Offene Beziehung – Offenes Ende?

Offene Beziehung – Offenes Ende?

Ich bin ja so ganz schleichend und langsam ab und an mal auf den Plattformen von „früher“ unterwegs.

Mein Bett war jetzt lange genug kalt und ich bin neugierig, wie sich das Ganze für mich verändert hat – denn das kann ich schon nach ein paar Tagen sagen: Das hat es.
Dazu aber irgendwann mal mehr.

Gleich zu Anfang bekomme ich wie früher erstmal einen Haufen Aufmerksamkeit, soll heissen Mails, Nachrichten, Penisbilder… 😉

Ich stelle weiterhin die Frage, WER Männern beibringt, dass der Schwanz ein optisch reizvoller Körperteil ist, dessen Anblick alleine ausreicht, von den (sonstigen) Qualitäten des Menschen zu überzeugen.
Mit einem Partner (jeglicher Verbindungsfestigkeit) ist das was anderes, da funktionieren Schwanzbilder durchaus, aber so vor dem ersten Hallo dann doch nicht… Also bei mir nicht 🙂

Weiterhin ist festzustellen, dass das Lesen eines Profils Glückssache oder Luxus zu sein scheint. Im Endeffekt muss ich genau das alles beantworten, was in meinem Profil steht. Ja, auch das hält ein Gespräch im Gange – ermüdet aber bei der 20sten Mail ein wenig. Spannender wären Fragen, die auf meinem Profil aufbauen oder mal Dinge ganz abseits davon. Nunja.

Zum eigentlichen Thema und zur Überschrift:

Ich kann gar nicht mehr ZÄHLEN, wie oft ich im letzten Jahr über eine „offene“ Beziehung gestolpert bin.
Und ich formuliere das bewusst so – denn am Ende des Tages ist genau das mehrfach passiert. Daher ist es nicht ratsam mir auf den diversen Portalen (ja, auch mit eindeutigem Seitensprungcharakter) zu sagen „Du, kein Problem, ich führe eine offene Beziehung“. Das ist für mich quasi der Startschuss meinen Freud-Hut aufzusetzen und da mal ein wenig nachzubohren.

Alle folgenden Fälle gingen davon aus, dass sie eine offene Beziehung führen.

Fall 1:
Mann 1 behauptete erst Single zu sein und auf weiteres Nachfragen, warum wir uns nicht bei ihm treffen können, kam raus, dass er eine Freundin hat. Da rollen sich mir ja schon die Zehennägel hoch und die Augen bis hinten in den Kopf rein. Wie dumm kann mann eigentlich sein? 😉 Das ist so eine simple und offensichtliche „Testfrage“ … Echt jetzt? 🙂
Also dann offene Beziehung,gut. Ich fragte also nach, ob er seiner Freundin denn dann von uns erzählen würde, bzw. generell von seinen Abenteuern.
Nein, sagte der junge Mann, das würde sie nicht so gut finden, aber er hätte die Erlaubnis und dürfe machen, was er wolle. Sie wolle nur nichts davon wissen.
Nun gesellt sich zu den hochgerollten Zehennägeln und den gerollten Augen im Hinterkopf noch ein dezentes Zähneknirschen meinerseits.
Wieso das denn so sei, fragte ich, in einer offenen Beziehung sei doch genau DAS der Punkt. Offenheit. Man weiss, von den Affären und den Abenteuern des Anderen. Vielleicht nicht jedes Detail und vielleicht nur das und wann, aber man weiss es.
Nunja, sagte der Mann, sie sei eben nicht so ein Fan der offenen Beziehung, er hätte aber das Bedürfnis und daher sei das so die Vereinbarung. Er dürfe machen, was er wolle, solange sie nichts davon mitbekommt.
An dieser Stelle, geneigter Leser, fliegt mein Kopf in Lichtgeschwindigkeit mehrfach auf die Tischplatte, in die sich meine Zähne gleichzeitig festbeissen wollen.

Fall 2:
Mich spricht der Mann eines mir bekannten Pärchens an. Es laufe bei ihnen nicht so, die Lust sei nicht so da (bei ihr) und er habe den Freifahrtschein für Sex ausserhalb der Beziehung erhalten und hätte da an mich gedacht.
Äh, ja… nun … Danke?!
Wir unterhielten uns eine Weile darüber, woran die Unlust aneinander wohl liege. Liebe sei nicht das Thema, davon sei genug da, versicherte er mir, aber vielleicht liegt es an der neuen Pille, am Stress…. (Man möge hier noch viele Argumente einfügen, wer möchte…).
Ich traf mich mit dem Mann – 1mal, 2mal… jedesmal berichtete er mir hinterher, dass seine Freundin gefragt habe, ob wir endlich miteinander geschlafen hätten – er seinen „Druck“ losgeworden sei. Ich befand das weiterhin als sehr seltsam, zumal uns bereits beim ersten Treffen klar war, dass wir gerne mal einen Wein miteinander trinken, aber mehr nicht.
2 Wochen später hatten die beiden sich getrennt, sie hatte schon lange eine Affäre und versuchte über die „offene Beziehung“ und den Freifahrtschein, die Trennung herbeizuführen, ihr Gewissen zu beruhigen… sowas in der Art.

Fall 3:
„Ich bin glücklich verheiratet und das soll auch so bleiben“
Öhm … ja … schön … Also … Glückwunsch … Was genau machst Du hier? 🙂
An sich ist der erste Satz ja nicht zwingend ein Gesprächsopener, der Erfolg verspricht, aber ich bin bei sowas ja immer neugierig.
Nach einiger Zeit stellte sich also heraus, dass er tendenziell eher devot ist, auch Erfahrungen hat, aber eben nicht mit seiner Frau. Die sei da eher nicht so drauf, käme damit auch nicht so klar. Sie wisse von der Neigung, aber ausleben solle er die bitte ausserhalb des ehelichen Schlafzimmer.
Er nannte das dann eine offene Beziehung, die allerdings ähnliche Vorgaben hat(te) wie Fall 1.
Er kann machen, was er will, mit wem er will, wie er will – sie will nur nichts davon wissen.
Nun stellt sich im SM-Bereich da einiges an Problematik – in meinen Augen 🙂
Ich als Domme (Switch, wir halten uns mal nicht an Begrifflichkeiten auf,ne?), darf also „an sich“ alles machen – aber nichts, was Spuren hinterlässt.
Die beste Erziehungsmethode, die Keuschheitshaltung, kann ich nicht praktizieren – es sei denn, die Ehe ist schon so marode, dass selbst die 2mal im Monat/Durchschnittficks schon gestrichen sind.
Für mich dann schon uninteressant. Das würde mir auf Dauer keinen Spaß bereiten.
Erfahrungsgemäß brauchen Sessions Zeit, auch davor und danach und dazwischen – zumindest, wenn es sich um keine Profis handelt. Ich bin kein Profi, würde aber Herren wie diesem empfehlen, seine Lust genau bei einer solchen zu befriedigen.

So!
Man mag von offener Beziehung denken, was man möchte, aber das, was diese 3 Fälle (exemplarisch für alle anderen, die mir so begegnen) als offene Beziehung bezeichnen, keine sind. Und auch „funktionierende“ offene Beziehungen in Verruf bringen. Genau diese Beispiele sind es, die Zweifel aufbringen – Argumente hervorbringen wie „Das ist doch nur eine Ausrede fürs Fremdgehen“, „Sie sagt doch nur ja, weil sie ihn nicht verlieren will“ u.s.w. – Stimmt.
In Fall 1 und 3 wurde vom Mann eine „offene“ Beziehung gelebt, die Frau nicht mitlebte. Denn würde Frau die mitleben, würde Frau informiert sein und wissen, wann ihr Mann wen flachlegt. Mann und Frau würden einen gemeinsamen Weg finden, dieses so zu kommunizieren und zu handhaben, dass es innerhalb festgelegter Regeln stattfindet und mit entsprechender gemeinsamer Aufarbeitung. Dem einen reicht es, wenn er es einfach nur weiss. Die andere will vielleicht genau wissen, wie die Affäre aussieht, wie sie bläst, ob sie Strapse trägt.
ABER am Ende des Tages kommen die Partner immer zueinander zurück. Weil DAS die bewusste Entscheidung füreinander symbolisiert. Paul Kaufmann hat dazu sehr passend geschrieben, dass man verstehen muss, dass die Rückkehr ins eheliche Bett jedesmal eine bewusste Entscheidung für den Partner, für die Beziehung, für die Liebe ist.
Dies gilt für die, die in einer monogamen Beziehung nicht glücklich, nicht erfüllt sind. Ich vermute, dass der Großteil der Bevölkerung die monogame Beziehung bevorzugt und sie lebt, sie demnach auch für sich persönlich als richtig und gut definiert. Daran möchte ich gar nicht rütteln.

Ich möchte die aufrütteln, die denken, dass sie eine Absprache zu einer offenen Beziehung geführt haben oder sich in derselbigen befinden und auf die Fall 1-3 (und andere von mir nicht aufgezählte Szenarien) zutrifft. Ihr führt keine offene Beziehung, ihr habt Seitensprünge und geht fremd. Punkt.
Auch das ist nicht verwerflich, das macht nicht nur ihr, sondern sicher Millionen anderer Menschen.
Dennoch sind die wenigstens sich selbst gegenüber ehrlich.
Der Satz „Ich führe eine offene Beziehung“ ist in den meisten Fällen ein Synonym für „Ich gehe fremd, aber beruhige mein Gewissen, weil…. “

– meine Frau ja damit okay ist und nur nichts davon wissen will
Entweder ist die Beziehung schon so kaputt, dass Eure Frau froh ist, dass sie nicht mehr mit Euch schlafen muss. Oder sie möchte eigentlich, dass ihr gar nicht den Drang habt, euch woanders etwas zu holen, was sie ja auch bereit wäre zu geben. Oder sie hat Angst, dass ihr Euch trennt, wenn sie nicht zustimmt… oder… oder … oder
Die Möglichkeiten sind endlos, helfen kann da nur ein sehr ehrliches, vielleicht schmerzhaftes Gespräch. Wenn Ihr Euch das traut. Was ihr wahrscheinlich nicht tut … Weil es SO ja viel einfacher und bequemer ist, ne? 🙂

– meine Frau meine Neigungen ja nicht teilt, kann ich ja nix für
Stimmt, kannst Du nix für. Deine Frau aber auch nicht, dass sie nicht auf Leder, Latex und einen devoten Ehemann steht.
Aber wenn die Gelüste, die Triebe, die Neigungen da sind, hilft es auch nichts, so zu tun, als wären sie nicht da. Für beide Seiten nicht.
Auch hier – es führt wahrscheinlich nichts an einem offenen Gespräch dran vorbei.
Und ja auch hier sind die Chancen, dass man auf einen gemeinsamen Nenner kommt 50/50. Ich kenne Fälle, wo sich das Paar dann trennte, keiner von beiden glücklich ist. Er verteufelt seine Neigung, die das Ende der Ehe bedeutet. Sie klagt an, dass er Sex über Liebe stellt. Ich kenne Fälle, wo der Mann seine Gelüste in den Keller geschlossen hat und darauf vertraut, dass sich einfach keine Begehrlichkeiten wecken.
Und ich kenne Fälle, wo einfach so weitergemacht wird, wie bisher.

Auch hier gibt es sicher noch viele Szenarien, auch Gründe und Motivationen, meine Quintessenz ist vielleicht einfach die (ja, wusste ich nicht wirklich, wo ich hin will, als ich den Rant angefangen habe):

Geht fremd, wenn ihr das möchtet. Aber nennt es nicht offene Beziehung und lebt mit dem schlechten Gewissen.

oder

Beginnt den harten, langen Weg zu einer offenen Beziehung. Das wird Arbeit, keine Frage. Und vielleicht klappt es auch nicht. Aber vielleicht klappt es auch.

So, Rant over… Das musste mal raus. Ich habe zu viele verlogene Beziehungen in meinem Dunstkreis. Dass ich auf den einschlägigen Plattformen auf sowas treffe, ist mir klar – interessiert mich aber nicht wirklich. Menschen in meinem Dunstkreis interessieren mich i.d.R.
Ich würde allen Beteiligten wünschen, dass sie nicht an ihren Lügen ersticken. Vorallem nicht an den Lügen vor sich selbst.

Lese- und Zahlenfetzen zum Seitenspringen und meine eigenen zwei Cent

Lese- und Zahlenfetzen zum Seitenspringen und meine eigenen zwei Cent

Letzten Samstag auf dem Balkon, Urlaubsstapel Zeitschriften, Gedanken am Weglaufen, immer an blöde Orte, Gespräche mit Fragen, die ich nicht wirklich beantworten will oder kann und wenn ich will oder kann, dann sind diese Antworten mit Folgetaten verbunden … Wer A sagt und so … Wieso keiner in meinem Leben mal Wegweiser für mich aufstellt? Und wieso habe ich diesen Magnetismus für die falschen Männer? Und wieso die Blindheit für die Richtigen? Und wieso sind, wenn ich die Richtigen mal sehe UND gut finde, die Umstände einfach gegen mich?

In solche ein Gedankenkarussell flogen diverse Artikel über Beziehungen, die Gedanken über „offene“ Beziehungen noch im Hinterkopf, Sir Alec’s Frage nach Zahlen: Laut einer Studie der Universität Göttingen geht jeder zweite Partner fremd.

Soweit ich herausfinden konnte, ist die Studie nicht die aktuellste Sache dieser Welt, aber ob sich da die Zahlen wirklich so verändern?  Und dass die Zahl so hoch sein könnte, hat mich schon ein wenig erschreckt.

Ich bin ja bekennender Beziehungs-Skeptiker…. Man nennt mich auch gerne mal Fatalistin … Ich persönlich würde mich als Realistin mit einem gesunden Part Optimismus nennen. Es ist ja nicht so, dass ich es immer wünsche, dass Beziehungen scheitern … Im Gegenteil … Bei jedem neuen Paar, bei jeder neuen Liebe hoffe und wünsche ich, dass es für immer ist! Und für immer glücklich! Wirklich…Eigentlich bin ich die schlimmste Romantikerin wo gibt… Aber allein mir fehlt der Glaube 🙂

Woran also liegt es, dass soviele verpartnerte Menschen Seitensprünge suchen? Mal offen und ehrlich, mal semi-ehrlich und mal komplett verheimlicht…?

Dazu aus dem Dossier der Brigitte:

„Therapeut Ulrich Clement meint, dass Leidenschaft ermüdet, weil wir alle zwei fundamentale Bedürfnisse haben, die einander leider völlig widersprechen: Einerseits wünschen wir uns Verlässlichkeit und Sicherheit, andererseits Neuheit und Überraschungen. Es ist normal, beides zu wollen. Aber in einer Beziehung sehr schwer, beides zu bekommen. Denn dafür müssten wir denselben Menschen spannend und erregend finden, der uns Sicherheit und Vertrautheit bieten soll. Weil dieser Konflikt schwer zu lösen ist, versuchen die meisten Menschen, ihr Bedürfnis nach Abenteuer aufzugeben. Nur: Die Sehnsucht danach bleibt, selbst wenn Sie verdrängt wird.“

und

„Viele halten den Anspruch auf dauerhafte Leidenschaft für wirklichkeitsfremd, den Anspruch auf Stabilität dagegen für realistisch. Tatsächlich garantieren und weder gemeinsame Jahre noch goldene Ringe, dass der Mensch, den wir lieben, morgen, in einem Monat, in einem Jahr noch da sein wird. Laut Statistiken scheitert jede zweite bis dritte Ehe. Was macht mich so sicher, dass ausgerechnet wir zu den Glücklichen zählen werden.“

 

Klingt doch irgendwie logisch? Ich fühlte mich beim Lesen an eine Unterhaltung mit Sir Alec erinnert, wo wir unseren Bedarf nach Beziehung mit Autostrassen verglichen…. Der Autobahn mit links und rechts Leitplanken und einem geraden Weg von A nach B … Oder die Serpentinen, ohne Absicherung rechts und links, nicht wissend, was nach der nächsten Kurve kommt … wo einem schlecht wird, wenn man zu schnell fährt oder auch gerne mal abstürzen kann…

Was würde ich mir für mich wünschen und wie würde ich es beim nächsten Mal gerne besser machen? Wünsche ich mir eine offene Beziehung? Könnte ich mit der Eifersucht umgehen? Könnte er mit der Eifersucht umgehen?

Die Fälle offener Beziehung, die mir bis jetzt untergekommen sind, waren alle in meinen Augen keine echten. Ich hatte es in einem der letzten Blogbeiträge ja schon geschrieben: Es ist keine offene Beziehung, wenn der Partner sagt „Mach was Du willst, mit wem Du willst, ich will es nur nicht mitbekommen“. Die Probleme liegen auf der Hand: Die wenigsten Menschen können es im Alltag verstecken, wenn sie ein neues Abenteuer für sich entdeckt haben. Sei das ein neues Buch, ein neues Hobby oder ein neuer Mensch … Die Begeisterung ist allgegenwärtig. Im heutigen Zeitalter nimmt dabei die Zeit für das Messagen sicher auch zu und alleine das fällt dem Partner doch auf. Also fängt das Versteckspiel an – es wird geschrieben oder telefoniert, wenn der andere es nicht mitbekommt. Und damit kommen wir zu einer meiner Fragen von vor einem Jahr: An welchem Punkt fängt Fremdgehen denn an? Schon im Kopf? Im Zeitvolumen? Im Herz? Beim Sex? Beim Kuss?

Wenn nicht klar kommuniziert wird, wo Fremdgehen anfängt, weil der Partner nichts davon wissen will – was macht der sehnsüchtelnde Part denn dann? Und wie oft führt man diese Unterhaltung mit seinem Partner? Was zu Beginn der Beziehung vielleicht okay war, ist ein Jahr später überhaupt nicht mehr okay.

Und was ist, wenn einer von beiden permanent seine Neigungen „unterdrückt“? Klar, Kompromisse machen muss jeder, gerade in Beziehungen. Aber geht es wirklich auf Dauer gut, wenn jemand ständig diese Lust wegschiebt für den sonntäglichen Erdbeerkuchen auf der Terrasse? Versteht mich nicht falsch, das ist toll und natürlich ist es auch nicht okay, wenn einer von beiden sagt „ich will das aber und du willst es eben nicht und deswegen hol‘ ich mir das woanders – komm‘ damit klar“… Aber es muss doch noch ein Mittelding geben? Und eine Perspektive? Und eine gemeinsame Lösung oder sehe ich das zu „sexlastig“?  Ist Sex in langfristigen Beziehungen irgendwann Nebensache? Und sind sich da immer beide einig, dass dem so ist? Hier ist Kommunikation gefragt und eine gemeinsame Lösung finden… Jeder muss einen Schritt in die Mitte machen, sonst kann das meiner Meinung nach nicht klappen und dann wird der ehemals partnerschaftliche Kompromiss irgendwann zu einem eiskalten, schmerzenden Vorwurf.

Mein Fazit aus diesen Gedanken und meinen Erlebnissen: Wenn dann müssen beide Partner offen leben und auch beide Partner andere Partner haben … Und es muss darüber geredet werden, in regelmäßigen Abständen. Und selbst dann bleibt ein Restrisiko, dass es unausgeglichen bleibt und Verletzungen vorkommen … Und beide Seiten müssen sich mit den jeweiligen Vorlieben und Neigungen und Fantasien des anderen auseinandersetzen. Ein „Iiiiiih, bleib weg mit den Handschellen“ ist eben keine Lösung… (finde ich)

Im engeren Freundeskreis wird viel geheiratet und viel getrennt und es gibt Entscheidungen „nebeneinander her zu leben“ … Jede dieser Personen hat gute Gründe für die Entscheidungen, aber der Zweifel, ob man sich richtig entscheidet, bleibt … Weil es ja meist eben nicht nur um einen selber geht und oft auch gar nicht die Zügel in einer Hand alleine liegen.

Ein paar weitere Statistiken von Ragnar Beer und Theratalk

  • Eine Vorstudie ergab, dass etwa 76 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen sexuelle Unzufriedenheit in der Beziehung als Grund für den begangenen Seitensprung sahen.
  • Eine Befragung unter 3334 heterosexuellen Männern (34 %) und Frauen (66 %), deren Partner fremdgegangen waren, zeigt, dass die Betrogenen oft unter posttraumatischen Belastungsstörungen wie Depressionen, Angstattacken oder Herzrhythmusstörungen leiden. Die Studie ergab außerdem, dass ein Seitensprung nur in seltenen Fällen ein One-Night-Stand war. Über zwei Drittel der Betrogenen gaben an, dass die Affären ihrer Partner länger als einen Monat andauerten.
50 % der betrogenen Männer und 55 % der betrogenen Frauen kontrollieren, ob sie von ihrem Partner noch immer oder wieder betrogen werden …
… die Betrogenen durchsuchen die Taschen ihres Partners, durchstöbern seine Post, lesen seine E-Mails und checken sein Handy auf Telefonate und SMS
48 % der Männer und 53 % der Frauen haben die Untreue ihres Partners erahnt
58 % der Frauen, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
51 % der Männer, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
70 % der Frauen sind wütend auf die andere Frau, 68 % auch auf den eigenen Mann
70 % der Männer sind wütend auf den anderen Mann, aber nur 47 % auf ihre Partnerin“

Also für mich ziehe ich hieraus das Fazit, dass mein Bauchgefühl stimmt – Fremdgehen ist heimlich fast unmöglich 🙂

Ich klammere mal die „Unfälle“ aus, also zuviel Alkohol getrunken und One-Night-Stand z.B. Ich rede primär von den Herrschaften, die geplant untreu werden und bewusst eine Affäre suchen. Ich möchte z.B. selten wissen, warum der Mann Affären sucht… Ich möchte mir die Probleme nicht anhören, ich würde anfangen Probleme lösen zu wollen … Helfersyndrom und so

Aber sie erzählen es mir meist trotzdem und oft ist es eben die gleiche Geschichte: Sie hat nicht so oft Lust wie er, Sie mag nicht die Sachen, die er ausprobieren will … Das sind die Top Two.

Heute morgen gerade dazu gelesen, dass Liebe und damit auch Sex Zeit brauchen … Dass in unserem heutigen Alltag Liebe, Zeit für den Partner, Zeit für den Sex, kleine Rituale oft hinten herunterfallen, weil alles andere wichtiger ist und man abends bzw. morgens keine Zeit dafür hat… und irgendwann fällt es nicht mehr auf, dass es nicht mehr da ist… Weniger joggen, mehr vögeln – quasi 🙂
Datenights wieder einrichten, bewusst Zeit nehmen füreinander…
Es ist ja eigentlich so simpel und trotzdem … klappt es oft nicht…

Ich beobachte das für mich weiter, es ist ein Ding der Unmöglichkeit keinen Kontakt zu verheirateten Männern zu haben … Das steht in all meinen Profilen und auch wenn ich eine Absage erteile mit genau dieser Begründung, wird das oft nicht akzeptiert (und ja, dann liegt es an mir einfach nicht mehr zu reagieren … Das mache ich mittlerweile nach meiner Absage auch nicht mehr). Diese mangelnde Einsicht, dass am Ende ich auch ein grosser Verlierer in dem Spiel sein kann, wenn ich mich auf einen vergebenen Mann einlasse – die fehlt beim Gegenüber… Da kommt oft nur „aber ist doch meine Ehe, die ich aufs Spiel setze“ – äh, ja, nun … es ist aber auch mein Herz, im schlimmsten Fall… Denn was, wenn er mir gefällt … was, wenn ich mich in ihn verliebe? Ich werde niemals in der Lage sein etwas einzufordern, ich werde immer nur dann beachtet, wenn gerade Zeit ist und ich werde einfach niemals Priorität haben oder Nummer Eins sein … Das gilt in allem .. Es wird zuerst das Zuhause, das Sichere beschützt – wer dabei unter die Räder kommt? Egal… Am Ende höre ich dann wahrscheinlich noch einen Satz wie „Du wusstest doch, dass ich verheiratet bin“ … Also bliebe nur die Option des seelenlosen Ficks … Gibt es … Hatte und habe ich … Hat seine Daseinsberechtigung … Auf lange Sicht ist das aber eben nicht befriedigend für mich … Es dient der sexuellen Befriedigung, nicht der seelischen Geborgenheit…

Also bleibt als Fazit weiterhin die (für mich) spannende Frage: Was will ich?

 

Ich denke weiter nach… 🙂

 

Noch eine schöne Woche!

Lila

P.S.: Auch das hier aus dem Brigitte-Dossier fand ich sehr spannend und ja, ich versuche immer so schnell wie möglich die Menschen „in echt“ zu treffen *g*

Wolfgang Paetzold: „Wir müssen wieder lernen, ohne die elektronische Nabelschnur zu leben, altmodisch und sinnlich zu werden. Begehren entsteht aus Mangel, und die ständige Verfügbarkeit ist eine Form der Gefangenschaft. Es ist völlig in Ordnung digital Kontakt aufzunehmen – aber dann sollte man so schnell wie möglich die Ebenen wechseln und sich „in echt“ begegnen.“

 

 

P.P.S.: Das ist für Dich, Sir Alec 🙂

  • In Russland geht nur jeder vierte Russe fremd. Insbesondere Moskau allerdings fällt aus dem Rahmen – denn dort gehen 76% aller männlichen Einwohner fremd. Die Geliebte wird dabei als Statussymbol betrachtet. Bei den Frauen sind es wesentlich weniger, die fremdgehen. In ganz Russland sind es etwa 20% der Frauen, in Moskau etwa 40%.
  • In Italien betrügen nach eigener Aussage 67% der Männer ihre Ehefrauen. Das Forschungsinstitut Censis hat allerdings ausgewertet, dass lediglich 25% der Männer tatsächlich fremdgehen.
  • 29% der Schweizer haben außerehelichen Sex – und zwar sowohl Männer als auch Frauen
  • In Schweden gehen 38% der Männer und 23% der Frauen fremd
  • In den USA gehen lediglich 15 bis 17 Prozent fremd – und das auch noch mit schlechtem Gewissen, wie eine Studie der Forscherin Pepper Schwartz beweist. Dabei spielen Schuldgefühle und moralische und religiöse Bedenken eine wichtige Rolle.