Aufbruch

Aufbruch

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Es ist Zeit eine neue Seite aufzuschlagen.

Gestern, als ich durch die frische Herbstluft nach Hause stapfte – zornig, wütend, Rachepläne schmiedend – blieb ich im Park am Brunnen stehen und dachte mir: Ne, möchte ich nicht mehr. (Erkenntnis 1)

Das ist mir einfach zu doof und zu anstrengend. Ich habe genug Baustellen, die nun WIRKLICH meine Kraft und Energie bedürfen, damit ich weiterkomme. Mich über 2-3 alberne XY-Chromosom-Träger aufregen und das über so eine lange Zeit? Wirklich nicht. Am ehesten hilft immer die Frage, was ich einer Freundin raten würde, die mir „meine“ Geschichte erzählen würde.
Ja, es stimmt, man kann gegen Gefühle erstmal nichts machen. Sie sind da. Und ich bin froh, dass sie da sind, auch wenn ich es anstrengend finde. Aber sie sind authentisch und sie sind MEINE Gefühle, die ich jahrelang nicht gefühlt habe. Ich bin vielleicht analytisch und strategisch, wie mir in letzter Zeit immer mal gerne zurück gespielt wird, aber immer noch ein Emotionsfrickel 🙂 D.h. den Aus-Knopf der Rationalisten habe ich nicht und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn haben wollen würde.
Aber nur, weil ich Gefühle nun endlich „komplett“ empfinden kann, muss ich ihnen nicht den Raum geben, mein Leben zu bestimmen und ebendieses zu verquirlen.

Erkenntnis 2: Es wird keinen „Endpunkt“ der Therapie geben. Ich werde nicht irgendwann morgens aufwachen und sagen: HEY! Geheilt! Für immer und ewig.
Depression und meine persönlichen Trigger werden immer ein Thema sein. Ich habe und werde weiterhin lernen, damit besser umzugehen. Aber eine Garantie, dass es NIE wieder einen neuen Schub geben wird, wenn ich allen Triggern aus dem Weg gehe? Wird es nicht geben. Kann mir keiner geben, schon gar nicht ich selbst.

Erkenntnis 3: Das Leben ist zu kurz und auch meine Lebenszeit bleibt nicht stehen. Ich kann mich nicht vor Schaden bewahren, in dem ich in den bekannten Umfeldern bleibe. Weil ich meine dort die Verletzungen und Enttäuschungen zu kennen. Denn, wenn ich es mir genau anschaue, stimmt das ja nicht. Ich war im gewohnten Umfeld als/während ich von Manuel belogen wurde. Ich war/bin im gewohnten Umfeld als ich eine alte Flamme aufgewärmt habe. Ich war in einem gewohnten Umfeld als der Umarmer mich mehrfach hat sitzen lassen. Ob ich nun im alten oder in einem neuen Umfeld, von mir bekannten oder mir nicht bekannten Menschen verletzt werde, kann ich nicht vorhersehen. Ich kann mich schützen. Aber auch das muss ich im alten wie in einem neuen Umfeld machen. ICH muss es machen.

Mit den drei (nun wirklich nicht weltbewegenden) Feststellungen fand ein kleiner Arschtritt für mich mich selbst statt.

Was ich beim Training und der Ernährung geschafft habe, schaffe ich ja wohl auch bei anderen Dingen. Einfach mal anfangen, vom sitzen bleiben hat sich noch nie was geändert.

Also mache ich das wohl ma, was?

Damit mein Leben und mein Bett künftig positiv aufge- und verwühlt sind und nicht, weil ich weine und mich gräme.

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11 Gedanken zu “Aufbruch

  1. Dann mach ma‘! Denn wenn man der Realität ins Auge schaut, gibt es dennoch eine Menge wundervoller Dinge, die man tun (und lassen) kann, anstatt sich mit Windmühlen abzukämpfen, die man nur selber sieht. Hör auf Dein Bauch, dann weißte schon recht gut, wo es lang geht (und wo, wie Depression, sich was zusammenzieht). Und die eigenen Arschtritte sind eh die besten, denn die sitzen immer quasi perfekt.

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