Lese- und Zahlenfetzen zum Seitenspringen und meine eigenen zwei Cent

Lese- und Zahlenfetzen zum Seitenspringen und meine eigenen zwei Cent

Letzten Samstag auf dem Balkon, Urlaubsstapel Zeitschriften, Gedanken am Weglaufen, immer an blöde Orte, Gespräche mit Fragen, die ich nicht wirklich beantworten will oder kann und wenn ich will oder kann, dann sind diese Antworten mit Folgetaten verbunden … Wer A sagt und so … Wieso keiner in meinem Leben mal Wegweiser für mich aufstellt? Und wieso habe ich diesen Magnetismus für die falschen Männer? Und wieso die Blindheit für die Richtigen? Und wieso sind, wenn ich die Richtigen mal sehe UND gut finde, die Umstände einfach gegen mich?

In solche ein Gedankenkarussell flogen diverse Artikel über Beziehungen, die Gedanken über „offene“ Beziehungen noch im Hinterkopf, Sir Alec’s Frage nach Zahlen: Laut einer Studie der Universität Göttingen geht jeder zweite Partner fremd.

Soweit ich herausfinden konnte, ist die Studie nicht die aktuellste Sache dieser Welt, aber ob sich da die Zahlen wirklich so verändern?  Und dass die Zahl so hoch sein könnte, hat mich schon ein wenig erschreckt.

Ich bin ja bekennender Beziehungs-Skeptiker…. Man nennt mich auch gerne mal Fatalistin … Ich persönlich würde mich als Realistin mit einem gesunden Part Optimismus nennen. Es ist ja nicht so, dass ich es immer wünsche, dass Beziehungen scheitern … Im Gegenteil … Bei jedem neuen Paar, bei jeder neuen Liebe hoffe und wünsche ich, dass es für immer ist! Und für immer glücklich! Wirklich…Eigentlich bin ich die schlimmste Romantikerin wo gibt… Aber allein mir fehlt der Glaube 🙂

Woran also liegt es, dass soviele verpartnerte Menschen Seitensprünge suchen? Mal offen und ehrlich, mal semi-ehrlich und mal komplett verheimlicht…?

Dazu aus dem Dossier der Brigitte:

„Therapeut Ulrich Clement meint, dass Leidenschaft ermüdet, weil wir alle zwei fundamentale Bedürfnisse haben, die einander leider völlig widersprechen: Einerseits wünschen wir uns Verlässlichkeit und Sicherheit, andererseits Neuheit und Überraschungen. Es ist normal, beides zu wollen. Aber in einer Beziehung sehr schwer, beides zu bekommen. Denn dafür müssten wir denselben Menschen spannend und erregend finden, der uns Sicherheit und Vertrautheit bieten soll. Weil dieser Konflikt schwer zu lösen ist, versuchen die meisten Menschen, ihr Bedürfnis nach Abenteuer aufzugeben. Nur: Die Sehnsucht danach bleibt, selbst wenn Sie verdrängt wird.“

und

„Viele halten den Anspruch auf dauerhafte Leidenschaft für wirklichkeitsfremd, den Anspruch auf Stabilität dagegen für realistisch. Tatsächlich garantieren und weder gemeinsame Jahre noch goldene Ringe, dass der Mensch, den wir lieben, morgen, in einem Monat, in einem Jahr noch da sein wird. Laut Statistiken scheitert jede zweite bis dritte Ehe. Was macht mich so sicher, dass ausgerechnet wir zu den Glücklichen zählen werden.“

 

Klingt doch irgendwie logisch? Ich fühlte mich beim Lesen an eine Unterhaltung mit Sir Alec erinnert, wo wir unseren Bedarf nach Beziehung mit Autostrassen verglichen…. Der Autobahn mit links und rechts Leitplanken und einem geraden Weg von A nach B … Oder die Serpentinen, ohne Absicherung rechts und links, nicht wissend, was nach der nächsten Kurve kommt … wo einem schlecht wird, wenn man zu schnell fährt oder auch gerne mal abstürzen kann…

Was würde ich mir für mich wünschen und wie würde ich es beim nächsten Mal gerne besser machen? Wünsche ich mir eine offene Beziehung? Könnte ich mit der Eifersucht umgehen? Könnte er mit der Eifersucht umgehen?

Die Fälle offener Beziehung, die mir bis jetzt untergekommen sind, waren alle in meinen Augen keine echten. Ich hatte es in einem der letzten Blogbeiträge ja schon geschrieben: Es ist keine offene Beziehung, wenn der Partner sagt „Mach was Du willst, mit wem Du willst, ich will es nur nicht mitbekommen“. Die Probleme liegen auf der Hand: Die wenigsten Menschen können es im Alltag verstecken, wenn sie ein neues Abenteuer für sich entdeckt haben. Sei das ein neues Buch, ein neues Hobby oder ein neuer Mensch … Die Begeisterung ist allgegenwärtig. Im heutigen Zeitalter nimmt dabei die Zeit für das Messagen sicher auch zu und alleine das fällt dem Partner doch auf. Also fängt das Versteckspiel an – es wird geschrieben oder telefoniert, wenn der andere es nicht mitbekommt. Und damit kommen wir zu einer meiner Fragen von vor einem Jahr: An welchem Punkt fängt Fremdgehen denn an? Schon im Kopf? Im Zeitvolumen? Im Herz? Beim Sex? Beim Kuss?

Wenn nicht klar kommuniziert wird, wo Fremdgehen anfängt, weil der Partner nichts davon wissen will – was macht der sehnsüchtelnde Part denn dann? Und wie oft führt man diese Unterhaltung mit seinem Partner? Was zu Beginn der Beziehung vielleicht okay war, ist ein Jahr später überhaupt nicht mehr okay.

Und was ist, wenn einer von beiden permanent seine Neigungen „unterdrückt“? Klar, Kompromisse machen muss jeder, gerade in Beziehungen. Aber geht es wirklich auf Dauer gut, wenn jemand ständig diese Lust wegschiebt für den sonntäglichen Erdbeerkuchen auf der Terrasse? Versteht mich nicht falsch, das ist toll und natürlich ist es auch nicht okay, wenn einer von beiden sagt „ich will das aber und du willst es eben nicht und deswegen hol‘ ich mir das woanders – komm‘ damit klar“… Aber es muss doch noch ein Mittelding geben? Und eine Perspektive? Und eine gemeinsame Lösung oder sehe ich das zu „sexlastig“?  Ist Sex in langfristigen Beziehungen irgendwann Nebensache? Und sind sich da immer beide einig, dass dem so ist? Hier ist Kommunikation gefragt und eine gemeinsame Lösung finden… Jeder muss einen Schritt in die Mitte machen, sonst kann das meiner Meinung nach nicht klappen und dann wird der ehemals partnerschaftliche Kompromiss irgendwann zu einem eiskalten, schmerzenden Vorwurf.

Mein Fazit aus diesen Gedanken und meinen Erlebnissen: Wenn dann müssen beide Partner offen leben und auch beide Partner andere Partner haben … Und es muss darüber geredet werden, in regelmäßigen Abständen. Und selbst dann bleibt ein Restrisiko, dass es unausgeglichen bleibt und Verletzungen vorkommen … Und beide Seiten müssen sich mit den jeweiligen Vorlieben und Neigungen und Fantasien des anderen auseinandersetzen. Ein „Iiiiiih, bleib weg mit den Handschellen“ ist eben keine Lösung… (finde ich)

Im engeren Freundeskreis wird viel geheiratet und viel getrennt und es gibt Entscheidungen „nebeneinander her zu leben“ … Jede dieser Personen hat gute Gründe für die Entscheidungen, aber der Zweifel, ob man sich richtig entscheidet, bleibt … Weil es ja meist eben nicht nur um einen selber geht und oft auch gar nicht die Zügel in einer Hand alleine liegen.

Ein paar weitere Statistiken von Ragnar Beer und Theratalk

  • Eine Vorstudie ergab, dass etwa 76 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen sexuelle Unzufriedenheit in der Beziehung als Grund für den begangenen Seitensprung sahen.
  • Eine Befragung unter 3334 heterosexuellen Männern (34 %) und Frauen (66 %), deren Partner fremdgegangen waren, zeigt, dass die Betrogenen oft unter posttraumatischen Belastungsstörungen wie Depressionen, Angstattacken oder Herzrhythmusstörungen leiden. Die Studie ergab außerdem, dass ein Seitensprung nur in seltenen Fällen ein One-Night-Stand war. Über zwei Drittel der Betrogenen gaben an, dass die Affären ihrer Partner länger als einen Monat andauerten.
50 % der betrogenen Männer und 55 % der betrogenen Frauen kontrollieren, ob sie von ihrem Partner noch immer oder wieder betrogen werden …
… die Betrogenen durchsuchen die Taschen ihres Partners, durchstöbern seine Post, lesen seine E-Mails und checken sein Handy auf Telefonate und SMS
48 % der Männer und 53 % der Frauen haben die Untreue ihres Partners erahnt
58 % der Frauen, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
51 % der Männer, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
70 % der Frauen sind wütend auf die andere Frau, 68 % auch auf den eigenen Mann
70 % der Männer sind wütend auf den anderen Mann, aber nur 47 % auf ihre Partnerin“

Also für mich ziehe ich hieraus das Fazit, dass mein Bauchgefühl stimmt – Fremdgehen ist heimlich fast unmöglich 🙂

Ich klammere mal die „Unfälle“ aus, also zuviel Alkohol getrunken und One-Night-Stand z.B. Ich rede primär von den Herrschaften, die geplant untreu werden und bewusst eine Affäre suchen. Ich möchte z.B. selten wissen, warum der Mann Affären sucht… Ich möchte mir die Probleme nicht anhören, ich würde anfangen Probleme lösen zu wollen … Helfersyndrom und so

Aber sie erzählen es mir meist trotzdem und oft ist es eben die gleiche Geschichte: Sie hat nicht so oft Lust wie er, Sie mag nicht die Sachen, die er ausprobieren will … Das sind die Top Two.

Heute morgen gerade dazu gelesen, dass Liebe und damit auch Sex Zeit brauchen … Dass in unserem heutigen Alltag Liebe, Zeit für den Partner, Zeit für den Sex, kleine Rituale oft hinten herunterfallen, weil alles andere wichtiger ist und man abends bzw. morgens keine Zeit dafür hat… und irgendwann fällt es nicht mehr auf, dass es nicht mehr da ist… Weniger joggen, mehr vögeln – quasi 🙂
Datenights wieder einrichten, bewusst Zeit nehmen füreinander…
Es ist ja eigentlich so simpel und trotzdem … klappt es oft nicht…

Ich beobachte das für mich weiter, es ist ein Ding der Unmöglichkeit keinen Kontakt zu verheirateten Männern zu haben … Das steht in all meinen Profilen und auch wenn ich eine Absage erteile mit genau dieser Begründung, wird das oft nicht akzeptiert (und ja, dann liegt es an mir einfach nicht mehr zu reagieren … Das mache ich mittlerweile nach meiner Absage auch nicht mehr). Diese mangelnde Einsicht, dass am Ende ich auch ein grosser Verlierer in dem Spiel sein kann, wenn ich mich auf einen vergebenen Mann einlasse – die fehlt beim Gegenüber… Da kommt oft nur „aber ist doch meine Ehe, die ich aufs Spiel setze“ – äh, ja, nun … es ist aber auch mein Herz, im schlimmsten Fall… Denn was, wenn er mir gefällt … was, wenn ich mich in ihn verliebe? Ich werde niemals in der Lage sein etwas einzufordern, ich werde immer nur dann beachtet, wenn gerade Zeit ist und ich werde einfach niemals Priorität haben oder Nummer Eins sein … Das gilt in allem .. Es wird zuerst das Zuhause, das Sichere beschützt – wer dabei unter die Räder kommt? Egal… Am Ende höre ich dann wahrscheinlich noch einen Satz wie „Du wusstest doch, dass ich verheiratet bin“ … Also bliebe nur die Option des seelenlosen Ficks … Gibt es … Hatte und habe ich … Hat seine Daseinsberechtigung … Auf lange Sicht ist das aber eben nicht befriedigend für mich … Es dient der sexuellen Befriedigung, nicht der seelischen Geborgenheit…

Also bleibt als Fazit weiterhin die (für mich) spannende Frage: Was will ich?

 

Ich denke weiter nach… 🙂

 

Noch eine schöne Woche!

Lila

P.S.: Auch das hier aus dem Brigitte-Dossier fand ich sehr spannend und ja, ich versuche immer so schnell wie möglich die Menschen „in echt“ zu treffen *g*

Wolfgang Paetzold: „Wir müssen wieder lernen, ohne die elektronische Nabelschnur zu leben, altmodisch und sinnlich zu werden. Begehren entsteht aus Mangel, und die ständige Verfügbarkeit ist eine Form der Gefangenschaft. Es ist völlig in Ordnung digital Kontakt aufzunehmen – aber dann sollte man so schnell wie möglich die Ebenen wechseln und sich „in echt“ begegnen.“

 

 

P.P.S.: Das ist für Dich, Sir Alec 🙂

  • In Russland geht nur jeder vierte Russe fremd. Insbesondere Moskau allerdings fällt aus dem Rahmen – denn dort gehen 76% aller männlichen Einwohner fremd. Die Geliebte wird dabei als Statussymbol betrachtet. Bei den Frauen sind es wesentlich weniger, die fremdgehen. In ganz Russland sind es etwa 20% der Frauen, in Moskau etwa 40%.
  • In Italien betrügen nach eigener Aussage 67% der Männer ihre Ehefrauen. Das Forschungsinstitut Censis hat allerdings ausgewertet, dass lediglich 25% der Männer tatsächlich fremdgehen.
  • 29% der Schweizer haben außerehelichen Sex – und zwar sowohl Männer als auch Frauen
  • In Schweden gehen 38% der Männer und 23% der Frauen fremd
  • In den USA gehen lediglich 15 bis 17 Prozent fremd – und das auch noch mit schlechtem Gewissen, wie eine Studie der Forscherin Pepper Schwartz beweist. Dabei spielen Schuldgefühle und moralische und religiöse Bedenken eine wichtige Rolle.