Deswegen bin ich nicht empört oder breche den Kontakt ab, sondern sage „Ja nun, ist halt passiert – Schwamm drüber“. Und der Schwamm wischt drüber und die andere Person macht weiter wie bisher. Die Konsequenz zu gehen? Finde ich weiterhin unattraktiv. Weil ich weiss, dass ich nicht aufgehalten würde.

Alles (bei mir) basiert auf Angst. Die Angst unbedeutend zu sein. Die Angst zu verlieren. Die Angst, die Wahrheit zu hören.

Als Kind/Jugendliche fing das schon an und ich habe mich daran gewöhnt. Ich habe mich an Verletzungen und Schmerzen gewöhnt. Sie gehören zur Normalität. Ich erinnere mich an Gespräche, wo ich meinem Bruder etwas neidete oder eifersüchtig war… Ich bekam oft zu hören „Stell‘ Dich nicht so an.“ oder „Es gibt keine kleine-Geschwister-Geschenke mehr – Du bist jetzt zu alt für sowas“ oder er bekam einfach Dinge wie einen Tanzkurs ohne Bedingung… Bei mir gab es den Tanzkurs nicht, weil ich nicht bereit war 10KG abzunehmen.

Diese Gefühlstaubheit erklärt, warum ich diese Begeisterungsfähigkeit in mir habe – für Menschen und Dinge – weil es kurzzeitige Glücksseligkeit versprechen und liefern. Weil ich DAS zulassen kann.
Schwierig wird bei Menschen die Begeisterung erst nach einer gewissen Zeit. Wenn ich merke, dass alles im Ungleichgewicht ist. Wenn ich mehr gebe als ich bekomme.
(Und da ist sie wieder, die Stimme: DU HAST KEIN RECHT! Du darfst nicht fordern, nichts erwarten. DEIN PROBLEM. Sieh‘ zu, wie Du damit klar kommst. Mach Dein Problem nicht zu meinem Problem.)

Ich mache Fortschritte, aber sie irritieren mich… Wie soll man mit diesen ganzen Gefühlen klarkommen? Crazy Shit.

Ich grübel mal weiter… mein Cat-Content? Koalas und Quokkas… Bringen mich immer zum Grinsen 🙂
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9 Gedanken zu “Emotionslos?

  1. Und wenn Du diese „Irritationen“ als ‚Abenteuer‘ nimmst? Sie mal unvoreingenommen antastetst, ausprobierst – und nicht gleich mit Deinen Ängsten / Gegenreaktionen überschüttest und ihnen so jede Chance nimmst, anderes zu beweisen? An einer kleinen Stelle mal probieren?

    1. Probiere ich gerade, siehe dem Glücksgefühl eine Chance geben. Ich muss auch anfange, dass ich mir die Gefühle einfach zugestehe. Ich darf durchaus verletzt, sauer, beleidigt, neidisch, eifersüchtig und glücklich sein … das ist okay. Ohne wenn und aber.
      Sage ich mir zumindest, wenn die Stimme zu penetrant wird, die mir das verbieten will. Wann das in Kopf und Herz ankommt? Hmm 🙂

    1. Ich finde das überaus traurig… erstmal. Aber anstelle all‘ das schlechte und verpasste und „falsche“ zu sehen, sehe ich es als Chance. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Ich habe jetzt die Chance es anders zu machen. Insofern bin ich auch hoffnungsvoll… und neugierig.

  2. Hm. So langsam erkenne ich – ein bisschen mehr zumindest. Was nicht bedeutet, dass es das für dich besser macht …

    ‚… Aussicht auf einen Neuanfang nach einer Lüge verbal (und schriftlich) gegeben wurde und einfach nichts vorwärts geht …‘.

    Ich überlege, wie ich diesen Neuanfang geschildert habe.

    Aus meiner Sicht bedeutete es ‚weiter miteinander umgehen, ohne Lüge‘. Ich bin immer noch der Auffassung, dass dieses ‚weiter miteinander umgehen‘ ausschließlich guter Wille deinerseits ist, weil ich glaube, dass – egal was ich tue – nur du dazu in der Lage bist mir künftig zu glauben (oder eben nicht). Abgesehen davon, dass du dich ja weiter mit einem Lügner abgibst, obwohl seine Lüge aufgeflogen ist.

    Insofern fällt es mir auch nach wie vor schwer zu erkennen, was ich aktiv zum ‚vorwärtsgehen‘ beitragen kann – außer weiter ich selbst zu sein, ‚… weiter wie bisher.‘ (aber eben ohne die Lüge!).

    Ich weiß, dass das Entscheidungen auf dich abwälzt … das ist eine der Bürden, die meine Lüge dir aufgehalst hat. Und das tut mir auch nicht weniger Leid.

    1. Naja … Das kann man sicher so sehen, ist ja auch sehr bequem. Kann man ein wenig betroffen gucken und mit den Schultern zucken, weil man ja nix machen kann 🙂
      Was nicht heißt, dass ich Dir nicht glaube, dass es Dir leid tut. Aber – es ist halt bequem 🙂

      Gibt sicher noch andere Möglichkeiten. Unbequemere Lösungen. Es gibt immer Dinge, die man sagen und tun kann, um dem anderen in so einem Prozess zu helfen.

      Das sind aber eigentlich tatsächlich eher Themen für private Unterhaltungen… Sonst wird das hier noch ein „He said – she Said“ 🙂

      1. Ich mache nicht aus Bequemwlichkeit nichts – ich erkenne nicht, was ich tun könnte, damit du [mehr] Vertrauen darin hast, dass diese Lüge ‚die Eine‘ war. Denn der Vertrauensverlust basiert ja darauf … war das die einzige Lüge? Erzählt er künftig keine mehr?

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